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Symbolbild, KI-generiert

Plug Power Aktie: 1,66-Milliarden-Garantie entzogen

Plug Power streicht Projekte und verliert eine Kreditgarantie, meldet aber Fortschritte bei Barrow Green, Großkunden und der Liquidität.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Antwerpen-Projekt für 15,9 Millionen gestrichen
  • US-Kreditgarantie über 1,66 Milliarden entzogen
  • Barrow Green erreicht Investitionsentscheidung
  • Mehr als 20.000 GenDrive-Erneuerungen möglich

Manchmal erzählt eine Aktie zwei Geschichten gleichzeitig, und keine davon ist ganz falsch. Bei Plug Power lautet die eine Geschichte: ein Unternehmen, das ein Wasserstoffprojekt nach dem anderen einstampft, dem die US-Regierung eine Milliardenkreditgarantie entzieht und dessen Aktie binnen Jahresfrist zwar um 40 Prozent zugelegt hat, aber weiterhin gut die Hälfte unter ihrem 52-Wochen-Hoch notiert.

Die andere Geschichte handelt von einem Konzern, der Investoren zur Werksbesichtigung einlädt, mit UBS über operative Fortschritte spricht und Kunden findet, die über drei Jahre mehr als 20.000 Wasserstoff-Gabelstapler-Antriebe erneuern wollen. Beide Erzählungen laufen bei Plug Power seit Wochen parallel, und wer die Aktie verstehen will, muss beide ernst nehmen.

Rückzug in Antwerpen, Rückzug in Washington

Vor rund zwei Wochen strich Plug Power sein geplantes Wasserstoffwerk im Hafen von Antwerpen-Brügge, weil sich die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts nicht mehr rechnen ließ.

Die Streichung kostet das Unternehmen einen Verlust von 15,9 Millionen US-Dollar. Am selben Tag wurde bekannt, dass das US-Energieministerium eine Kreditgarantie über 1,66 Milliarden US-Dollar zurückzog, nachdem die erste Abruffrist verstrichen war, ohne dass Mittel geflossen waren.

Zwei Rückschläge binnen 24 Stunden – das ist die Art Nachricht, die eine ohnehin fragile Wasserstoffbranche nicht gebrauchen kann, und die Aktie reagierte entsprechend nervös: Ende August rutschte sie an einem Tag um rund 5 Prozent ab, inmitten einer breiteren Schwäche im gesamten Sektor, ohne dass es an jenem Tag eine neue Unternehmensmeldung gab.

Wer nur diese Schlagzeilen liest, sieht ein Unternehmen auf dem Rückzug. Doch Plug Power selbst erzählt die Geschichte anders: Man ziehe sich aus Projekten zurück, die sich nicht rechnen, um Kapital dort zu bündeln, wo es sich rechnet. Das ist die eigentliche Wette hinter der Aktie – nicht mehr Wachstum um jeden Preis, sondern selektiveres Wachstum mit engerer Liquiditätskontrolle.

Der Gegenbeweis: Barrow Green und die Großkunden

Genau in diese Richtung zeigt der zweite Erzählstrang. In einem veröffentlichten Transkript der Telefonkonferenz zu den Zahlen für das zweite Quartal 2026 berichtete das Management, dass das 30-Megawatt-Wasserstoffprojekt Barrow Green in Großbritannien die finale Investitionsentscheidung erreicht hat – ein Projekt geht also voran, während andere gestrichen werden.

Zudem sprach das Unternehmen von einer Erneuerungschance bei zwei großen Kunden aus der Materialumschlag-Branche, die über drei Jahre mehr als 20.000 GenDrive-Einheiten umfassen könnte, davon rund 2.000 Einheiten bereits in diesem Jahr. Das ist kein Nebensatz, sondern ein Signal, dass das Kerngeschäft mit wasserstoffbetriebenen Gabelstapler-Antrieben noch immer trägt.

Auch bei der Finanzierung gibt es Fortschritte zu vermelden, ohne dass sie die Grundproblematik lösen: Von einer geplanten 80-Millionen-Dollar-Finanzierungsmaßnahme sind bereits 52 Millionen US-Dollar eingegangen, davon 47 Millionen US-Dollar im Juli und August.

Zusammen mit der bereits vor rund zwei Wochen bekanntgegebenen Freigabe von Barmitteln aus einer Liquiditätsbrücke von insgesamt 275 Millionen US-Dollar ergibt sich ein Bild eines Unternehmens, das mühsam, aber sichtbar an seiner Kassensituation arbeitet.

Was der Werksbesuch verrät

Vergangenen Freitag lud Plug Power Investoren zu einer Werksbesichtigung der Vista-Anlage ein, begleitet von einem Managementtreffen mit UBS. Solche Termine sind selten der Stoff großer Kursausschläge, aber sie sagen etwas über die Kommunikationsstrategie: Statt nur Quartalszahlen zu verlesen, öffnet das Unternehmen seine Produktionsstätten für Analysten und Investoren. Das wirkt wie der Versuch, operative Substanz gegen die Schlagzeilen über gescheiterte Projekte zu setzen.

Für die Aktie selbst bedeutet das eine Zerreißprobe zwischen zwei Kräften. Auf der einen Seite die politische und projektbezogene Rückschlagserie, die dem gesamten Wasserstoffsektor zusetzt und sich in der 30-Tage-Volatilität von 57 Prozent niederschlägt.

Auf der anderen Seite operative Lebenszeichen, die zeigen, dass das Geschäft mit den Großkunden lebt und einzelne Projekte tatsächlich vorankommen. Der Kurs notiert derzeit bei 1,86 Euro und damit unterhalb sowohl des 50-Tage- als auch des 200-Tage-Durchschnitts – ein Zustand, der die Unsicherheit der Anleger widerspiegelt, welche der beiden Geschichten am Ende die Oberhand behält.

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