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Symbolbild, KI-generiert

Renditen-Schock bedroht Börsenrally

Die zehnjährige US-Rendite erreicht 4,79 Prozent. Schulden, Japans Zinswende und Tech-Anleihen erhöhen den Druck auf Aktienbewertungen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • US-Rendite erreicht höchsten Stand seit Januar 2025
  • S&P 500 liegt über elf Prozent vorn
  • Japans Anleiherendite übersteigt erstmals drei Prozent
  • Tech-Konzerne planen eine Billion Dollar KI-Investitionen

Die Marke von 5% wird zum Gespenst der Wall Street. Während US-Konzerne gerade eine der stärksten Gewinnsaisons der letzten Jahre hinter sich gebracht haben, rückt eine ganz andere Zahl in den Fokus der Anleger: die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen. Sie nähert sich einem psychologischen Schwellenwert, der Erinnerungen an den Herbst 2023 weckt – eine Phase breiter Kursverluste an den Börsen.

Am Mittwoch kletterte die richtungsweisende Rendite auf 4,79% und damit auf ihr höchstes Niveau seit Januar 2025. Seit März hat sie um mehr als 80 Basispunkte zugelegt. Der S&P 500 steht dennoch mit einem Plus von über 11% im laufenden Jahr da – bislang hat die Gewinnsaison als Puffer gewirkt. Doch dieser Puffer schwindet. „Der Markt richtet seinen Blick jetzt stärker auf diese Makrofaktoren, weil die Berichtssaison im Rückspiegel liegt“, sagt Keith Lerner von Truist Advisory Services.

Warum die 5%-Marke Anleger nervös macht

Höhere Anleiherenditen sind für Aktien aus mehreren Gründen ein Problem. Sie machen Bonds als Anlageklasse attraktiver, verteuern Kredite und drücken auf die Bewertung künftiger Unternehmensgewinne. Gerade Wachstumswerte, deren Kurse stark auf Erwartungen ferner Zukunftsgewinne basieren, reagieren empfindlich – ein Punkt, der angesichts der massiven KI-getriebenen Kursgewinne der vergangenen Jahre besonders schwer wiegt.

„Es gibt viel Duration-Risiko in den Marktsegmenten, die zuletzt am besten gelaufen sind“, warnt Noah Weisberger von BCA Research. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse haben sich bereits angepasst: Der S&P 500 wird derzeit mit einem Forward-KGV von 19,7 gehandelt, verglichen mit 22,2 zu Jahresbeginn. Damit bleibt der Index zwar teurer als sein historischer Schnitt von 16 – doch die Luft nach oben wird dünner. „Höhere Renditen können der KGV-Expansion eine Grenze setzen“, so Angelo Kourkafas von Edward Jones.

Ein weiterer Belastungsfaktor: Am Dienstag griff das US-Militär erneut Ziele der iranischen Revolutionsgarden an – der zweite Angriff dieser Woche. Die Ölpreise reagierten prompt, Brent-Rohöl kletterte über 95 Dollar je Barrel. Sollte die Straße von Hormus tatsächlich beeinträchtigt werden, drohen höhere Energiepreise die Inflation neu anzufachen – ausgerechnet in einem Moment, in dem der neue Fed-Chef Kevin Warsh ohnehin schon höhere Zinsen ins Spiel gebracht hat.

Amerikas Schuldenberg treibt die Zinsspirale an

Hinter dem Renditeanstieg steckt auch ein hausgemachtes Problem: Die US-Staatsverschuldung hat erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten – 19 Monate nach Trumps Amtsantritt, der eigentlich fiskalische Disziplin versprochen hatte. Statt Ausgabenkürzungen wuchsen die Bundesausgaben weiter, der Iran-Konflikt entwickelt sich zu einem teuren Dauerzustand, und die Kosten für den Schuldendienst steigen parallel zu den Renditen.

„Es gibt kein Szenario, in dem man die Bilanz von Präsident Trump als fiskalischen Erfolg bezeichnen könnte“, sagt Maya MacGuineas vom Committee for a Responsible Federal Budget. Trumps Steuerreformen aus beiden Amtszeiten summieren sich laut CBO auf mehr als 13 Billionen Dollar zusätzlicher Schulden. Das von Elon Musk geleitete Effizienzprogramm DOGE versprach zwei Billionen Dollar an Einsparungen, lieferte am Ende aber nur 110 Milliarden – Zahlen, die der Rechnungshof GAO als überhöht oder nicht belegbar einstufte.

Die Folge: Ökonomen erwarten, dass ein künftiger Präsident und der Kongress um unpopuläre Schritte wie Steuererhöhungen oder Einschnitte bei der Sozialversicherung kaum herumkommen werden.

Japans Zinswende zieht Kapital aus der Welt ab

Verschärft wird der globale Renditedruck durch eine Entwicklung in Japan. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen durchbrach diese Woche erstmals seit 1996 die 3%-Marke – nach mehr als einer Verdreifachung binnen zwei Jahren. Das ist mehr als eine Randnotiz: Japan ist der größte ausländische Halter von US-Staatsanleihen und hält weltweit rund 2,4 Billionen Dollar an Auslandsschulden.

Erste Anzeichen einer Kapitalrückkehr sind bereits sichtbar. Japanische Investoren haben bis zum 22. August netto 3 Billionen Yen an Auslandsanleihen verkauft – der größte Jahresabfluss seit dem Anleihe-Crash 2022. „Es ist eine natürliche Bewegung für japanische Investoren, Geld aus den USA abzuziehen und nach Japan zurückzuholen“, sagt Fondsmanager Toshinobu Chiba von Simplex Asset Management. Eine Umfrage von J.P. Morgan Asset Management unter 82 japanischen Pensionsfonds zeigt zudem den höchsten Anteil an Fonds seit 2008, die ihre Inlandsanleihen-Quote erhöhen wollen.

„Die Geschichte ist nicht eine groß angelegte Repatriierung, sondern dass Japan allmählich aufhört, der marginale Käufer ausländischer Anleihen zu sein“, erklärt Masahiko Loo von State Street. Genau das drückt die Terminprämien weltweit nach oben.

Tech-Konzerne fluten den Anleihemarkt

Parallel dazu sorgen die großen US-Technologiekonzerne für zusätzlichen Druck auf die Bondmärkte – dieses Mal in Europa. Laut einem Blogbeitrag der Europäischen Zentralbank könnten Google, Amazon und Microsoft bis 2028 rund eine Billion Dollar in KI-Investitionen stecken, finanziert über massive Anleihe-Emissionen. Die sogenannten Hyperscaler haben bereits rund 40 Milliarden Euro Anleihevolumen in der Eurozone ausstehend und stellten zuletzt fast 10% der Neuemissionen.

Das Risiko: Diese Nachfrage nach frischem Kapital könnte andere Schuldner verdrängen und die Finanzierungskosten selbst für Staaten in die Höhe treiben. Die EZB warnt zudem, dass die hohen Kreditratings der Tech-Riesen auf möglicherweise zu optimistischen Annahmen über künftiges Umsatzwachstum beruhen.

Notenbanken zwischen Wachstum und Vorsicht

Inmitten dieser globalen Zinsturbulenzen dürfte die Bank of Canada an diesem Mittwoch ihren Leitzins bei 2,25% belassen. Kanadas Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal mit annualisiert 3,3% deutlich stärker als erwartet – doch die neuen US-Zölle von 50% auf kanadische Güter und die kanadischen Gegenzölle drohen, diesen Schwung im zweiten Halbjahr auszubremsen. „Die Risiken entwickeln sich weiter und werden breiter“, so Ökonom Randall Bartlett von Desjardins.

Auch Südkorea reagiert auf die globale Zinsdynamik: Die dortigen Devisenbehörden kauften rund 20 Milliarden Dollar aus den repatriierten Erlösen des SK-Hynix-Börsengangs auf, um die eigenen, stark geschrumpften Devisenreserven aufzufüllen und den Won zu stabilisieren – ein weiteres Beispiel dafür, wie eng globale Kapitalflüsse inzwischen verwoben sind.

Für die Wall Street bleibt die entscheidende Frage offen: Reicht die Widerstandskraft der Unternehmensgewinne aus, um einen geordneten Renditeanstieg abzufedern? Oder markiert die 5%-Marke den Punkt, an dem Anleger beginnen, sich von Risikoanlagen zu verabschieden? Die kommenden Wochen mit ADP-Arbeitsmarktdaten, dem Fed-Beige-Book und der Entwicklung im Nahost-Konflikt werden erste Antworten liefern.

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Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.