Procter & Gamble sorgt nach gemischten Quartalszahlen für Gesprächsstoff – und das nicht nur wegen eines gesenkten Ausblicks auf den GAAP-Gewinn. Entscheidend ist: Operativ hält das Management an seinen Kernzielen fest und setzt parallel mit einer Übernahme im Gesundheitsbereich neue Akzente. Die Folge: JPMorgan stellt sich klar auf die Seite des Konsumgüterriesen.
JPMorgan wird optimistischer
Nach den Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal hat JPMorgan seine Einschätzung der Aktie deutlich angehoben. Aus dem bisherigen „Neutral“ wurde ein „Overweight“-Rating, das Kursziel steigt von 157 auf 165 US‑Dollar. Begründung: Das Institut sieht mittelfristig Potenzial für schnelleres organisches Wachstum und bessere Margen.
Rückendeckung liefert der Blick auf die jüngste Bilanz. Zwar lagen die Nettoerlöse mit 22,21 Milliarden US‑Dollar leicht unter den Erwartungen der Wall Street. Gleichzeitig übertraf der bereinigte Gewinn je Aktie mit 1,88 US‑Dollar aber den Konsens von 1,86 US‑Dollar knapp. Aus Sicht von JPMorgan hat P&G damit gezeigt, dass das Unternehmen in einem schwierigen Umfeld effizienter agiert als viele Wettbewerber und wieder näher an historische Bewertungsniveaus heranrücken könnte.
Übernahme im Gesundheitssegment
Strategisch setzt P&G ein weiteres Signal im margenstarken Gesundheitsbereich. Das Unternehmen übernimmt Wonderbelly, eine Marke für „clean“ formulierte Produkte gegen Magen- und Verdauungsbeschwerden.
Die wichtigsten Punkte der Transaktion:
- Fokus auf antiallergenen, „clean-label“ Antazida und Verdauungspräparate
- Verzicht auf Inhaltsstoffe wie künstliche Farbstoffe, Talkum und Titandioxid
- Ergänzung des bestehenden Verdauungs-Portfolios (u.a. Pepto-Bismol, Prilosec)
- Stärkung der Position im wachsenden OTC‑Wellness- und Premiumsegment
Mit Wonderbelly will P&G gezielt vom Trend zu „sauberen“ Gesundheitsprodukten profitieren. Das Management ordnet den Zukauf klar in die Strategie der „integrierten Überlegenheit“ ein – also stärkere Markenauftritte, bessere Produkte und eine breitere Präsenz in schnell wachsenden Nischen.
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Kernziele stabil, GAAP-Ausblick gesenkt
Für Investoren entscheidend ist der Blick auf die Prognose: Viele Schlagzeilen sprachen von einer „Guidance-Kürzung“, tatsächlich betrifft diese aber primär die GAAP-Zahlen und nicht die operativen Kernkennziffern.
Beim bereinigten Ergebnis je Aktie (Core EPS) bestätigt P&G für das laufende Geschäftsjahr ein Wachstum von 0 bis 4 Prozent gegenüber den 6,83 US‑Dollar des Vorjahres. Das impliziert eine Spanne von 6,83 bis 7,09 US‑Dollar – ein Signal, dass das Management dem zugrunde liegenden Geschäft trotz Gegenwind vertraut.
Anders sieht es auf GAAP-Basis aus: Die Prognose für das verwässerte GAAP-EPS-Wachstum wird von zuvor 3 bis 9 Prozent auf 1 bis 6 Prozent reduziert. Laut Unternehmen ist das vor allem auf höhere nicht-operative Restrukturierungskosten und mögliche Zolleffekte zurückzuführen, nicht auf eine Verschlechterung des Tagesgeschäfts. Für den Markt ist diese Differenzierung wichtig, weil große Adressen wie JPMorgan ihre Modelle primär auf den Core-Kennzahlen aufbauen.
Kursbild und Ausblick
An der Börse überwog nach anfänglicher Skepsis der positive Blick auf die Zahlen, die bestätigte Kernprognose und das neue Analystenvotum. Nach einem kurzen Rücksetzer vorbörslich drehte die Aktie wieder nach oben und konnte die Woche im Plus beenden. Auf Wochensicht legte der Titel knapp 4 Prozent zu, liegt mit rund 150 US‑Dollar aber noch gut 10 Prozent unter dem 52‑Wochen-Hoch vom Februar.
Für die kommenden Quartale setzt P&G auf eine graduelle Belebung. Die Prognose für das organische Umsatzwachstum von rund 0 bis 4 Prozent im Gesamtjahr bleibt bestehen. In den USA will der Konzern das Wachstum insbesondere über datengetriebene Werbung und Produktinnovationen wieder ankurbeln – etwa mit der Premium-Windelreihe „Pampers Prestige“. Operativ rückt nun die Integration von Wonderbelly und die erwartete Margenerholung im dritten Quartal in den Mittelpunkt, nachdem das als schwierig eingestufte zweite Quartal nun abgehakt ist.
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