Mit einem deutlichen zweistelligen Umsatzwachstum und einer verbesserten operativen Marge stellt die Online-Apotheke Redcare Pharmacy die Weichen für das laufende Geschäftsjahr neu. Die Frage für Investoren lautet nun, ob die angehobene Prognose und die Profitabilität im internationalen Geschäft ausreichen, um die Kursentwicklung nachhaltig zu stabilisieren.
Umsatzplus und angehobene Jahresziele
Im zweiten Quartal 2026 steigerte Redcare Pharmacy den Konzernumsatz um 20 Prozent auf 853 Millionen Euro. Besonders das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) entwickelte sich positiv und kletterte auf 29,6 Millionen Euro.
Medienberichten zufolge entspricht dies einer bereinigten EBITDA-Marge von 3,5 Prozent – dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Trotz dieser operativen Stärke verzeichnete das Unternehmen im ersten Halbjahr 2026 unter dem Strich einen Verlust nach Steuern von 6,9 Millionen Euro. Der operative Cashflow lag im selben Zeitraum bei positiven 33,3 Millionen Euro.
Auf Basis dieser Zahlen passte das Management am 29. Juli die Prognose für das Gesamtjahr an. Für das laufende Jahr erwartet Redcare Pharmacy nun ein Umsatzwachstum zwischen 15 und 17 Prozent, nachdem zuvor lediglich 13 bis 15 Prozent in Aussicht gestellt worden waren.
Die Zielmarke für die bereinigte EBITDA-Marge bleibt unverändert in einer Spanne von 2,5 bis 3,0 Prozent. Während das Geschäft mit rezeptfreien Produkten (Non-Rx) laut Unternehmensangaben durch eine Hitzewelle und ein intensives Wettbewerbsumfeld eine leichte Abkühlung erfuhr, bleibt dieser Bereich mit einem erwarteten Wachstum von 10 bis 12 Prozent eine stabile Säule.
Dynamik bei rezeptpflichtigen Medikamenten
Der eigentliche Wachstumstreiber bleibt das Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten (Rx). Im zweiten Quartal legte der Rx-Umsatz um 34 Prozent auf 339 Millionen Euro zu. Besonders hervorzuheben ist dabei die Entwicklung auf dem deutschen Markt, wo der Rx-Umsatz um 58 Prozent nach oben schnellte.
Die Anzahl der aktiven Rx-Kunden in Deutschland erreichte zum Halbjahr die Marke von 1,7 Millionen. Auch in der Schweiz verzeichnete das Unternehmen mit einem Plus von 15 Prozent ein deutliches Wachstum in diesem Segment.
Ein wichtiger Meilenstein gelang Redcare Pharmacy zudem jenseits der DACH-Region: Wie das Unternehmen mitteilte, erreichte das internationale Geschäft im zweiten Quartal erstmals die Profitabilität. Diese geografische Ausweitung der Gewinnzone könnte die Abhängigkeit vom deutschen Markt künftig verringern und die operative Basis verbreitern.
Uneinigkeit unter den Analysten
Die jüngsten operativen Fortschritte sorgen am Markt für ein geteiltes Echo unter den Experten. Am 31. Juli stufte die UBS den Wert auf Neutral herab. Im Gegensatz dazu leitete die Deutsche Bank am selben Tag die Beobachtung mit einer Kaufempfehlung (Buy) ein. Auch andere Analysehäuser wie Berenberg, Jefferies und Warburg Research signalisierten Ende Juli mit Kaufempfehlungen ihre Zuversicht für den weiteren Geschäftsverlauf.
An der Börse spiegelt sich die Skepsis einiger Marktteilnehmer noch im Kurs wider. Das Papier notiert aktuell bei 61,15 € und liegt damit 3,22 Prozent unter dem gleitenden Durchschnitt der letzten 50 Tage. Damit rangiert die Aktie weiterhin deutlich unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 104,50 €, welches zum heutigen Datum vor genau einem Jahr erreicht wurde.
Angesichts der positiven Cashflow-Entwicklung und der steigenden Kundenzahlen bleibt die Erreichung der neuen Wachstumsziele der zentrale Faktor für die kommenden Monate.
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