Startseite » Halbleiter » Qualcomm auf Rekordjagd, Marvell vor Earnings — fünf Chipwerte im Check

Qualcomm auf Rekordjagd, Marvell vor Earnings — fünf Chipwerte im Check

Vier Halbleiteraktien erreichen neue Höchststände. Marvell vor Quartalszahlen, Qualcomm mit Stellantis-Deal und AMD mit 2nm-Durchbruch.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Nvidia mit Rekordumsatz trotz Kursdelle
  • AMD erreicht Allzeithoch durch 2nm-Prozessoren
  • Qualcomm springt nach Stellantis-Partnerschaft
  • Marvell vor entscheidendem Quartalsbericht

Vier von fünf Halbleiter-Aktien auf Allzeithoch, eine Billion Dollar an Aufträgen allein bei Nvidia, und ein Stellantis-Deal, der Qualcomm an einem einzigen Tag um 12 % nach oben katapultierte. Die letzte Maiwoche 2026 zeigt: Der KI-Investitionszyklus beschleunigt sich — mit jedem Quartal werden die Summen größer, die Lieferketten enger, die Bewertungen ambitionierter.

Fünf Chipwerte, fünf unterschiedliche Rollen im selben Megatrend. Ein Überblick über Nvidia, AMD, Qualcomm, Marvell Technology und Infineon.

Nvidia: Rekordquartal ohne Kursfeuerwerk

Nvidia lieferte das stärkste Quartal seiner Geschichte — und der Markt zuckte mit den Schultern. Der Gewinn je Aktie stieg im ersten Geschäftsquartal 2027 um knapp 140 % auf 1,87 Dollar, der Umsatz kletterte um 85 % auf 81,6 Milliarden Dollar. Die Bruttomarge verbesserte sich auf 75 %. Alles über Konsens.

Trotzdem notiert die Aktie bei 185,46 € rund 8 % unter ihrem Mitte Mai markierten 52-Wochen-Hoch. Die Gründe für die Zurückhaltung liegen tiefer als in einer einzelnen Quartalszahl. CEO Jensen Huang beschrieb den aktuellen Moment als „die größte Infrastruktur-Expansion der Menschheitsgeschichte“ — doch genau diese Superlative dürften bei einigen Investoren die Frage aufwerfen, wie viel Wachstum bereits eingepreist ist.

Auffällig war die Kapitalrückgabe: Die Quartalsdividende wurde von 1 auf 25 Cent je Aktie vervierfünfundzwanzigfacht, und der Vorstand genehmigte zusätzliche Aktienrückkäufe über 80 Milliarden Dollar. Das Auftragsvolumen soll sich laut Management auf eine Billion Dollar belaufen — mindestens bis 2027. Für das zweite Quartal stellt Nvidia rund 91 Milliarden Dollar Umsatz in Aussicht.

Ein konkreter Belastungsfaktor bleibt China. Rechenzentrumsumsätze aus der Volksrepublik liegen derzeit bei null. Zwar haben US-Behörden rund zehn chinesische Unternehmen — darunter Alibaba, Tencent und ByteDance — für den Kauf von H200-Chips unter Lizenzauflagen freigegeben. Ausgeliefert wurde bisher nichts.

Die Analysten-Community bleibt dennoch bullish. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 295 Dollar, das höchste bei 500 Dollar. 62 Analysten vergeben im Schnitt die Bewertung „Strong Buy“.

AMD: Allzeithoch dank 2nm-Durchbruch und Milliarden-Deals

AMD hat in den vergangenen zwölf Monaten eine bemerkenswerte Metamorphose durchlaufen. Die Aktie notiert bei 403,35 € auf einem neuen Allzeithoch und hat sich seit dem Jahrestief im Mai 2025 mehr als vervierfacht. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von über 111 %.

Der jüngste Kursschub hatte einen doppelten Auslöser: AMD bestätigte den Produktionsstart der nächsten Generation von EPYC-Prozessoren mit dem Codenamen „Venice“ auf TSMCs 2-Nanometer-Technologie und kündigte Investitionen von über 10 Milliarden Dollar in Taiwans KI-Ökosystem an.

Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete AMD 10,3 Milliarden Dollar Umsatz. Besonders eindrucksvoll: Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs um 57 % auf 5,8 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal prognostiziert das Management rund 11,2 Milliarden Dollar — ein Anstieg von 46 % im Jahresvergleich.

Die strategische Positionierung geht über reine Hardware hinaus. AMD hat den adressierbaren Markt für CPUs bis 2030 auf 120 Milliarden Dollar taxiert und sichert sich Großaufträge in einer Dimension, die selbst Skeptiker beeindruckt:

  • Meta: Mehrjährige Vereinbarung über bis zu 6 Gigawatt Instinct-GPUs, erste Tranche mit maßgeschneiderten MI450-Chips
  • OpenAI: Ebenfalls ein 6-Gigawatt-Deal, bereits im Oktober 2025 vereinbart
  • CPU-Renaissance: Wachsende Nachfrage nach Prozessoren für agentenbasierte KI und Inferenz-Training

Bernstein stufte AMD auf „Outperform“ hoch — mit einem Kursziel von 525 Dollar. Die Begründung: Über 14 Dollar Gewinn je Aktie seien 2027 realistisch, annähernd 20 Dollar im Jahr 2028. Barclays und Cantor Fitzgerald zogen mit Zielen von 500 Dollar nach.

Qualcomm: Stellantis-Deal zündet die nächste Stufe

Kein Halbleiterwert sorgte vergangene Woche für mehr Aufregung als Qualcomm. Ein Kurssprung von 12 % an einem einzigen Handelstag, ein Monatsplus von über 60 %, ein neues Rekordhoch bei 205,35 €. Der RSI von 72 signalisiert zwar kurzfristig überkauftes Terrain — der fundamentale Katalysator hinter der Rallye ist allerdings substanziell.

Stellantis weitete eine mehrjährige Partnerschaft aus: Qualcomms Snapdragon Digital Chassis und die Ride-Pilot-Plattform sollen künftig in Millionen von Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Das Automotive-Geschäft generiert mittlerweile mehr als 5 Milliarden Dollar Jahresumsatz und wächst schneller als der Smartphone-Bereich.

Noch interessanter für die langfristige Bewertung ist Qualcomms Vorstoß ins Rechenzentrum. Die angekündigten KI-Beschleuniger AI200 und AI250 — programmierbarere Alternativen zu Nvidias GPUs — sollen noch in diesem Kalenderjahr an einen großen Hyperscaler ausgeliefert werden. CEO Cristiano Amon bestätigte den Zeitplan auf der letzten Telefonkonferenz.

Anzeige

Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nvidia?

Die Fundamentaldaten untermauern die Kursstärke: 55 % Bruttomarge, rund 30 % operative Marge, Eigenkapitalrendite über 40 %. Der freie Cashflow lag zuletzt bei rund 1,9 Milliarden Dollar im Quartal. Tigress Financial erhöhte das Kursziel auf 280 Dollar. Melius Research reagierte direkt auf den Stellantis-Deal und hob auf 220 Dollar an. Einige Analysten mahnen allerdings weiterhin Gegenwind im Smartphone-Markt an.

Marvell Technology: Die entscheidende Woche

Marvell Technology steht unmittelbar vor dem wohl wichtigsten Quartalsbericht des Jahres. Am Dienstag, den 27. Mai, werden die Zahlen zum ersten Geschäftsquartal 2027 veröffentlicht. Die Konsensschätzungen liegen bei rund 2,4 Milliarden Dollar Umsatz — ein Plus von 26 % — und einem bereinigten Gewinn je Aktie zwischen 0,75 und 0,79 Dollar.

Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt und notiert bei 169,28 € auf einem frischen Allzeithoch. Die Marktkapitalisierung übersteigt 170 Milliarden Dollar. Stifel erhöhte das Kursziel im Mai auf 210 Dollar, Citi zog auf 215 Dollar nach.

Hinter der Rallye steht Marvells Positionierung als führender Anbieter maßgeschneiderter KI-Chips und optischer Verbindungstechnologie. Das Geschäft mit Custom Silicon wuchs von null auf 1,5 Milliarden Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2026. Für das laufende Jahr wird ein Wachstum von über 20 % erwartet. Microsofts Maia-Chips, die bei Marvell gefertigt werden, sind einer der zentralen Wachstumstreiber.

Die Langfrist-Prognosen des Managements sind ambitioniert: rund 11 Milliarden Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2027, annähernd 15 Milliarden im Folgejahr. Das Rechenzentrumsgeschäft soll dabei um 40 bis 50 % jährlich zulegen.

Die Bewertung lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen. Ein KGV von 57 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 19 erfordern, dass die Wachstumsstory bei den Earnings am Dienstag Bestätigung findet. 36 Analysten empfehlen den Kauf, nur sechs raten zum Halten. Am 17. Juni folgt ein Investorentag zum Custom-Silicon-Geschäft, der weiteren Aufschluss über die Pipeline geben dürfte.

Infineon: Europas Chipchampion mit KI-Rückenwind

Infineon ist die vielleicht überraschendste Geschichte in dieser Gruppe. Mit einem Kursanstieg von über 91 % seit Jahresbeginn hat der DAX-Wert jede andere europäische Halbleiteraktie in den Schatten gestellt. Bei 73,19 € markierte die Aktie am vergangenen Freitag ein neues 52-Wochen-Hoch.

Im zweiten Geschäftsquartal 2026 meldete Infineon rund 3,8 Milliarden Euro Umsatz — ein Plus von etwa 6 % im Jahresvergleich. Die Jahresprognose wurde auf über 16 Milliarden Euro angehoben, bei einer Marge von rund 20 %. Der Gewinn je Aktie verfehlte die Erwartungen knapp um einen Cent, der Umsatz lag leicht darüber.

Die strategische Neuausrichtung auf KI-Leistungselektronik treibt die Neubewertung. Statt neue Fabriken in Dresden zu bauen, lenkt das Management Kapital in die Entwicklung von Hocheffizienz-Netzteilen für KI-Rechenzentren — Anlagen, die ein Vielfaches des Stroms klassischer Serverfarmen benötigen. Infineon erwartet, dass der Umsatz im Bereich Power-Supply-Units von rund 250 Millionen Euro im Jahr 2024 auf etwa 1,5 Milliarden Euro bis 2026 steigen könnte.

Die Analysten honorieren den Schwenk:

  • Citigroup: Kursziel auf 80 €, Kaufempfehlung bestätigt
  • Goldman Sachs: Kursziel auf 75 €, „Buy“ beibehalten
  • Konsens: 20 Kaufempfehlungen, null Verkaufsempfehlungen, durchschnittliches Kursziel bei 66,04 €

Der nächste Quartalsbericht steht im August an. Die Kombination aus Automotive-Auftragsbestand und wachsendem KI-Anteil gibt Infineon eine Doppelrolle im aktuellen Investitionszyklus.

Chipsektor zwischen Euphorie und Differenzierung

Die fünf Werte verdeutlichen, wie breit der KI-Investitionszyklus mittlerweile trägt — und wie unterschiedlich die Risikoprofile ausfallen:

  • Nvidia dominiert den GPU-Trainingsmarkt mit geschätzt 86 % Marktanteil und verwandelt sich zunehmend in eine Cash-Maschine
  • AMD vollzieht die CPU-Renaissance mit Hyperscaler-Verträgen bis 2028 und dem Sprung auf 2-Nanometer-Technologie
  • Qualcomm wandelt sich von einem Smartphone-Modem-Spezialisten zur vernetzten KI-Plattform mit Automotive als neuem Wachstumsmotor
  • Marvell positioniert sich als Custom-Silicon-Spezialist mit optischer Interconnect-Führerschaft
  • Infineon besetzt die europäische Flanke der KI-Infrastruktur über Leistungselektronik

Der gemeinsame Nenner: Die KI-Investitionen der Hyperscaler überraschen weiterhin nach oben. Nvidias Auftragsvolumen von einer Billion Dollar fließt letztlich durch die gesamte Wertschöpfungskette — zu AMDs Prozessoren, Marvells ASICs, Qualcomms künftigen Rechenzentrumschips und Infineons Stromversorgungsmodulen.

Alle Augen auf Dienstag

Der unmittelbar wichtigste Termin für den Sektor ist Marvells Quartalsbericht am 27. Mai. Liefert das Unternehmen, dürfte die Rallye bei Custom-Silicon-Werten weiteren Treibstoff erhalten. Bei Nvidia rückt die Frage in den Fokus, ob unter den neuen Exportlizenzen tatsächlich H200-Chips nach China geliefert werden. AMD muss den Venice-Produktionshochlauf und den MI450-Zeitplan mit Meta und OpenAI konkretisieren. Qualcomm steht vor der Herausforderung, die Rekordbewertung durch greifbare Fortschritte im Rechenzentrumsgeschäft zu untermauern. Und Infineon wird im August zeigen müssen, ob der KI-Umsatzsprung bei Power-Supply-Units die ambitionierten Ziele erfüllt.

Die Halbleiterbranche ist längst kein Ein-Themen-Trade mehr. Jeder dieser fünf Werte schnitzt sich eine eigene Nische in der KI-Infrastruktur — und die Kursdifferenzierung der kommenden Monate wird davon abhängen, wer seine spezifische Chance am saubersten in Umsatz verwandelt.

Anzeige

Nvidia-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nvidia-Analyse vom 25. Mai liefert die Antwort:

Die neusten Nvidia-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nvidia-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 25. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Nvidia: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Nvidia

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Leser meines Börsendienstes erzielten über zwei Jahrzehnte einen durchschnittlichen Depotzuwachs von +576%. Meine rechtzeitigen Warnungen vor dem Crash 2008 halfen vielen Anlegern, Verluste zu minimieren.

Heute teile ich meine Expertise durch den Newsletter "Chartanalyse-Trends", den Börsendienst "Momentum Trader", Vorträge auf Messen wie der Invest Stuttgart sowie YouTube-Videos. Mein "Timing is Money"-Ansatz identifiziert optimale Ein- und Ausstiegszeitpunkte für Aktien, Gold, Kryptowährungen und weitere Anlageklassen.