POET Technologies steuert auf einen juristischen Wendepunkt zu. Bis zum 29. Juni haben Investoren Zeit, sich als Hauptkläger einer Sammelklage gegen das Halbleiterunternehmen anzuschließen. Im Kern stehen Vorwürfe über gezielte Desinformation und ein folgenschwerer Vertrauensbruch.
Die Kläger werfen dem Management vor, über den steuerlichen Status des Unternehmens getäuscht zu haben. Konkret geht es um die Einstufung als „Passive Foreign Investment Company“ nach US-Recht. Solche Versäumnisse können für US-Aktionäre teure steuerliche Folgen haben und den Unternehmenswert belasten.
Ein weiterer Vorwurf betrifft CFO Thomas Mika. Er soll in einem öffentlichen Interview vertrauliche Geschäftsdetails preisgegeben haben. Damit habe er gegen bestehende Vereinbarungen verstoßen und die Geschäftsaussichten gefährdet.
Operatives Beben belastet Kurs
Die juristische Aufarbeitung folgt auf einen Rückschlag im April. Damals stornierte Marvell Semiconductor sämtliche Aufträge für Celestial AI. Als Grund nannte der Partner einen Verstoß gegen Vertraulichkeitsregeln.
Die Aktie verlor daraufhin massiv an Boden. Aktuell notiert das Papier bei 9,85 Euro — ein Minus von rund sieben Prozent zum Vortag. Damit liegt der Kurs fast 48 Prozent unter dem Jahreshoch vom Mai.
Wachstum trotz Rechtsstreit
Trotz der Turbulenzen treibt POET den Ausbau voran. Eine Kapitalerhöhung spülte im Mai 400 Millionen US-Dollar in die Kassen. Das Geld fließt in die Fertigung von optischen Chips für KI-Anwendungen und Rechenzentren.
Die Finanzierung führt allerdings zu einer deutlichen Verwässerung der Anteile. Die Volatilität bleibt derweil mit annualisierten 185 Prozent extrem hoch. Dennoch steht seit Jahresbeginn ein Plus von rund 61 Prozent zu Buche.
Die kommenden Tage bringen Klarheit. Kurz vor Ablauf der Klagefrist findet im Juni die virtuelle Hauptversammlung statt. Dort muss der Vorstand darlegen, wie er die geplanten Kapazitäten trotz der juristischen Hürden verzehnfachen will.
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