Rekord bei den Aufträgen, gesenktes Kursziel vom eigenen Analysten – bei Renk passen die Signale gerade nicht zusammen. Die Aktie legte am Freitag um 3,30 Prozent auf 44,10 Euro zu. Grund war ein Pre-Closing-Update des Managements zum zweiten Quartal, das die Jahresziele bestätigte.
Rekordauftrag, aber verschobene Umsätze
Laut mwb research zeigt das Update einen neuen Rekordwert beim quartalsweisen Auftragseingang. Das Zwei-Milliarden-Euro-Ziel für den Auftragseingang im Gesamtjahr bleibt damit erreichbar.
Trotzdem bleibt der Analyst vorsichtig. Er bestätigt seine Einstufung „Halten“, senkt aber das Kursziel von 50 auf 48 Euro. Der Grund: Lieferungen nach Israel verschieben sich. Dadurch wandern 80 bis 100 Millionen Euro Umsatz ins zweite Halbjahr.
Positiv fällt dagegen die Profitabilität aus. Das bereinigte EBIT wächst weiterhin schneller als der Umsatz. Als weiteren Belastungsfaktor nennt mwb research durchgesickerte Unterlagen zum deutschen Beschaffungsbudget 2027 – die Details gelten als leicht nachteilig für Renk.
Jefferies sieht 40 Prozent Potenzial
Andere Häuser urteilen deutlich optimistischer. Jefferies bleibt vor den Quartalszahlen bei der Kaufempfehlung und hält am Kursziel von 60 Euro fest. Das entspricht rund 40 Prozent Potenzial gegenüber dem aktuellen Kurs.
Grundlage ist ein Analystentreffen im Vorfeld der Zahlen. Die Experten leiten daraus gestiegene Margen im zweiten Quartal ab. Sie erwarten, dass Renk beim operativen Ergebnis am oberen Ende der eigenen Prognose landet.
Auffällig bleibt dabei ein Widerspruch: Während sich die Fundamentaldaten offenbar verbessern, fließt weiterhin Kapital aus der Aktie ab. Überzeugende Quartalszahlen könnten das schnell drehen.
Charttechnik: Bodenbildung, aber kein Ausbruch
Seit Mitte Mai pendelt der Kurs in einer engen Spanne zwischen rund 40 und 42 Euro. Ein Ausbruch über die 200-Tage-Linie bei 54,38 Euro wäre nötig, um den Abwärtstrend charttechnisch zu brechen – aktuell liegt der Kurs knapp 19 Prozent darunter.
Der RSI von 45,6 zeigt weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale. Die 30-Tage-Volatilität von rund 51 Prozent bestätigt: Renk bleibt ein schwankungsanfälliger Rüstungswert.
Auf Monatssicht steht die Aktie mit -6,24 Prozent weiterhin im Minus, auf Wochensicht mit +1,19 Prozent leicht im Plus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 88,73 Euro trennen den Titel noch gut 50 Prozent.
Zahlen am 6. August im Fokus
Die vollständigen Halbjahreszahlen stehen Anfang August an. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen zwei Polen pendeln: dem bestätigten Rekord-Auftragseingang auf der einen, der Skepsis wegen verschobener Israel-Umsätze auf der anderen Seite.
Der Rüstungssektor bleibt zudem anfällig für politische Nachrichten. Signale zu europäischen Verteidigungsbudgets dürften für Renk auch in den kommenden Handelstagen für Ausschläge sorgen.
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