Beim saarländischen Reifenrecycler Pyrum Innovations treffen operative Fortschritte auf Verzögerungen im Anlagenbetrieb. Am Aktienmarkt dominierte zuletzt Zuversicht: Der Kurs stieg heute um 7,8 Prozent auf 30,30 Euro. Anleger wägen die jüngsten Entwicklungen zwischen gekappten Jahreszielen und langfristigen Projektchancen ab.
Das Unternehmen befindet sich in einer anspruchsvollen Übergangsphase. Während die Nachfrage nach Recyclinglösungen für Altreifen hoch bleibt, bremst die technische Umsetzung beim Hochlauf neuer Kapazitäten das laufende Geschäftsjahr.
Prognosekorrektur nach technischem Engpass
Am 22. September passte die Gesellschaft ihre Erwartungen für das Gesamtjahr 2026 nach unten an. Das Management rechnet beim Umsatz nur noch mit 4,2 bis 5,3 Millionen Euro. Zuvor standen bis zu 9,5 Millionen Euro im Raum.
Parallel dazu weitet sich der operative Verlust aus. Das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern soll im Gesamtjahr negativer ausfallen als zunächst veranschlagt, da fixe Kosten bei geringerer Auslastung belasten.
Als Ursache für den Dämpfer nannte das Unternehmen den verzögerten Hochlauf der Mahl- und Pelletieranlage. Das Aggregat erreicht aktuell einen Durchsatz von bis zu 1.250 Kilogramm pro Stunde, während die Planung ein Zielniveau von 1.650 Kilogramm vorsah.
Der technische Flaschenhals wirkt sich unmittelbar auf die Produktionsmengen und auf die Erlösmöglichkeiten im zweiten Halbjahr aus. Die Geschäftsführung sieht sich daher gezwungen, das Hochlauftempo vorsichtiger anzusetzen.
Halbjahreszahlen und internationale Vorhaben
Trotz dieser Bremsspuren wuchs das Geschäft in den ersten sechs Monaten. Laut dem am 23. September vorgelegten Konzernzwischenbericht kletterte der Halbjahresumsatz auf 1.743 Tausend Euro, nach 1.267 Tausend Euro im Vorjahreszeitraum.
Die Nachfrage nach den Recyclingprodukten bleibt grundsätzlich bestehen. Eine Liefervereinbarung mit dem Reifenhersteller Pirelli datiert von vor über einem Monat und belegt das industrielle Interesse an den Rezyklaten.
Neben dem laufenden Betrieb treibt Pyrum internationale Vorhaben voran. Der schwedische Projektpartner GreenTech Recycling Tires AB erhielt eine Förderzusage über 24 Millionen Euro für das gemeinsame Vorhaben einer Thermolyseanlage mit einer Recyclingkapazität von jährlich 22.700 Tonnen Altreifen.
Damit sichert sich das Unternehmen zusätzliche Perspektiven im skandinavischen Markt. Entscheidend bleibt, wie schnell Pyrum die technischen Probleme an der Pelletieranlage löst, um die Lücke zwischen den industriellen Ambitionen und den kurzfristigen Finanzzielen zu schließen.
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