Der US-Konsumgüterriese Procter & Gamble hat den Markt am Donnerstag mit seinen jüngsten Geschäftszahlen und einer zurückhaltenden Prognose für das kommende Geschäftsjahr belastet. Während der bereinigte Gewinn pro Aktie die Erwartungen leicht übertraf, blieb das Umsatzwachstum hinter den Konsensschätzungen zurück. Anleger reagierten verstimmt auf die Aussicht, dass steigende Rohstoffkosten und ein stagnierendes Absatzvolumen die künftige Dynamik bremsen könnten. Die Aktie beendete den gestrigen Handelstag mit einem Minus von 2,15 Prozent bei 124,90 Euro.
Stagnation beim Absatzvolumen trübt Quartalsbilanz
Im vierten Geschäftsquartal, das am 30. Juni endete, verzeichnete Procter & Gamble einen Nettoumsatz von 21,2 Milliarden US-Dollar. Dieser Wert lag knapp unter den Prognosen der Analysten, die im Schnitt von 21,38 Milliarden US-Dollar ausgegangen waren. Besonders kritisch bewerteten Marktbeobachter das organische Umsatzwachstum, das im Berichtsquartal stagnierte. Finanzvorstand Andre Schulten betonte in diesem Zusammenhang, dass das Wachstum in der Phase nach der Pandemie fast ausschließlich durch Preiserhöhungen getrieben wurde. Künftig müsse das Unternehmen wieder zu einem ausgewogenen Modell aus Preisgestaltung und Absatzmenge zurückkehren.
Für das gesamte Geschäftsjahr 2026 meldete der Konzern einen Umsatz von 87 Milliarden US-Dollar, was einem Zuwachs von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Shailesh Jejurikar, der das Unternehmen als CEO leitet, bezeichnete das abgelaufene Jahr als eine Phase der Grundsteinlegung. Während die Sparte für Schönheitsprodukte mit einem organischen Plus von vier Prozent das stärkste Wachstum lieferte, verzeichneten die Bereiche für Baby-, Familien- und Damenpflegeprodukte deutliche Rückgänge.
Kostendruck durch Ölpreis belastet künftige Margen
Der Ausblick auf das neue Geschäftsjahr 2027 fiel verhalten aus und spiegelt die schwierigen Rahmenbedingungen wider. Das Management rechnet mit einem organischen Umsatzwachstum zwischen einem und drei Prozent. Ein erheblicher Belastungsfaktor sind die gestiegenen Rohstoffpreise: Procter & Gamble erwartet allein durch höhere Kosten für Materialien auf Ölbasis – bei einem Ölpreis von über 100 US-Dollar pro Barrel – einen Gegenwind von etwa einer Milliarde US-Dollar nach Steuern.
Für das laufende erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 warnte Schulten bereits vor einem Rückgang des bereinigten Gewinns pro Aktie um mehr als fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Durch diese vorsichtige Einschätzung hat das Papier mittlerweile einen Abstand von 12,09 Prozent zu seinem 52-Wochen-Hoch aufgebaut. Trotz der kurzfristigen Unsicherheiten plant das Unternehmen, im kommenden Jahr rund 10 Milliarden US-Dollar an Dividenden auszuschütten und für etwa 5 Milliarden US-Dollar eigene Aktien zurückzukaufen.
Analysten reagieren mit Herabstufungen
Die Reaktion der Analysehäuser auf das Zahlenwerk und die Prognose war gespalten. Die Experten von HSBC stuften die Aktie von „Buy“ auf „Hold“ herab und senkten das Kursziel deutlich von 182 auf 149 US-Dollar. Zur Begründung hießen sie die langsame Erholung des Absatzvolumens trotz verstärkter Investitionen an. Etwas optimistischer bleibt das Haus Jefferies, das zwar das Kursziel leicht von 179 auf 177 US-Dollar anpasste, die Einstufung jedoch auf „Buy“ beließ.
Parallel zu den finanziellen Herausforderungen steht ein Wechsel an der Spitze des Verwaltungsrats bevor. Shailesh Jejurikar wird morgen, am 1. August, zusätzlich zu seiner Rolle als CEO den Posten des Board Chairman übernehmen. Er folgt auf Jon Moeller, der nach 38 Jahren im Unternehmen in den Ruhestand tritt. Jejurikar übernimmt die Führung in einer Phase, in der der Konzern verstärkt auf Produktüberlegenheit setzen will, um preissensible Verbraucher trotz regulatorischen Drucks und Lieferkettenbeschränkungen an sich zu binden.
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