Plug Power sammelt weltweit Großprojekte ein, während der Aktienkurs auf neue Tiefs rutscht. Am Mittwoch meldete der Wasserstoff-Konzern gleich zwei internationale Kooperationen. Der Markt reagierte trotzdem mit Verkäufen.
SAF-Projekt in Kanada und Großauftrag in Australien
Plug Power hat mit Expander Energy eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist die Produktion von nachhaltigem Flugkraftstoff (SAF) in British Columbia. Das Mackenzie-Biofuel-Projekt soll Plug Powers GenEco-PEM-Elektrolyseure in Expanders sogenannten BETL-Prozess integrieren.
Die Anlage nutzt Forstwirtschaftsabfälle als Rohstoff. Geplant sind bis zu 120 Millionen Liter erneuerbare Kraftstoffe pro Jahr. Das Projekt soll rund 360.000 Tonnen CO2-Emissionen jährlich vermeiden.
Parallel dazu bestätigte Plug Power einen 50-Megawatt-Auftrag für den Hunter Valley Hydrogen Hub im australischen Newcastle. Entwickler Orica hat für das Projekt kürzlich die finale Investitionsentscheidung getroffen. Es ist damit das größte grüne Wasserstoffprojekt Australiens, das diese Stufe erreicht hat.
Die Anlage soll jährlich etwa 4.700 Tonnen erneuerbaren Wasserstoff produzieren. Damit ließen sich rund 7,5 Prozent des Erdgasverbrauchs in Oricas bestehender Ammoniak-Anlage ersetzen. Das Projekt erhält zudem als erster Empfänger des australischen „Hydrogen Headstart“-Programms Produktionsgutschriften über 432 Millionen australische Dollar.
Kurs fällt trotz Auftragsflut
Die operativen Erfolge kommen an der Börse nicht an. Die Aktie notiert aktuell bei 2,13 Euro, ein Minus von 2,11 Prozent gegenüber dem Vortag. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 2,76 Euro fehlen der Aktie fast 23 Prozent.
Der Kursverfall der vergangenen Wochen wiegt schwerer als die neuen Aufträge. Binnen sieben Tagen verlor das Papier 8,47 Prozent, auf Monatssicht sind es 23,22 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 3,72 Euro, erreicht Anfang Juni, trennen die Aktie mittlerweile fast 43 Prozent.
Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 76,36 Prozent zu Buche. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie mit gut 12 Prozent im Plus. Der Vergleich zeigt: Die aktuelle Schwäche ist ein kurzfristiges Phänomen, kein langfristiger Trend.
Kassenlage bleibt der wunde Punkt
Der Grund für die Skepsis liegt in der Bilanz. Im ersten Quartal 2026 verbrannte Plug Power operativ 150 Millionen US-Dollar an Cash. Zum letzten Stichtag verfügte das Unternehmen über 223,2 Millionen US-Dollar an frei verfügbaren Mitteln.
Bei diesem Tempo reicht die Liquidität für etwa anderthalb Quartale. Das Management hält trotzdem an seinem Ziel fest: Bis zum vierten Quartal 2026 soll der Konzern EBITDAS-positiv werden.
Die technischen Signale passen zur Vorsicht der Anleger. Der Relative-Stärke-Index auf 14-Tage-Basis liegt bei 32,8 und nähert sich der überverkauften Zone. Die Aktie notiert unterhalb aller relevanten gleitenden Durchschnitte – dem 50-, 100- und 200-Tage-Wert. Hinzu kommt eine Leerverkaufsquote von 27,4 Prozent zum 8. Juli, ein Zeichen dafür, wie viele Marktteilnehmer weiter fallende Kurse erwarten.
Mit den beiden neuen Projekten summiert sich die installierte GenEco-Kapazität von Plug Power weltweit auf über 320 Megawatt, verteilt über sechs Kontinente. Die Auftragslage spricht damit eine andere Sprache als der Aktienkurs. Ob sich das ändert, hängt davon ab, ob der Konzern die versprochene Wende zur Profitabilität im vierten Quartal tatsächlich schafft.
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