Starke Zahlen, fallender Kurs: Redcare Pharmacy hat im dritten Quartal die Erwartungen übertroffen. Die Aktie gab dennoch nach, weil Anleger nach der jüngsten Erholung Gewinne mitnahmen.
Rezeptgeschäft treibt das Wachstum
Der Umsatz stieg um 18 Prozent auf 847 Millionen Euro. Motor bleibt der E-Rezept-Boom in Deutschland. Das Geschäft mit rezeptpflichtigen Arzneien legte um 56 Prozent auf 197 Millionen Euro zu und macht damit fast ein Viertel der Erlöse aus. Mit rezeptfreien Produkten setzte der Konzern 489 Millionen Euro um, ein Plus von 9 Prozent.
Konzernchef Peter Schmid von Linstow hob vor allem den Kundenzuwachs in Deutschland hervor. Die Zahl aktiver Kunden wuchs binnen drei Monaten um eine halbe Million auf 15,2 Millionen.
Beim Ertrag fiel der Sprung noch deutlicher aus. Das bereinigte Ebitda kletterte um 68 Prozent auf 28,7 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich auf 3,4 Prozent. Redcare begründet das mit niedrigeren Vertriebskosten, etwa für Marketing. Unter dem Strich stand ein kleiner Gewinn von einer Million Euro, nach einem Verlust von sieben Millionen im Vorjahr.
Prognose bestätigt, Analysten sehen Spielraum
Die im September angehobenen Jahresziele bleiben bestehen. Für 2026 peilt Redcare ein Umsatzwachstum von 16 bis 18 Prozent an. Die bereinigte Ebitda-Marge soll bei 2,5 bis 3,0 Prozent liegen, nach 2,0 Prozent im Jahr 2025. Schmid von Linstow kündigte an, den Marketingmix weiter zu optimieren und Skaleneffekte zu verstärken.
Jefferies-Analyst Martin Comtesse sprach von einer anhaltend guten Geschäftsdynamik und rechnet mit einer weiteren Anhebung der Jahresziele. Alexander Zienkowicz von MWB Research nannte die Neunmonatszahlen solide und den Ausblick für das Schlussquartal vernünftig. Er sieht den Konzern im deutschen Rezeptgeschäft trotz schärferen Wettbewerbs widerstandsfähig.
Aktie nach starker Erholung unter Druck
An der Börse überwog zunächst die Gewinnmitnahme. Die Aktie verlor im Tagesverlauf bis zu 7 Prozent und notierte am frühen Nachmittag noch gut 3 Prozent im Minus bei 76,75 Euro. Das ist kein Wunder: Seit dem Zwischentief im September bei 50,50 Euro hatte das Papier fast 60 Prozent zugelegt.
Der Rücksetzer ändert nichts am operativen Bild. Sollte Jefferies recht behalten, könnte Redcare die Ziele mit den nächsten Zahlen ein weiteres Mal nach oben schrauben.
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