Redcare Pharmacy hat auf der Hauptversammlung reinen Tisch gemacht. Die Aktionäre segneten die komplette Erneuerung des Aufsichtsrats ab und bestätigten den neuen Finanzchef. Diese personelle Neuaufstellung trifft auf ein Unternehmen im Spagat. Operativ brummt das Geschäft, aber massive Investitionen drücken hart auf die Margen.
Amazon-Expertise für das Management
Das Kontrollgremium bekommt drei neue Gesichter. Anja Hendel, Max Müller und Peter Schmid von Linstow ersetzen die scheidenden Mitglieder. Damit verabschieden sich auch langjährige Weggefährten wie Björn Söder aus dem Aufsichtsrat.
Im Zentrum des Aktionärstreffens stand die Personalie Hendrik Krampe. Die Anteilseigner bestätigten den ehemaligen Amazon-Manager offiziell als neuen Finanzvorstand. Er leitete zuvor acht Jahre lang die Finanzen des europäischen Amazon-Marktplatzes. Diese E-Commerce-Erfahrung soll das weitere Wachstum von Redcare absichern.
Rezeptgeschäft treibt das Wachstum
Parallel zur personellen Neuaufstellung liefert das operative Geschäft starke Signale. Der vorläufige Konzernumsatz kletterte im ersten Quartal um gut 18 Prozent auf 848 Millionen Euro. Der Kundenstamm wuchs auf 14,2 Millionen aktive Nutzer.
Besonders das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten explodiert. Hier sprang der Umsatz um 55 Prozent auf 168 Millionen Euro nach oben. Das übertraf die Markterwartungen deutlich.
Rückenwind könnte bald aus Berlin kommen. Eine Expertenkommission empfiehlt höhere Zuzahlungen für Rezeptmedikamente. Patienten müssten dann bis zu 15 Euro pro Rezept aus eigener Tasche zahlen. Analysten werten dies als klaren Vorteil für Online-Apotheken. Preissensible Kunden dürften verstärkt zu günstigeren Versendern wechseln.
Investitionen bremsen die Aktie
Dem starken Wachstum stehen jedoch hohe Kosten gegenüber. Das Management hat 2026 zum maximalen Investitionsjahr ausgerufen. Ein neues Logistikzentrum im tschechischen Pilsen soll die Kapazität um 15 Millionen Pakete pro Jahr erhöhen. Diese Ausgaben belasten die Profitabilität. Die Folge: Das mittelfristige Margenziel sank spürbar auf nun fünf Prozent.
An der Börse hinterlässt dieser Spagat tiefe Spuren. Auf Jahressicht verlor die Aktie rund 60 Prozent an Wert und notiert aktuell bei knapp 50 Euro. Zuletzt zeigte der Trend aber wieder nach oben. In den vergangenen 30 Tagen legte das Papier um über 32 Prozent zu.
Am 6. Mai veröffentlicht Redcare die vollständigen Quartalszahlen. Dann muss das neue Führungsteam beweisen, ob das starke Rezeptgeschäft die hohen Investitionskosten tatsächlich ausgleichen kann.
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