Der Wasserstoffsektor bekommt Rückenwind aus einer ungewohnten Richtung: KI-Rechenzentren brauchen Strom schneller, als viele Netzbetreiber liefern können. Plug Power profitiert von dieser These, hinkt den stärkeren Sektorwerten aber hinterher. Der Grund liegt nicht in der Fantasie, sondern in der Bilanz: Liquidität, Margen und ein wichtiger Asset-Verkauf bestimmen den Takt.
Am Mittwoch notiert die Plug-Power-Aktie bei 3,35 Euro und verliert 4,91 Prozent. Seit Jahresanfang steht trotzdem ein Plus von 76,39 Prozent zu Buche.
Auf Sicht von rund einem Jahr fällt die Bilanz noch extremer aus: Der Kurs liegt 316,41 Prozent höher. Vom jüngsten Hoch bei 3,72 Euro hat sich die Aktie inzwischen um 9,90 Prozent entfernt. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.
KI-Strombedarf stützt den Sektor
Der zentrale Sektorimpuls kommt aus dem Ausbau der KI-Infrastruktur. Große Cloud- und Rechenzentrumsbetreiber benötigen zusätzliche Energie, während Netzanschlüsse teils fünf bis sieben Jahre dauern. Das macht dezentrale Stromerzeugung hinter dem Zähler attraktiver.
Davon profitieren Brennstoffzellen- und Wasserstoffanbieter unterschiedlich stark. Bloom Energy gilt als direkterer Profiteur des Hyperscaler-Trends. FuelCell Energy wird eher als mittelgroße Turnaround-Story gehandelt. Plug Power bleibt vor allem ein Sanierungsfall mit operativer Hebelwirkung.
Technisch ist die Aktie kurzfristig stark abgekühlt. Der RSI liegt bei 24,7, die annualisierte Volatilität der vergangenen Wochen bei 93,63 Prozent. Das signalisiert Stress, aber auch eine stark überdehnte Bewegung nach unten.
Stream-Deal wird zum Stresstest
Der nächste harte Termin ist der geplante Verkauf von Vermögenswerten an Stream Data Centers. Plug Power erwartet daraus mindestens 132,5 Millionen Dollar brutto. Je nach Zeitpunkt des Abschlusses und bestimmten Bedingungen zur Entfernung von Assets können es bis zu 142 Millionen Dollar werden; die vertragliche Frist läuft bis zum 30. Juni 2026.
Zum Paket gehört Plug Powers Beteiligung am Project-Gateway-Standort in New York. Enthalten sind Grundstück, Infrastruktur, ausgewählte Umspannwerksanlagen sowie die Übertragung bestimmter zugehöriger Vereinbarungen.
Der Abschluss ist an mehrere Bedingungen geknüpft. Dazu zählen ein versicherbarer Eigentumstitel, die Übertragung von Genehmigungen und Vereinbarungen, bestimmte behördliche Freigaben, Umweltprüfungen sowie ein verbindlicher Mietvertrag des Käufers mit einem Nutzer des Grundstücks. Falls der Deal nicht rechtzeitig zustande kommt, können beide Seiten kündigen; bei bestimmten Käuferverstößen sieht die Vereinbarung pauschalierte Schadenersatzansprüche zugunsten von Plug vor.
Der Verkauf ist der größte Baustein eines breiteren Programms zur Verbesserung der Liquidität. Plug Power will über Asset-Verkäufe, die Freigabe gebundener Barmittel und niedrigere Wartungskosten mehr als 275 Millionen Dollar mobilisieren. Ein weiterer Schritt ist bereits erfolgt: Der Verkauf eines bundesstaatlichen Investment Tax Credit für rund 39,2 Millionen Dollar im Zusammenhang mit der Wasserstoffverflüssigungsanlage in St. Gabriel.
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Diese Anlage wird über Hidrogenii betrieben, das Gemeinschaftsunternehmen mit Olin Corporation. Bereits im Januar 2025 hatte Plug einen Investment Tax Credit im Umfang von 30 Millionen Dollar für die Wasserstoffanlage in Woodbine übertragen.
Margen verbessern sich, Skepsis bleibt
Operativ gibt es Fortschritte. Im ersten Quartal 2026 erzielte Plug Power einen Umsatz von 163,51 Millionen Dollar, ein Anstieg um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Erlöse lagen zudem 17 Prozent über den Erwartungen.
Wichtiger ist die Bruttomarge nach GAAP. Sie verbesserte sich auf minus 13 Prozent nach minus 55 Prozent im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einer Bewegung um 42 Prozentpunkte.
CEO Jose Luis Crespo bekräftigte das Ziel, im vierten Quartal 2026 auf EBITDAS-Basis positiv zu werden. Genau daran hängt die Glaubwürdigkeit des Turnarounds: Umsatzwachstum allein reicht nicht, wenn der Kapitalbedarf hoch bleibt.
Die Wall Street bleibt entsprechend vorsichtig. Bei einem Beta von 2,07 stehen zwölf Halten-Einschätzungen fünf Kaufempfehlungen gegenüber. Das passt zum Kursbild: starke Erholung über Monate, aber anfällig für Rückschläge bei jeder Unsicherheit rund um Finanzierung und Cashburn.
Europa liefert strategische Substanz
Abseits der kurzfristigen Liquiditätsfrage baut Plug Power seine europäische Elektrolyseur-Pipeline aus. Das Barrow-Projekt umfasst sechs GenEco-PEM-Elektrolyseure mit je 5 MW. Es gehört zu einem Paket über 55 MW für Projekte in Barrow, Trafford und Langage.
Barrow soll jährlich rund 100 GWh grünen Wasserstoff an das Werk von Kimberly-Clark liefern. Damit könnte der Erdgasverbrauch dort um bis zu 50 Prozent sinken und der CO2-Ausstoß um 18.300 Tonnen reduziert werden.
Europa bleibt damit ein wichtiger Wachstumsmarkt. Plug arbeitet an Multi-Gigawatt-Projekten in Großbritannien, Spanien und weiteren Märkten; die globale Projektpipeline wird auf mehr als 2 Milliarden Dollar beziffert. Der Fortschritt in Barrow stärkt die strategische Erzählung, löst aber das kurzfristige Finanzthema nicht.
Bis zum 30. Juni 2026 liegt der nächste konkrete Prüfpunkt auf dem Tisch. Schließt Plug Power den Stream-Deal, verbessert sich die Liquiditätslage spürbar und der Weg zum Ziel für das vierte Quartal 2026 wird glaubwürdiger. Scheitert der Abschluss, rückt die Finanzierungsfrage sofort wieder nach vorn.
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