Mühsam erkämpfte Fortschritte treffen auf harte US-Handelspolitik. Plug Power hat gerade erst den Sprung zu einer positiven Bruttomarge geschafft, da torpedieren neue Zölle auf chinesische Bauteile die Bilanz. Das Management reagiert mit einem drastischen Umbau der Lieferkette.
Margen-Wunder unter Beschuss
Das vierte Quartal 2025 brachte eine seltene Erfolgsmeldung. Dank des internen Sparprogramms erreichte Plug Power eine Bruttomarge von 2,4 Prozent. Ein Jahr zuvor stand hier noch ein katastrophales Minus von 122,5 Prozent. Der Jahresumsatz kletterte auf rund 710 Millionen US-Dollar.
Diese fragile Erholung steht nun unter Beschuss. Die US-Regierung verhängt 20 Prozent Zoll auf chinesische Brennstoffzellen-Komponenten und europäische Elektrolyseur-Importe. Das Management zieht die Notbremse. Innerhalb von sechs Monaten will Plug Power die Abhängigkeit von chinesischen Zulieferern halbieren. Ein hastiger Wechsel birgt jedoch hohe Ausführungsrisiken.
Verwässerung und Kurs-Realität
An der Börse spiegelt sich die extreme Nervosität wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 2,36 Euro. Auf Jahressicht steht zwar ein massives Plus von fast 200 Prozent auf der Anzeigetafel. Die annualisierte Volatilität von knapp 53 Prozent zeigt jedoch den hochspekulativen Charakter des Papiers.
Ein tieferliegendes Problem belastet den Kurs zusätzlich. In den vergangenen zwölf Monaten stieg die Zahl der ausstehenden Aktien um die Hälfte. Diese massive Verwässerung drückt dauerhaft auf den Unternehmenswert. Analysten sind entsprechend gespalten. Während das durchschnittliche Kursziel laut Benzinga bei 3,64 US-Dollar liegt, sehen neuere Schätzungen eher ein Niveau um 2,18 US-Dollar.
Frisches Kapital und Großaufträge
Um den laufenden Betrieb zu sichern, macht der neue CEO Jose Luis Crespo Kasse. Plug Power verkauft den Standort „Project Gateway“ für gut 132 Millionen US-Dollar an Stream Data Centers. Der Deal ist Teil eines größeren Plans, bis Mitte des Jahres über 275 Millionen US-Dollar an Liquidität freizumachen. Ende 2025 lagen die freien Mittel bei knapp 369 Millionen US-Dollar.
Operativ gibt es durchaus Lichtblicke. Anfang April sicherte sich das Unternehmen einen Design-Vertrag für ein 275-Megawatt-Elektrolyseursystem in der kanadischen Provinz Québec. Das Projekt für Hy2gen Canada gehört zu den bisher größten Aufträgen der Firmengeschichte. Es soll die Produktion von kohlenstoffarmem Ammoniak für die Bergbauindustrie unterstützen.
Der anstehende Quartalsbericht im Mai wird zur harten Bewährungsprobe. Das Zahlenwerk muss belegen, ob die junge Marge den neuen Zöllen standhält. CEO Crespo hat ehrgeizige Ziele formuliert: ein positives EBITDA im laufenden Jahr und volle Profitabilität bis 2028. Verfehlt Plug Power diese Meilensteine aufgrund der Lieferketten-Probleme, droht eine schmerzhafte Neubewertung der Aktie.
