Nach einem Minus von fast 23 Prozent seit Jahresbeginn wagt mwb research eine klare Gegenbewegung: Die Analysten hoben ihre Einschätzung für Renk auf „Buy“ an — trotz der F126-Stornierung, die den Kurs zuletzt belastet hatte.
F126-Schock als Überreaktion?
mwb research sieht die Marktreaktion auf die gestrichene Fregatte F126 als übertrieben. Die Analysten argumentieren, dass Investoren Renk zu stark mit den Problemen bei Rheinmetall gleichgesetzt haben. Das tatsächliche Risiko für Renk beziffert mwb auf rund 20 Mio. Euro — ein Betrag, der durch Entschädigungsansprüche ausgeglichen werden könnte.
Außerdem sieht mwb im Wechsel vom F126-Programm zur MEKO A-200 sogar eine Chance. Schnellere Lieferzeiten und höhere Stückzahlen könnten Renk ein Chancenvolumen von 30 bis 40 Mio. Euro eröffnen. Das ist eine Analystenschätzung, keine Unternehmensaussage.
Bundeswehr setzt auf MEKO statt F126
Die Bundeswehr beendete das F126-Projekt wegen Verzögerungen und hohen Kosten. Statt sechs F126-Fregatten plant das Verteidigungsministerium nun acht MEKO-A-200-DEU-Fregatten. Für die ersten vier nennt die Bundeswehr einen Beschaffungspreis von rund 6,3 Mrd. Euro. Eine Option über vier weitere Schiffe kostet zusätzlich rund 5,3 Mrd. Euro — vorbehaltlich der Zustimmung des Haushaltsausschusses.
Für Renk als Zulieferer hängt viel davon ab, ob Land-Systeme das Marineprojekt als Wachstumstreiber ersetzen können.
Kursbild bleibt angespannt
Die Renk Aktie schloss am Freitag bei 42,72 Euro — ein Tagesplus von 3,26 Prozent. Das klingt nach Erholung, relativiert sich aber schnell: Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Minus von rund 19 Prozent, das 52-Wochen-Hoch bei 88,73 Euro liegt mehr als 50 Prozent entfernt. Der RSI von 36,8 zeigt überverkauftes Terrain, eine bestätigte Trendwende ist das noch nicht.
Operativ lieferte Renk im ersten Quartal 2026 solide Zahlen: Auftragseingang von 582,3 Mio. Euro, ein Auftragsbestand von 6,9 Mrd. Euro und ein bereinigtes EBIT von 42,4 Mio. Euro. Die Jahresprognose — Umsatz über 1,5 Mrd. Euro, bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Mio. Euro — blieb bestätigt.
mwb erwartet für das zweite Quartal einen Auftragseingang von über 500 Mio. Euro, falls Berlin Entscheidungen zu Land-Systemen beschleunigt. Bleiben diese aus, rechnen die Analysten mit entsprechenden Aufträgen im dritten Quartal. Der NATO-Gipfel Anfang Juli gilt dabei als nächster wichtiger Signalgeber für die Verteidigungsausgaben.
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