Die angestrebte Übernahme von Evonik durch den Ludwigshafener Chemiekonzern BASF bleibt vorerst blockiert. Nach einer vertraulichen Sitzung des Kuratoriums der RAG-Stiftung, die als größte Anteilseignerin den Schlüssel zu dem Deal hält, bleibt eine Offerte über mehr als 10,3 Milliarden Euro abgelehnt. BASF soll 22,15 Euro je Aktie geboten haben, traf damit in Essen aber auf taube Ohren.
Vertrauliche Sondierungen ohne Durchbruch
Offizielle Verhandlungen zwischen den beiden Konzernen finden derzeit nicht statt. Evonik hatte den Vorstoß als unverbindliche Kontaktaufnahme eingestuft, die auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für sämtliche Aktien abzielte. Aus Ludwigshafen hieß es lediglich, Fortgang und Ausgang der Sondierungen seien gegenwärtig offen. Parallel zum Stiftungskuratorium beriet am Freitag auch der Aufsichtsrat von BASF über die Situation.
Das Kuratorium der RAG-Stiftung ließ sich vom Stiftungsvorstand über das Interesse der BASF informieren, hüllte sich danach jedoch in Schweigen. Die konkreten Inhalte und Ergebnisse des Treffens seien vertraulich, teilte das Gremium mit. Weitere Auskünfte gab es nicht.
Die Ewigkeitslasten bestimmen das Handeln
Ohne die Stiftung ist ein Zusammenschluss unmöglich. Die RAG-Stiftung hält 43 Prozent der Anteile an Evonik, was den Essener Spezialchemiekonzern zu ihrer wichtigsten Einzelbeteiligung macht. Der Buchwert des gesamten Stiftungsvermögens belief sich zum Jahresende 2025 auf 15,9 Milliarden Euro.
Die Zurückhaltung der Stiftung hat strukturelle Gründe. Ihre zentrale Aufgabe besteht darin, die Folgekosten des 2018 beendeten deutschen Steinkohlebergbaus dauerhaft zu finanzieren. Dazu zählt vor allem das kontinuierliche Abpumpen von Grubenwasser im Ruhrgebiet, um das Trinkwasser zu schützen. Diese Ewigkeitskosten müssen aus verlässlichen Renditen erwirtschaftet werden.
Dem 13-köpfigen Kuratorium gehören neben Spitzenpolitikern wie den Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und dem Saarland auch die Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen sowie der Vorsitzende der Gewerkschaft IGBCE an. Entsprechend hoch sind die politischen Hürden für den Verkauf eines deutschen Traditionskonzerns. BASF muss nachbessern oder neue Garantien vorlegen, wenn die Sondierungen überhaupt wieder in Gang kommen sollen.
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