Procter & Gamble steckt in einer heiklen Übergangsphase: schwächste organische Wachstumsraten seit rund zehn Jahren, ein neuer CEO und ein skeptischer Blick von TD Cowen. Die zentrale Frage für Anleger ist, ob es sich nur um eine Wachstumsdelle handelt – oder ob strukturelle Gegenwinde das Unternehmen länger ausbremsen. Die jüngste Herabstufung liefert dafür eine recht klare Antwort.
TD Cowen wird vorsichtiger
TD-Cowen-Analyst Robert Moskow hat die Aktie von „Buy“ auf „Hold“ zurückgestuft. Seine Prognose: In den kommenden 12 bis 24 Monaten sei nur noch ein Umsatzplus von rund 2 % pro Jahr realistisch. Das ist für einen defensiven Konsumriesen nicht dramatisch, aber deutlich weniger dynamisch als erhofft.
Zwar hob Moskow sein Kursziel von 150 auf 156 US-Dollar an, das entspricht aber nur einem theoretischen Aufwärtspotenzial von gut 4 % – aus seiner Sicht zu wenig, um ein klares Kaufargument zu liefern.
Im Zentrum seiner Skepsis stehen strukturelle Faktoren im US-Markt. Änderungen in der US-Einwanderungspolitik treffen eine wichtige Kundengruppe: hispanische Familien. Diese sind im Schnitt 36 % größer als US-Haushalte insgesamt und besonders relevant für Baby- und Reinigungsprodukte. Wenn diese Nachfragequelle schwächer wächst, dürfte das die Branche insgesamt, aber eben auch Procter & Gamble bremsen.
Zusätzlich verweist TD Cowen auf mehrere operative Baustellen:
- Wachstum von nur rund 2 % für die nächsten 12–24 Monate erwartet
- Nachlassende Preissetzungsmacht durch intensiveren Wettbewerb
- Kunden greifen verstärkt zu günstigeren Alternativen bei Windeln und Waschmitteln
- Marktanteilsverluste im E-Commerce bleiben ungelöst
- Hersteller erhöhen die Promotions, was Margen unter Druck setzen kann
Damit rückt weniger ein einzelner Schock, sondern eher ein zäher, kompetitiver Markt in den Vordergrund.
Q2-Zahlen zeigen Wachstumsflaute
Die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026, veröffentlicht am 22. Januar, unterstreichen das Bild. Der Umsatz legte zwar auf 22,2 Milliarden US-Dollar zu, allerdings nur um 1 % im Jahresvergleich. Organisch – also bereinigt um Währungseffekte und Portfolioveränderungen – stagnierte der Umsatz und markierte damit die schwächste Entwicklung seit etwa einem Jahrzehnt.
Das Absatzvolumen sank um 1 %, besonders betroffen waren Baby-, Hygiene- und Familienprodukte. Beim Gewinn je Aktie lag der bereinigte Wert mit 1,88 US-Dollar auf Vorjahresniveau. Der verwässerte Gewinn je Aktie fiel hingegen um 5 % auf 1,78 US-Dollar, vor allem aufgrund von Restrukturierungskosten.
Finanzvorstand Andre Schulten bezeichnete das zweite Quartal als das „schwächste des Geschäftsjahres“. Die besondere Belastung im US-Geschäft erklärte er mit Basiseffekten: Hafenstreiks und Hurrikans im Vorjahr hätten damals zu Vorratskäufen im Handel und bei Verbrauchern geführt, was den Vergleich jetzt erschwert.
Deutlich unterschiedliche Regionen
Beim Blick auf die Regionen zeigt sich ein gemischtes Bild:
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- Nordamerika: Organischer Umsatzrückgang von 2 %, das Volumen sank um 3 Prozentpunkte
- Greater China: Organischer Umsatzanstieg von 3 %, Pampers und SK-II wuchsen jeweils im mittleren Zehnerprozentbereich oder darüber
- Lateinamerika: Starke organische Zuwächse von 8 %
- Europa: Insgesamt gemischt, mit soliden Entwicklungen in Frankreich, Spanien und Italien, aber Schwäche in Deutschland
Auf Produktebene konnten sieben von zehn Kategorien ihre organischen Umsätze halten oder steigern. Haarpflege legte im mittleren einstelligen Prozentbereich zu. Dagegen brach der Bereich Familienprodukte – maßgeblich durch Basiseffekte – um rund 10 % ein.
Damit wird klar: Procter & Gamble hat kein flächendeckendes Nachfrageproblem, sondern ein regional und segmentweise sehr unterschiedliches Umfeld.
Neuer CEO mit „Reinvention“-Plan
Seit 1. Januar steht mit Shailesh Jejurikar ein neuer CEO an der Spitze. Er übernimmt ein Unternehmen, das sich gleichzeitig mit veränderten Kaufgewohnheiten, stärkerem Wettbewerb und Gegenwind in wichtigen Kernkategorien auseinandersetzen muss.
Das Management hat eine „Reinvention“-Strategie skizziert. Sie umfasst drei Schwerpunkte:
- stärkere Nutzung von Konsumentendaten und KI, um schneller neue Produkte zu entwickeln
- integrierte Markenführung über immer fragmentiertere Medienkanäle hinweg
- engere Verzahnung mit dem Handel durch eine weiterentwickelte „Supply Chain 3.0“
Als positive Beispiele nannte Jejurikar das Geschäft mit Babyprodukten in Greater China und mit Wäscheveredlern in Mexiko. Diese Erfolgsmuster sollen ausgebaut und auf weitere Märkte übertragen werden. Gleichzeitig dämpft das Management die Erwartungen: Spürbare Fortschritte seien eher in einem Zeitraum von 12 bis 18 Monaten zu erwarten.
Prognose stabil – Aktie hinkt hinterher
Trotz aller Gegenwinde hält Procter & Gamble an seiner Jahresprognose fest. Für das Geschäftsjahr 2026 erwartet das Unternehmen:
- organisches Umsatzwachstum zwischen 0 und 4 %
- Wachstum des bereinigten Gewinns je Aktie ebenfalls zwischen 0 und 4 %, was 6,83 bis 7,09 US-Dollar je Aktie entspricht
In dieser Prognose sind rund 500 Millionen US-Dollar an zusätzlichen Zöllen bereits einkalkuliert. Auf der anderen Seite rechnet das Management mit einem Währungsrückenwind von etwa 200 Millionen US-Dollar nach Steuern.
Für die Aktionäre bleibt der Kapitalrückfluss ein wichtiger Baustein: Rund 15 Milliarden US-Dollar sollen im laufenden Geschäftsjahr zurückfließen – etwa 10 Milliarden als Dividenden und 5 Milliarden über Aktienrückkäufe.
An der Börse spiegelt sich dennoch Zurückhaltung wider. Die Aktie liegt aktuell bei rund 148 US-Dollar und damit deutlich unter ihrem Hoch der vergangenen zwölf Monate. Besonders ins Gewicht fällt, dass der Titel im selben Zeitraum klar hinter dem S&P 500 zurückgeblieben ist. Die Herabstufung durch TD Cowen deutet darauf hin, dass der Markt Procter & Gamble vorerst eher als defensiven „Haltewert“ mit begrenztem Wachstumsspielraum einpreist, während der neue CEO erst beweisen muss, dass seine „Reinvention“-Agenda mehr als nur ein Konzeptpapier bleibt.
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