Ein Kursziel von 400 Dollar für eine Aktie, die in den vergangenen drei Monaten rund 30 Prozent verloren hat – das ist keine kleine Wette. Baird-Analyst Tristan Gerra traute sich das heute mit einem Street-hohen Kursziel, das ein Aufwärtspotenzial von 137 Prozent implizieren würde.
Der Analystenkonsens liegt bei 193,10 Dollar. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt für mich der eigentliche Kern der aktuellen Qualcomm-Geschichte: eine Aktie, die operativ liefert, aber am Markt misstrauisch beäugt wird.
Die Zahlen sprechen für sich
Schauen wir auf das, was Qualcomm tatsächlich vorgelegt hat. Im dritten Fiskalquartal 2026 erzielte der Konzern Umsätze von 9,9 Milliarden Dollar am oberen Ende der eigenen Prognose, bei einem bereinigten Gewinn je Aktie von 2,21 Dollar.
Besonders bemerkenswert: Die Automobilsparte QCT wuchs im Jahresvergleich um 61 Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar – ein Rekordquartal. Für das laufende vierte Quartal stellt das Unternehmen ein ähnliches Wachstumstempo im Automotive-Geschäft von rund 60 Prozent in Aussicht, bei einer Umsatzspanne von 9,7 bis 10,5 Milliarden Dollar.
Das ist unterm Strich eine solide operative Basis. Und doch notiert die Aktie aktuell bei 145,50 Euro, nur knapp über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 147,04 Euro und ziemlich genau auf Höhe des 200-Tage-Durchschnitts von 145,36 Euro.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 222,90 Euro trennt das Papier ein Abstand von 35 Prozent – ein deutliches Zeichen, dass der Markt die Wachstumsstory bislang nicht goutiert.
Das Apple-Risiko wiegt schwer
Ich sehe den Grund für diese Skepsis vor allem in einer Aussage, die CFO und COO Akash Palkhiwala im Rahmen der Quartalszahlen machte: Qualcomm rechnet mit einem materiell geringeren Anteil an neuen iPhone-Modellen als zuvor mit 20 Prozent veranschlagt – das dürfte zu einem Rückgang der Apple-Umsätze um rund 50 Prozent von September bis Dezember führen.
Zwar soll das Android-Geschäft wachsen und einen Großteil davon kompensieren, während auch das Rechenzentrumsgeschäft anlaufen soll. Doch ein derart klarer Umsatzrückgang beim wichtigsten Einzelkunden ist kein Nebensatz, sondern für mich der Schlüssel zum Verständnis der Kursschwäche.
Parallel dazu hat Qualcomm im Juli angekündigt, die Preise für seine Chips zum 1. September um zweistellige Prozentsätze zu erhöhen – begründet mit steigenden Kosten bei den eigenen Zulieferern. Das kann kurzfristig die Marge stützen, birgt aber das Risiko, Kunden in einem ohnehin margensensiblen Markt zu verprellen.
Strategischer Umbau als Gegengewicht
Auf der anderen Seite hat Qualcomm im Juni auf seinem Investor Day die eigenen Ambitionen jenseits des Smartphone-Geschäfts deutlich nach oben geschraubt: Das Ziel für Nicht-Handset-Umsätze im Fiskaljahr 2029 wurde auf 40 Milliarden Dollar verdoppelt, flankiert von einer neuen Rechenzentrums-KI-Strategie mit einem Umsatzziel von mehr als 15 Milliarden Dollar.
Auch die Automobilsparte soll mit einer auf 65 Milliarden Dollar erweiterten Design-Win-Pipeline bis 2029 auf 10 Milliarden Dollar Umsatz kommen. Ende Juli wurde zudem die Übernahme von Modular Inc abgeschlossen, deren Mitgründer Chris Lattner nun als Executive Vice President für fortgeschrittene KI-Software bei Qualcomm firmiert – ein klares Signal, dass der Konzern sein Standbein in der KI-Infrastruktur ausbauen will.
Für mich zeigt das ein Unternehmen im Übergang: weg von der Abhängigkeit vom Smartphone-Zyklus, hin zu einem breiteren Portfolio aus Automotive, Data Center und KI-Software. Dass Qualcomm trotz der operativen Unsicherheiten die Dividende jüngst um 3,4 Prozent auf 0,92 Dollar je Aktie anhob und damit eine 23-jährige Erhöhungsserie fortsetzt, spricht für Vertrauen des Managements in die eigene Cashflow-Stärke.
Mein Fazit
Die Bandbreite der Analystenmeinungen – vom vorsichtigen Hold bei 175 Dollar bis zur euphorischen 400-Dollar-Marke – spiegelt genau die Zerrissenheit wider, die ich in den Zahlen selbst sehe. Kurzfristig dürfte das Apple-Risiko die Stimmung belasten, die technischen Indikatoren mit einem RSI von 52,8 signalisieren derzeit weder Über- noch Untertreibung.
Langfristig überwiegen für mich aber die Argumente jener, die auf den strategischen Umbau setzen: Automotive, Rechenzentren und KI-Software könnten Qualcomm mittelfristig unabhängiger von einem einzelnen Großkunden machen.
Ob das die Kursziel-Fantasie von 400 Dollar rechtfertigt, bleibt aus meiner Sicht Spekulation – die fundamentale Diversifizierung als solche halte ich jedoch für real und nicht bloß für Analystenrhetorik.
Qualcomm-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Qualcomm-Analyse vom 4. September liefert die Antwort:
Die neusten Qualcomm-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Qualcomm-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 4. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Qualcomm: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
