Renk Group hat mit den Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 einen neuen Rekord vorgelegt: Der Auftragsbestand kletterte auf 7,4 Milliarden Euro, ein Höchststand in der Unternehmensgeschichte. Zugleich öffnet der Antriebstechnik-Spezialist ein neues Geschäftsfeld abseits der Rüstungssparte – mit mechanischen Komponenten für Gasturbinen-Generatoranlagen, die in Rechenzentren und KI-Infrastruktur zum Einsatz kommen sollen.
Auftragseingang auf Rekordniveau
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Auftragseingang auf rund 1,2 Milliarden Euro, nach 921,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Allein im zweiten Quartal verbuchte das Unternehmen 612,8 Millionen Euro neue Aufträge – der höchste Quartalswert der Firmengeschichte.
Das Book-to-bill-Verhältnis lag bei 1,9, Renk erhielt also fast doppelt so viele neue Aufträge, wie im gleichen Zeitraum abgearbeitet wurden. Treiber war vor allem das Verteidigungsgeschäft: Im Segment VMS gingen Aufträge im Volumen von 970,4 Millionen Euro ein.
Der Umsatz im ersten Halbjahr belief sich auf 637,2 Millionen Euro, das bereinigte EBIT auf 98,0 Millionen Euro. Daraus ergibt sich eine bereinigte EBIT-Marge von 15,4 Prozent. Reuters berichtete über die Rekordaufträge und bestätigte sowohl den Auftragsbestand als auch die unveränderte Jahresprognose des Managements.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Renk weiterhin mit einem Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro und einem bereinigten EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro. Für das dritte Quartal stellte das Management einen Auftragseingang zwischen 300 und 400 Millionen Euro in Aussicht.
Finanzierung, Free Cash Flow und neues Standbein
Neben dem operativen Wachstum verbesserte sich auch die Kapitalstruktur. Eine neue syndizierte, unbesicherte Finanzierung soll die jährlichen Finanzierungskosten um rund 7 Millionen Euro senken. Der Free Cash Flow verbesserte sich auf etwa 42 Millionen Euro. Als strategischen Baustein nannte Renk im Zusammenhang mit dem Halbjahresbericht auch die Übernahme von David Brown Defense, die die Position im Marine-Antriebsbereich stärken soll.
Bemerkenswert ist der Schritt in Richtung Energieinfrastruktur: Renk liefert nun mechanische Komponenten für Gasturbinen-Generatoranlagen, die für Rechenzentren und KI-Infrastruktur benötigt werden. Damit erschließt sich das Unternehmen ein Geschäftsfeld, das über die klassische Verteidigungstechnik hinausgeht und von der weltweiten Nachfrage nach Rechenkapazität profitieren könnte.
Auf der Investorenseite meldete BlackRock eine Stimmrechtsmitteilung: Der US-Vermögensverwalter überschritt am 29. Juli die Meldeschwelle und hält nun 4,07 Prozent der Stimmrechte an Renk.
Kursreaktion und Analystenmeinungen
Der Markt reagierte laut Reuters positiv auf die Halbjahreszahlen, die Aktie legte im Anschluss zeitweise zu. Zuletzt schloss das Papier am Mittwoch bei 50,22 Euro, nach einem Plus von 0,9 Prozent. Über 30 Tage steht ein Anstieg von 17 Prozent zu Buche, wobei die Aktie vom Zwischentief bei 40,41 Euro deutlich abgerückt ist. Zum bisherigen Jahreshoch von 90,20 Euro im Oktober klafft allerdings weiterhin eine erhebliche Lücke.
Mehrere Analysehäuser äußerten sich zuletzt zu Renk. Barclays stufte die Aktie am Montag auf Overweight ein, JP Morgan folgte bereits am Donnerstag zuvor mit derselben Einstufung. Die Deutsche Bank bestätigte am 7. August ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 73 Euro, DZ Bank nannte am selben Tag 64 Euro als Ziel.
Warburg Research bekräftigte am Montag die Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 63 Euro. Die überwiegend positiven Einschätzungen der Häuser fallen damit in dieselbe Woche wie die starken Halbjahreszahlen und die Nachricht zum neuen Geschäftsfeld im KI-Infrastrukturbereich.
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