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Symbolbild, KI-generiert

Rendite wie 2007, Chips auf Jahreshoch: Warum volle Auftragsbücher nicht mehr reichen

Nvidias Rückkaufprogramm und Cashflow stützen die Aktie, während Rheinmetall und Renk trotz hoher Auftragsbestände nachgeben.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Nvidia erweitert Rückkauf um 150 Milliarden Dollar
  • Aktie erreicht neues 52-Wochen-Hoch
  • Rheinmetall verliert trotz wachsendem Auftragsbestand
  • Renk fällt nach JPMorgan-Kurszielsenkung

Sehr geehrte Damen und Herren,

trotz der höchsten Zehnjahresrenditen seit 2007 kauften Anleger am Montag Nvidia. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen steht mit gut 5,2 Prozent so hoch wie zuletzt im Juni 2007. Die Dreißigjährige erreicht mit rund 5,5 Prozent den höchsten Stand seit 2004. Gleichzeitig verkaufen Anleger Rheinmetall und Renk, obwohl deren Auftragsbücher randvoll sind.

Das ist kein Widerspruch, sondern das Muster dieses Quartalsendes. Nicht das Zinsniveau entscheidet, sondern die Frage, ob ein Unternehmen aus Nachfrage tatsächlich Cashflow macht. Wer liefert, wird trotz Warsh-Fed belohnt. Wer nur Aufträge sammelt, wird trotz Wachstumsstory abgestraft.

Anleihen: Fünf Prozent sind kein Ausrutscher, sondern der neue Boden

Wer auf eine rasche Entspannung am Rentenmarkt setzt, findet in den Daten derzeit keine Stütze. Der Ausverkauf am US-Rentenmarkt hat sich am Montag verschärft, nachdem Donald Trump am Samstag den iranischen Sieben-Tage-Plan zur Öffnung der Straße von Hormus abgelehnt hatte. Die Zehnjährige legte um 9 Basispunkte auf 5,25 Prozent zu, die Dreißigjährige sprang auf 5,57 Prozent. Vor zwei Wochen lag die Zehnjährige noch unter 4,8 Prozent.

Den Boden dafür bereitet die Fed selbst. Die einstimmige Anhebung vom 16. September auf 3,75 bis 4,00 Prozent, die erste seit 2023, lesen die Terminmärkte nicht als Einzelschritt. Für die Sitzung am 28. Oktober preisen sie mehr als 60 Prozent Wahrscheinlichkeit für den nächsten Schritt ein. 16 von 18 FOMC-Mitgliedern erwarten mindestens eine weitere Erhöhung in diesem Jahr.

Kevin Warsh hat in seiner ersten Pressekonferenz betont, die Inflation liege seit über fünf Jahren über dem Ziel. Die Kern-PCE-Rate hat 2026 in jedem Monat über 3 Prozent gelegen. Die Inflationserwartungen der US-Verbraucher für zwölf Monate sprangen im September von 4,0 auf 4,6 Prozent – für eine Notenbank, die gerade ihren Inflationsrahmen überarbeitet, ist das ein Argument gegen Zögern.

Bemerkenswert ist die Erklärung, die Macquarie liefert: Haupttreiber sei nicht mehr die Inflation, sondern das Emissionsvolumen – dazu unten mehr. In einer Bloomberg-Umfrage unter 173 Experten erwarten 53 Prozent die Dreißigjährige noch in diesem Jahr über 6 Prozent.

Die Gegenposition beziehen BlackRock und Morningstar, die von einer „generational income opportunity“ sprechen. Morningstar rät je nach Zeithorizont, die Anleihequote von 10 auf 15 bis 20 Prozent zu erhöhen.

Für Anleger, die Duration aufbauen wollen, ist die Botschaft klar: Der laufende Ertrag ist so attraktiv wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht, aber wer vor den Arbeitsmarktdaten am Freitag einsteigt, kauft gegen einen Trend, der noch nicht gedreht hat. Europa kann sich dem nicht entziehen: Zehnjährige Bunds notierten am Montag bei 3,64 Prozent.

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Wenn die Zehnjahresrendite Werte erreicht, die seit 2007 nicht mehr zu sehen waren, stellt sich für jedes Depot die Frage nach der richtigen Neuausrichtung. Ein aktueller Report erklärt, warum klassische Zinsprodukte an Wirkung verlieren, wie Dividenden als Ersatz für die alte Zinslogik funktionieren und welche Schritte gegen die schleichende Inflationsentwertung helfen. Strategien gegen die Zinsillusion abrufen

Chipwerte: Cashflow schlägt Diskontsatz

Die Halbleiterbranche liefert gerade den Beweis, dass hohe Zinsen nur Unternehmen treffen, die Kapital brauchen. Nvidia hat am Montag sein Rückkaufprogramm um 150 Milliarden Dollar aufgestockt. Das ist die größte Erhöhung einer Rückkaufautorisierung, die es je gab, und mehr als Apples Rekord von 110 Milliarden Dollar aus 2024. Insgesamt stehen nun 235 Milliarden Dollar bis zum Geschäftsjahr 2028 zur Verfügung, was den Börsenwert von rund 84 Prozent aller S&P-500-Unternehmen übersteigt.

Die Nvidia-Aktie stieg gegen einen fallenden Gesamtmarkt und markierte am Montag mit 205,25 Euro ein neues 52-Wochen-Hoch. Aktuell notiert sie im deutschen Handel bei rund 202 Euro. Das Jahresplus liegt bei 26 Prozent, die Marktkapitalisierung bei 4,78 Billionen Euro.

Glaubwürdig macht dieses Programm der freie Cashflow. FactSet erwartet über die nächsten sechs Quartale rund 440 Milliarden Dollar. Nvidia selbst hat für das Geschäftsjahr 2028 rund 70 Prozent Umsatzwachstum in Aussicht gestellt. Das Forward-KGV auf Zwölfmonatssicht liegt laut LSEG bei rund 16,5 – der 15-Jahres-Schnitt beträgt etwa 30.

Ein Konzern, der seinen Umsatz im Juli-Quartal auf 96,2 Milliarden Dollar mehr als verdoppelt hat und mit Abschlag auf die eigene Bewertungshistorie handelt, kann Zinsen von 5 Prozent ignorieren, weil er sie nicht braucht.

Parallel zum Rückkauf brachte Nvidia eine Sicherheitsplattform für autonome KI-Agenten auf den Markt. Das geschah am selben Tag, an dem OpenAI das Training seiner neuesten Modelle stoppen musste, weil Agenten mit online gefundenen Zugangsschlüsseln Daten des US-Zensusbüros abgezogen hatten.

Auch AMD zeigt Stärke. Ebenfalls am Montag kündigte AMD die Übernahme von World Labs an, dem KI-Forschungslabor von Fei-Fei Li, für 8,2 Milliarden Dollar in Aktien. Der Abschluss ist bis Jahresende geplant. AMD kauft damit Expertise in „spatial intelligence“ – KI-Modelle, die dreidimensionale Umgebungen und physische Interaktionen simulieren – und positioniert sich gegen Nvidias Software-Ökosystem.

Die AMD-Aktie hatte in der Vorwoche knapp 13 Prozent zugelegt und kurzzeitig die Marke von einer Billion Dollar Marktkapitalisierung überschritten, ehe sie am Montag darunter zurückfiel. Auf Zwölfmonatssicht steht ein Plus von 290 Prozent, seit Jahresbeginn 192 Prozent. Das 52-Wochen-Hoch von 566,50 Euro datiert vom vergangenen Freitag. Intel hat sich mit 224 Prozent seit Jahresbeginn sogar noch besser entwickelt.

Wer die Chipwerte als Zinsopfer eingeplant hatte, sollte die Rechnung überprüfen. Der iShares Semiconductor ETF liegt 2026 mit 86 Prozent im Plus – die Branche handelt Cashflow-Wachstum, nicht Diskontierungssätze.

Rüstung: Der Markt bestraft die Umsetzung, nicht den Zins

Bei den Rüstungswerten zeigt sich die Kehrseite derselben Logik. Rheinmetall hat in der Woche bis Freitag 4,8 Prozent verloren und am Montag weiter nachgegeben. Aktuell notiert die Rheinmetall-Aktie um 968 Euro, 38 Prozent unter dem Jahresstart und 51 Prozent unter dem Stand vor zwölf Monaten. Das 52-Wochen-Tief von 902,50 Euro aus dem Juni rückt in Sichtweite.

Dabei ist der operative Befund alles andere als schwach. Der Umsatz im zweiten Quartal stieg um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand wuchs im ersten Halbjahr von 56 auf über 80 Milliarden Euro, die operative Marge von 12 auf 15 Prozent.

Belastet wird der Kurs von drei Punkten. Erstens die am 6. August gekappte Umsatzprognose auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro nach dem Aus des Fregattenprojekts F126. Zweitens Berichte über Verzögerungen beim Waffenträger-Projekt, drittens negativer freier Cashflow. Der Markt fragt inzwischen nach Lieferfähigkeit statt nach Auftragsvolumen. Dazu kommen Spekulationen über eine US-russische Annäherung rund um den G20-Gipfel in Miami.

Renk lieferte am Montag den Beleg, wie eng der Spielraum geworden ist. Die Renk-Aktie fiel um knapp 4 Prozent auf 38,99 Euro, den tiefsten Stand seit April 2025, nachdem JPMorgan das Kursziel von 75 auf 62 Euro gesenkt hatte – bei bestätigtem „Overweight“. Analyst David Perry erwartet für das dritte Quartal Schwächen im Industriegeschäft der Sparte Maritime & Industry.

Auf der Analystenseite gibt es allerdings eine Gegenbewegung. Goldman Sachs hat Renk von „Neutral“ auf „Buy“ hochgestuft, mit Kursziel 65 Euro. Berenberg bleibt bei „Buy“ mit 72 Euro.

Bei Rheinmetall reicht die Spanne von mwb research („Halten“, 1.050 Euro) bis Bernstein (1.900 Euro), das mittlere Kursziel liegt über 1.640 Euro. Hensoldt notiert um 75 Euro, 31 Prozent unter Vorjahr.

Der Prüfstein für alle drei ist datiert. Am 5. November kommen die Q3-Zahlen, und Rheinmetall-Chef Papperger will bis Jahresende den Arminius-Boxer-Auftrag über mindestens 14 Milliarden Euro abschließen. Wer den Sektor kaufen will, kauft eine Wette darauf, dass der Auftragsbestand ab dem vierten Quartal in Cashflow übersetzt wird – nicht auf neue Bestellungen. Die gibt es ohnehin: Berlin plant 10 Milliarden Euro für Drohnensysteme.

KI-Schuldenwelle: Oracle zeigt, wo es zuerst reißt

Hier schließt sich der Kreis zum Rentenmarkt. Vanguard schätzt, dass Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle bis Juli rund 132 Milliarden Dollar an Anleihen platziert haben. Im Schnitt der Jahre 2020 bis 2024 waren es etwa 35 Milliarden pro Jahr.

Für 2026 werden weltweit KI-bezogene Emissionen von 300 bis 570 Milliarden Dollar erwartet. Die Investitionsbudgets der vier großen Hyperscaler summieren sich auf 700 bis 725 Milliarden Dollar, ein Plus von 77 Prozent.

Dass diese Angebotsflut die Renditen treibt, ist die eine Seite. Die andere ist, dass sie bei den Schwächsten zuerst reißt. Oracle hat Stack Infrastructure, ein Blue-Owl-Portfoliounternehmen, per Force-Majeure-Mitteilung über eine mindestens einjährige Verzögerung bei einer Rechenzentrumsmiete informiert.

Die fünfjährigen Kreditausfallversicherungen auf Oracle stiegen am Freitag auf ein Allzeithoch. Die Oracle-Aktie hat auf Zwölfmonatssicht 51 Prozent verloren und notiert bei rund 117 Euro.

Anthropics IPO-Prospekt zeigt laut Reuters die Dimension der Wette: 42 Milliarden Dollar Nettoverlust 2025 und Verpflichtungen von 518 Milliarden Dollar für Cloud und Infrastruktur. 22V Research warnt, dass in den letzten 50 Jahren jeder der 16 vergleichbar schnellen Zinsanstiege in eine Verwerfung führte. Als Risikofelder nennen die Analysten Private Credit, kreditfinanzierte KI-Infrastruktur und Regionalbanken.

Die Trennlinie für Anleger verläuft zwischen KI-Profiteuren mit Bilanzstärke (Nvidia, AMD) und KI-Baumeistern mit Fremdkapitalhebel (Oracle, Neoclouds).

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Während Nvidia seine Milliarden-Rückkäufe aus eigenem Cashflow stemmt und Oracle zeitgleich mit Rekord-Kreditausfallprämien kämpft, wird deutlich, wie unterschiedlich Unternehmen vom KI-Boom tatsächlich profitieren. Ein Spezialreport stellt vier weniger bekannte KI-Titel vor – darunter einen Marktführer der Zukunft, einen Nischen-Monopolisten und einen Spezialisten für Rechenkapazität und Speicherplatz. Vier KI-Profiteure entdecken

Iran, Öl, Bitcoin: Trumps Nein hält Brent über 105 Dollar

Die Ablehnung des iranischen Angebots am Samstag hat den Ölpreis wieder nach oben gezogen. Teheran hatte die Hormus-Öffnung gegen ein Ende der Seeblockade angeboten, dazu die Aufhebung der Ölsanktionen und die Freigabe von mindestens 12 Milliarden Dollar Vermögen. Brent handelt über 105 Dollar. Trump sagte am Sonntag, man werde den Krieg „sehr bald gewinnen“, schloss Schläge vor den Midterms am 3. November aber nicht aus.

Immerhin gibt es Entlastung auf der Angebotsseite. Die Nahost-Exporte sind laut Kpler im September auf 16,3 Millionen Barrel pro Tag gestiegen, den höchsten Wert seit Kriegsbeginn.

Bitcoin reagierte am Montag mit einem Rutsch auf rund 83.000 Dollar und Long-Liquidationen von fast 69 Millionen Dollar. Zuletzt stabilisierte sich die Kryptowährung bei knapp 84.000 Dollar. Das Quartal bleibt mit rund 42 Prozent Plus stark, gestützt von ETF-Zuflüssen von etwa 2,4 Milliarden Dollar in der Vorwoche. Auf Jahressicht steht aber weiterhin ein Minus von 4 Prozent.

Das große Bild

Die Woche entscheidet sich an den Daten. Im Wochenverlauf folgen die August-PCE-Zahlen, der Konsens erwartet für die Kernrate +0,3 Prozent zum Vormonat. Am Freitag kommt der US-Arbeitsmarktbericht mit erwarteten 84.000 bis 100.000 neuen Stellen bei 4,1 Prozent Arbeitslosigkeit. Ein heißer PCE-Wert würde den Oktober-Schritt der Fed praktisch besiegeln.

Heute und morgen legt BMW auf dem Kapitalmarkttag vor, wie eine Auto-EBIT-Marge von 2,3 Prozent im zweiten Quartal wieder Richtung 5 Prozent kommen soll. Morgen berichtet Micron.

Die Lehre dieses Quartalsendes: Nvidia finanziert 235 Milliarden Dollar Rückkäufe aus eigener Kraft, Oracle kämpft mit Rekord-Kreditausfallprämien, Rheinmetall mit negativem freiem Cashflow trotz 80 Milliarden Euro Auftragsbestand. Fünf Prozent Zins sind kein Todesurteil für Aktien, sondern ein Filter – und der Filter heißt Cashflow, nicht Auftragsbuch.

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.