Starke Auftragslage, schwache Kurse — bei Renk klaffen Realität und Stimmung an der Börse auseinander. Auf der Rüstungsmesse Eurosatory in Paris präsentiert das Augsburger Unternehmen aktuell seinen Ausweg aus diesem Dilemma. Der Konzern will nicht länger nur Komponenten liefern. Das Ziel: Renk baut sich zum Systemintegrator für autonome Antriebe um.
Vom Getriebe zur digitalen Steuerung
Im Zentrum der neuen Strategie steht ein Projekt mit dem finnischen Partner Patria. Beide Unternehmen entwickeln ein schweres unbemanntes Bodenfahrzeug. Renk liefert dafür das neu entwickelte HSWL 076-Getriebe.
Der Clou daran ist die Drive-by-Wire-Technologie. Lenkung, Bremsen und Antrieb funktionieren komplett elektronisch. Eine mechanische Verbindung fehlt. Diese digitale Steuerung gilt als Grundvoraussetzung für die nächste Generation autonomer Militärfahrzeuge.
Parallel dazu weitet Renk sein Sortiment aus. Bisher kannte man die Augsburger vor allem für schwere Kettenpanzer-Antriebe wie im Leopard 2. Jetzt rücken Radpanzer in den Fokus. Mit dem neuen ESM 280-Getriebe bedient das Unternehmen die wachsende Nachfrage nach hochmobilen Einsatzkräften. Das verringert die Abhängigkeit von einzelnen Großprojekten.
Volle Bücher, schwacher Kurs
Operativ läuft es rund. Das Management bestätigte kürzlich das Jahresziel von über 1,5 Milliarden Euro Umsatz. Feste Verträge sichern bereits über 90 Prozent dieser Summe ab. Der gesamte Auftragsbestand liegt auf dem Rekordwert von 6,9 Milliarden Euro.
Auch die finanzielle Basis steht. Auf der Hauptversammlung am 10. Juni beschlossen die Aktionäre eine deutlich höhere Dividende. Die Ausschüttung steigt um 38 Prozent auf 0,58 Euro je Anteilsschein. Klaus Richter übernimmt künftig die Kontrolle als neuer Aufsichtsratsvorsitzender.
An der Börse verpuffen diese Erfolge bislang. Trotz eines leichten Tagesplus auf 48,02 Euro notiert die Aktie tief im Minus. Seit Jahresbeginn verlor der Titel rund 13 Prozent an Wert. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 88,73 Euro verdeutlicht die anhaltende Schwäche.
Technisch bleibt das Bild angespannt. Der Kurs hängt deutlich unter der 200-Tage-Linie fest. Am 6. August präsentiert Renk die detaillierten Zahlen für das zweite Quartal. Spätestens dann muss das Management beweisen, dass die neue Systemstrategie auch Investoren überzeugt.
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