Vom 52-Wochen-Tief Mitte Mai bis zum aktuellen Kurs von 56,31 Euro — Renk hat in kurzer Zeit kräftig aufgeholt. Jetzt folgen zwei Termine, die das Bild weiter prägen könnten: die Hauptversammlung am 10. Juni und die Rüstungsmesse Eurosatory in Paris.
Erholt, aber noch weit vom Hoch
Der Kurs legte in den vergangenen sieben Tagen knapp 15 Prozent zu und liegt damit klar über dem 50-Tage-Durchschnitt. Vom 52-Wochen-Hoch bei 88,73 Euro trennt die Aktie allerdings noch ein Abstand von gut 36 Prozent. Der RSI von 73,4 signalisiert, dass die Erholung technisch bereits in überkauftes Terrain läuft.
Das operative Fundament wirkt solide. Der Auftragseingang kletterte in Q1 2026 auf 582,3 Millionen Euro — der höchste Wert in einem Auftaktquartal der Unternehmensgeschichte. Der Gesamtauftragsbestand erreichte mit 6,9 Milliarden Euro ein Allzeithoch. Mehr als 90 Prozent des geplanten 2026er-Umsatzes sind bereits vertraglich gesichert, weshalb das Management die Jahresprognose unverändert lässt: Umsatz über 1,5 Milliarden Euro, bereinigtes EBIT zwischen 255 und 285 Millionen Euro.
Hauptversammlung: Führungswechsel, Dividende, Konzernumbau
Am 10. Juni stimmen die Aktionäre über ein dichtes Paket ab. Claus von Hermann legt den Aufsichtsratsvorsitz auf eigenen Wunsch nieder. Als Nachfolger ist Dr. Klaus Richter vorgeschlagen — langjähriger Vorstandssprecher der Diehl Gruppe und zuvor zwölf Jahre bei der Airbus Group in leitenden Funktionen, unter anderem als Chief Procurement Officer.
Die Dividende soll von 0,42 auf 0,58 Euro je Aktie steigen, ein Anstieg von 38 Prozent. Damit läge die Ausschüttungsquote bei 40,9 Prozent — innerhalb des angestrebten Korridors von 40 bis 50 Prozent des bereinigten Nettoergebnisses. Ausgezahlt wird am 15. Juni, der Ex-Dividende-Tag ist der 11. Juni.
Ferner steht die Zustimmung zu einem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag zwischen der RENK Group AG und der RENK GmbH auf der Tagesordnung. Der Schritt soll interne Abläufe vereinfachen und die Konzernstruktur verschlanken.
Eurosatory: Neues Terrain für Renk
Wenige Tage nach der Hauptversammlung folgt Paris. Auf der Eurosatory 2026 vom 15. bis 19. Juni präsentiert Renk den ESM 280 — ein Antriebssystem mit bis zu 620 Kilowatt Leistung und einer konstruierten Lebensdauer von 40 Jahren. Gezeigt wird es gemeinsam mit einem schweren unbemannten Bodenfahrzeug, das mit dem Partner Patria entwickelt wurde.
Das ist strategisch bedeutsam: Renk wagt damit den Einstieg in den Markt für gepanzerte Radfahrzeuge. Bisher konzentrierte sich der Augsburger Antriebsspezialist auf Kettenfahrzeuge. Parallel dazu liefert das Unternehmen ein integriertes Antriebspaket für ein unbemanntes Überwasserschiff eines NATO-Staates — ein weiteres Segment, in dem Renk bisher kaum präsent war.
Bis 2030 peilt das Management einen Umsatz von bis zu 3,2 Milliarden Euro an, die EBIT-Marge soll dann über 20 Prozent liegen. Die Getriebeproduktion in Augsburg soll von rund 700 auf mehr als 1.800 Einheiten jährlich wachsen — eine Kapazitätserweiterung, die unmittelbar auf den strukturellen Nachfrageschub aus der europäischen Aufrüstungsdebatte setzt. Ob Eurosatory neue Aufträge bringt, wird sich spätestens beim Kapitalmarkttag zeigen.
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