Die Porsche AG steht zum Jahresauftakt 2026 an einem heiklen Punkt: Warnungen zur Profitabilität im wichtigen US-Geschäft, Verzögerungen bei einem zentralen Elektro-SUV-Projekt und ein Führungswechsel treffen zeitlich zusammen. Die Börse hat bereits reagiert – die Aktie liegt rund ein Drittel unter ihrem 52‑Wochen-Hoch und nur wenige Euro über dem Jahrestief. Wie belastbar ist das Premium-Narrativ, wenn Software, Zölle und Modellplanung ins Rutschen geraten?
US-Margen, Zölle und das Profit-Center USA
Volkswagen- und Ex-Porsche-Chef Oliver Blume hat am Wochenende die Erwartungen an das US-Geschäft spürbar gedämpft. In seiner Funktion als VW-CEO stellte er klar:
- Die Margen im US-Exportgeschäft stehen unter Druck
- Zusätzliche Investitionen sollen an Zollentlastungen geknüpft werden
- Die neue Trump-Administration erhöht die Unsicherheit im Handel
Für Porsche ist das mehr als nur Konzernrauschen. Die USA gelten als eines der wichtigsten Profit-Center der Marke. Gleichzeitig war die Strategie darauf ausgerichtet, die Abhängigkeit vom chinesischen Markt zu reduzieren und die USA stärker als Wachstumstreiber zu nutzen. Drohende Strafzölle von bis zu 25 Prozent würden dieses Vorhaben deutlich erschweren und das Bewertungsniveau mit seinem „Luxus-Multiple“ infrage stellen.
Ein aktueller Branchenreport von EY rechnet zudem 2026 nicht mit einer nennenswerten Erholung für deutsche Hersteller: hohe E-Mobilitätsinvestitionen, schwächelnder Absatz und politische Risiken bilden eine ungünstige Mischung. In diesem Umfeld wirkt Blumes mahnender Ton wie ein klares Signal, dass der Spielraum für margenstarke Exporte enger wird.
Software-Allianz mit Rivian unter Druck
Parallel dazu verschärft sich der operative Druck auf den neuen Porsche-CEO Michael Leiters. Einem Bericht des Manager Magazins zufolge hat Volkswagen eine Taskforce für die Software-Allianz mit dem US-Elektroautobauer Rivian gebildet, weil das gemeinsame Projekt hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Kernpunkte der Problematik:
- Die Kooperation sollte vor allem die Software-Schwächen der VW-Tochter Cariad abfedern
- Es gibt „Software-Mismatch“-Probleme zwischen den Systemen
- Der Starttermin für das geplante Flaggschiff-SUV „Porsche K1“ ist aktuell unbestimmt
Gerade für Leiters, der als früherer CTO von Ferrari und Porsche sowie Ex-McLaren-CEO für seine technische Kompetenz geholt wurde, ist das heikel. Der „K1“ gilt als zentrales Prestigeprojekt und als wichtiger Baustein der künftigen, hochmargigen Elektro-Modellpalette. Hakt die Software-Architektur, verzögert sich nicht nur ein Modell, sondern die gesamte mittelfristige Modelloffensive, die eigentlich beschleunigt werden sollte.
Analysten korrigieren Erwartungen
Auch von Analystenseite gibt es mahnende Zwischentöne. Die US-Bank JPMorgan hat ihre grundsätzliche Einstufung zwar bestätigt – die Porsche-Vorzugsaktien bleiben mit einem Kursziel von 58 Euro auf „Overweight“ –, doch im Detail wurden die Erwartungen spürbar zurückgenommen.
- Senkung der Gewinnprognosen für 2025 und 2026 um durchschnittlich rund 4 Prozent
- Einschätzung: Umsatz 2025 eher am unteren Ende der eigenen Porsche-Prognose
Damit signalisieren die Analysten: Die Geschichte ist intakt, aber der Spielraum wird kleiner. Vor allem vor dem Hintergrund der beschriebenen US-Risiken und Softwareverzögerungen wirkt diese Anpassung wie eine nüchterne Kalibrierung der Fantasie.
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Marke stark, Technik im Rampenlicht
Ein Gegenpol zu den strategischen Fragezeichen ist die unverändert starke Marken- und Technikposition im klassischen Sportwagen- und Rennsportbereich. Beim legendären 24‑Stunden-Rennen von Daytona dominierten die Porsche Penske Motorsport-Teams die erste Rennphase und unterstrichen so die technische Stärke im Verbrenner- und Hybridbereich.
Zudem präsentierte das Unternehmen mit dem „Macan Turbo Concept Lago“ eine exklusive Designstudie, die das Luxus- und Lifestyle-Profil weiter schärfen soll. Solche Projekte zahlen auf die emotionale Strahlkraft der Marke ein – sie lösen allerdings keine kurzfristigen Probleme bei Software, Zöllen und Modellplanung.
Führungswechsel und neue Verantwortung
Der Jahresbeginn 2026 markiert für Porsche eine strukturelle Zäsur. Oliver Blume hat die operative Verantwortung für die Porsche AG zum 1. Januar an Michael Leiters übergeben, um sich vollständig auf den VW-Konzern zu fokussieren. Damit rückt Porsche in eine Phase, in der die Marke eigenständiger geführt werden soll – mit einem CEO, der klar für Produkt- und Technikkompetenz steht.
Leiters muss nun zeigen, dass Porsche unter dieser neuen Struktur schneller und gezielter auf Marktrisiken reagieren kann. Die aktuellen Themen – US-Zölle, Software-Allianz mit Rivian, Verzögerung des „K1“ – liefern ihm früh eine anspruchsvolle Agenda.
Kursniveau und charttechnische Marken
An der Börse spiegeln sich die Belastungsfaktoren bereits im Kursbild wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 42,09 Euro. Damit ergibt sich:
- Rund –33 % Abstand zum 52‑Wochen-Hoch von 63,06 Euro
- Nur etwa 5,7 % über dem 52‑Wochen-Tief von 39,81 Euro
- Seit Jahresbeginn ein Rückgang von gut 11 %
Der Kurs notiert spürbar unter dem 50‑Tage-Durchschnitt von 45,18 Euro sowie unter der 200‑Tage-Linie (44,25 Euro). Ein RSI von 35,2 zeigt eine aufgeweichte, aber noch nicht extrem überverkaufte Situation.
Aus technischer Sicht gilt:
- Die Zone um 42 Euro fungiert als kurzfristige Unterstützung
- Ein Bruch dieser Marke könnte den Weg in Richtung 40 Euro und damit nahe an das 52‑Wochen-Tief öffnen
- Auf der Oberseite wäre ein Anstieg in den Bereich um 45 Euro ein erster Schritt zur Entschärfung des Drucks
In Kombination mit der erhöhten 30‑Tage-Volatilität von knapp 27 % dürfte das die Bewegungen in den nächsten Tagen verstärken, sobald neue Nachrichten eintreffen.
Konkreter Ausblick
In den kommenden Wochen stehen mehrere Wegmarken an, die Klarheit über die mittel- bis langfristige Richtung bringen können:
- Die nächsten Unternehmensauftritte, insbesondere Jahrespressekonferenz und Capital Markets Day, werden zum Test, ob Michael Leiters eine überzeugende Antwort auf die Software-Verzögerungen und die US-Risiken präsentiert.
- Die weitere Kommunikation zur Rivian-Allianz und zum Zeitplan des „Porsche K1“ entscheidet maßgeblich darüber, ob die geplante Elektro-Offensive als intakt wahrgenommen wird oder ob ein langfristiger Anpassungsbedarf eingepreist werden muss.
- Hält die Unterstützung im Bereich um 42 Euro trotz der strategischen Fragezeichen, spricht das für Vertrauen in die Marke und die Ertragskraft. Ein Rutsch in Richtung des 52‑Wochen-Tiefs würde dagegen signalisieren, dass der Markt die aktuellen Risiken stärker gewichtet als die Premium-Story.
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