Der Halbleiter-Spezialist Qualcomm sieht sich mit einer schwierigen Marktlage in seinem wichtigsten Geschäftsfeld konfrontiert. Trotz eines Umsatzes, der im dritten Geschäftsquartal 2026 mit 9,95 Milliarden US-Dollar über den Markterwartungen lag, belastet die anhaltende Schwäche im Smartphone-Sektor das Gesamtergebnis. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum sank der Konzernumsatz um vier Prozent, während der operative Gewinn einen deutlichen Einbruch um 41 Prozent auf 1,63 Milliarden US-Dollar verzeichnete.
Rückgang im Kerngeschäft und Preisanpassungen
Besonders die Handset-Sparte, das traditionelle Herzstück des Unternehmens, leidet unter der Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Der Umsatz mit Smartphone-Chips fiel um 19,6 Prozent auf 5,09 Milliarden US-Dollar. Berichten zufolge weichen viele Konsumenten aufgrund steigender Lebenshaltungskosten auf günstigere oder ältere Gerätemodelle aus. Die Bruttomarge des Konzerns verschlechterte sich zeitgleich um 2,5 Prozentpunkte auf 53,1 Prozent und blieb damit hinter den Prognosen zurück.
Um den steigenden Kosten für Speicherkomponenten und Lieferanten entgegenzuwirken, kündigte CEO Cristiano Amon eine zweistellige Preiserhöhung für Chips ab dem 1. September an. Davon dürften namhafte Hersteller wie Samsung, Xiaomi, OnePlus und Oppo direkt betroffen sein. Zudem verdeutlichen die Zahlen eine Verschiebung in der Kundenstruktur: Während die Lieferungen an Android-Hersteller um elf Prozent zurückgingen, verzeichnete das Geschäft im Zusammenhang mit Apple ein Plus von 20 Prozent. Dies steht jedoch im Kontrast zu mittelfristigen Erwartungen, wonach die Apple-bezogenen Chip-Umsätze im nächsten Quartal deutlich sinken könnten, da der iPhone-Hersteller verstärkt auf eigene Modem-Lösungen setzt.
Wachstumschancen im Automobil- und KI-Sektor
Einen Lichtblick stellt die Automobilsparte dar, die ihren Umsatz um 61 Prozent auf 1,59 Milliarden US-Dollar steigern konnte. Qualcomm festigte seine Position in diesem Bereich durch eine weitreichende Kooperation mit BMW. Das Unternehmen wird bis in die 2030er Jahre als Hauptlieferant für Rechenchips fungieren, die in digitalen Cockpits und Systemen für das automatisierte Fahren zum Einsatz kommen. Dabei bildet das Snapdragon Digital Chassis die technologische Basis für künftige Fahrzeuggenerationen.
Parallel dazu treibt Qualcomm seine Neuausrichtung in Richtung Künstliche Intelligenz und Rechenzentren voran. Das Ziel ist es, in diesem Segment bis zum Geschäftsjahr 2027 einen Umsatz von 50 Milliarden US-Dollar zu erreichen. Zur Stärkung der technologischen Basis übernahm der Konzern die generative KI-Abteilung des Startups VinAI. Zudem befinden sich die Verhandlungen über eine Übernahme des KI-Infrastruktur-Startups Modular für rund vier Milliarden US-Dollar in einem fortgeschrittenen Stadium. Partnerschaften mit Microsoft und Meta sollen die Entwicklung von KI-Beschleunigern und kommerziellen Prozessoren weiter beschleunigen.
Enttäuschende Prognose belastet den Kurs
Trotz der strategischen Fortschritte reagierten Investoren verhalten auf den Ausblick für das vierte Quartal. Das Unternehmen stellte ein bereinigtes Ergebnis je Aktie zwischen 2,05 und 2,25 US-Dollar in Aussicht und blieb damit hinter der Konsensschätzung von 2,36 US-Dollar zurück. Analysten der Investmentbank Goldman Sachs senkten daraufhin ihr Kursziel von 180 auf 160 US-Dollar und verwiesen auf den anhaltenden Gegenwind im Smartphone-Markt, der kurzfristige Wachstumsimpulse aus anderen Sparten neutralisiere. Die Experten von UBS reduzierten ihr Ziel für das Papier ebenfalls auf 170 US-Dollar.
An der Börse spiegelt sich die Skepsis wider: Die Aktie notiert aktuell bei 126,84 € und verzeichnet damit seit Jahresbeginn ein Minus von 14,25 %. Damit hat sich das Papier bereits um 43,10 % von seinem 52-Wochen-Hoch entfernt. Anleger beobachten nun genau, ob die angekündigten Preiserhöhungen im September die Margen stabilisieren können oder ob die schwache Nachfrage im Massenmarkt die Erholung weiter verzögert.
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