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Pharma-Aktien: Bayer und Redcare glänzen, Roche taumelt

Bayer und Redcare Pharmacy überzeugen mit Kursgewinnen und positiven Signalen, während Roche einbricht und Novo Nordisk unter Analystenskepsis bleibt.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Bayer profitiert von geopolitischem Rückenwind
  • Jefferies erhöht Redcares Kursziel
  • Roche verliert 7,4 Prozent
  • Novo Nordisk meldet Pipeline-Fortschritte

Fünf Pharma-Werte, ein Wochenende voller Kontraste: Während Bayer von geopolitischen Spannungen profitiert und Redcare Pharmacy bei Analysten zum neuen Favoriten aufsteigt, schickt ein heftiger Kursrutsch bei Roche Schockwellen durch die Bücher der Anleger. Novo Nordisk kämpft derweil mit einer verfestigten Bären-These trotz Pipeline-Fortschritten. Und mittendrin: ein österreichischer Mikronährstoff-Spezialist, der von alldem praktisch unberührt bleibt.

Novo Nordisk: Pipeline-Fortschritt trifft auf verfestigte Bären-These

Am Freitag schloss die Aktie bei 40,09 Euro, ein Rückgang von 1,8 Prozent auf Tagessicht. Kurzfristig hellt sich das Bild dennoch auf: Auf Wochensicht steht ein Plus von 1,8 Prozent, auf Monatssicht von 3,5 Prozent zu Buche.

Am Gesamtbild ändert das wenig. Seit Jahresbeginn liegt der Titel 8,9 Prozent im Minus, auf Zwölfmonatssicht sind es 17 Prozent Verlust. Vom 52-Wochen-Hoch bei 54,86 Euro vom Januar trennen die Aktie inzwischen 27 Prozent.

Die Skepsis der Analysten bleibt hartnäckig. Deutsche Bank stufte den Titel Ende August auf „Sell“ ab und senkte das Kursziel auf 265 dänische Kronen, mit Verweis auf langsamere Wachstumsaussichten für 2027, das gescheiterte Ziltivekimab-Programm sowie das langfristige Risiko auslaufender Patente. Selbst als die Aktie zwischenzeitlich zulegte, bekräftigte die Bank ihre bearishe Einschätzung Anfang September erneut. J.P. Morgan positioniert sich mit einer Hold-Einstufung deutlich vorsichtiger.

Auf der Pipeline-Seite ist die Dynamik trotz der Kritik nicht zum Stillstand gekommen: Das Unternehmen meldete Fortschritte bei einem injizierbaren Adipositas-Medikament in einer wichtigen Phase-3-Studie und brachte mit NNC0721-8060 einen neuen Adipositas-Kandidaten in die erste Studie am Menschen. Ob das reicht, um die Bären-These zu entkräften, könnte sich beim anstehenden Kapitalmarkttag zeigen.

Bayer: Geopolitischer Rückenwind und ein entscheidender Gerichtstermin

Bayer gehört zu den Gewinnern der vergangenen Handelstage. Am Freitag schloss die Aktie bei 48,84 Euro, nach einem leichten Rückgang von 1,3 Prozent auf Tagessicht – ein kleiner Dämpfer, der die eigentliche Kursgeschichte kaum trübt.

Seit Jahresbeginn hat sich der Titel um 32 Prozent verteuert, auf Zwölfmonatssicht summiert sich das Plus sogar auf 71 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch bei 53,86 Euro vom 3. Juli fehlen nur noch rund 9 Prozent.

Ein Teil der jüngsten Stärke ist dabei nicht Bayer-spezifisch, sondern sektorweit: Chemie- und Pharmawerte profitierten zuletzt von der angespannten Lage im Nahen Osten, die Anleger in defensivere Branchen treibt. Hinzu kommt Rechtssicherheit: Der lange verschobene Gerichtstermin zur endgültigen Genehmigung des milliardenschweren Roundup-Vergleichs steht nun fest für den 14. September – ein Termin, den der Markt als potenziellen Katalysator beobachtet.

Technisch bleibt das Bild konstruktiv. Die Aktie notiert klar über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 48,67 Euro, der RSI von 53 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustände.

Redcare Pharmacy: Jefferies kürt neuen Favoriten im Online-Apotheken-Markt

Redcare Pharmacy zeigte am Freitag die stärkste Tagesbewegung im gesamten Vergleich: Die Aktie legte um 4,7 Prozent zu und schloss bei 59,65 Euro. Der Erholung vorausgegangen war eine schwierige Phase – auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 7,1 Prozent, auf Monatssicht von 6,9 Prozent zu Buche.

Übers Jahr gerechnet bleibt die Bilanz deutlich negativ: Seit Jahresbeginn hat der Titel 9,3 Prozent verloren, auf Zwölfmonatssicht sind es 20 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 90,05 Euro vom vergangenen Oktober trennen die Aktie damit weiterhin rund 34 Prozent.

Trotz dieser Baisse hat sich die Analystenstimmung zuletzt deutlich gedreht. Jefferies bestätigte seine Kaufempfehlung und hob das Kursziel von 83 auf 97 Euro an – ein Signal, dass die Analysten Redcare inzwischen als ihren bevorzugten Namen im Online-Apotheken-Segment sehen, eine Rolle, die zuvor Konkurrent DocMorris innehatte. Ausschlaggebend war die operative Entwicklung: Umsatzwachstum, Kundenzuwachs und Profitabilität zeigten sich robuster als erwartet, selbst als die jüngsten monatlichen E-Rezept-Daten für August einen schwächeren Trend bei aktiven Kundenzahlen und App-Nutzung offenbarten. Redcare schnitt dabei weiterhin besser ab als DocMorris.

Roche: Herber Kursrutsch trotz klarem Deutschland-Bekenntnis

Für Roche-Anleger war der Freitag ein Schockmoment: Die Aktie brach um 7,4 Prozent ein und schloss bei 323,90 GBP – die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 112 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel in dem Titel zuletzt geworden ist.

Der RSI von 46,4 deutet zumindest darauf hin, dass die Aktie weder überkauft noch überverkauft ist – der Ausverkauf traf den Kurs damit aus vergleichsweise neutraler Ausgangslage.

Fundamental bleibt Roche seinem Heimatkontinent treu, während andere Konzerne zurückrudern. Im vergangenen Geschäftsjahr investierte das Unternehmen mehr als 700 Millionen Euro in seine deutschen Standorte und steigerte den deutschen Umsatz um 4,7 Prozent.

Dieses Engagement wirkt umso bemerkenswerter angesichts des Rückzugs der Konkurrenz: Eli Lilly halbierte eine zuvor angekündigte milliardenschwere Investition in Deutschland, Boehringer Ingelheim strich eine geplante Investition von 900 Millionen Euro vollständig – beide unter Verweis auf das geplante Sparpaket der Bundesregierung im Gesundheitswesen. Roche hält dagegen an seinem 600-Millionen-Euro-Projekt für ein Diagnostik-Produktionszentrum im bayerischen Penzberg fest, auch wenn der Konzern die staatlichen Sparpläne öffentlich kritisiert.

Auf der Forschungsseite treibt die Genentech-Einheit eines der meistbeachteten Onkologie-Programme der Branche voran. Der gemeinsam mit BioNTech entwickelte mRNA-Impfstoffkandidat Autogene Cevumeran wird nach einem ersten Machbarkeitsnachweis nun in einer globalen Phase-II-Studie an rund 260 Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs getestet, mit Studienzentren unter anderem in Berlin, München, Hamburg und Heidelberg.

Die Analystenlager bleiben tief gespalten: Barclays hält an „Overweight“ mit Kursziel 390 Franken fest, Jefferies bleibt bei „Underperform“ mit Kursziel 230 Franken, Goldman Sachs sieht die Aktie „Neutral“ bei einem Kursziel von 365 Franken – eine derart große Spanne signalisiert erhebliche Unsicherheit über die Bewertung.

Biogena Group Invest: Ruhiger Höhenflug abseits der großen Schlagzeilen

Während die vier größeren Pendants zwischen Kursrutschen und Analysten-Aufwertungen hin- und hergerissen werden, liefert der Salzburger Mikronährstoff-Spezialist ein völlig anderes Bild. Am Freitag stieg die Aktie um 3,9 Prozent auf 5,35 Euro, auf Wochensicht steht ein Plus von 5,9 Prozent zu Buche.

Die Jahresbilanz ist beeindruckend: Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um 81 Prozent verteuert, auf Zwölfmonatssicht sind es 80 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 6,10 Euro vom Juli trennen die Aktie nur noch rund 12 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief bei 2,50 Euro inzwischen komfortable 114 Prozent beträgt.

Konkrete unternehmensspezifische Nachrichten gab es zuletzt kaum. Bekannt ist, dass die Biogena Group Invest AG noch in diesem Jahr mit der Biogena Good Vibes AG verschmolzen werden soll, um die Beteiligungsstruktur zu vereinfachen und die Community stärker einzubinden. Das im Direct-Market-Plus-Segment der Wiener Börse notierte Vehikel bleibt damit stärker von seiner eigenen Restrukturierung getrieben als vom Nachrichtenzyklus der großen Pharma-Namen.

Im weiteren Diagnostik- und Gesundheitsprodukte-Umfeld zeigt sich ein gemischtes Bild: QIAGEN-Aktien handelten zuletzt in einer engen Spanne nahe 37 Euro, während NanoRepro Ende Juli einen Konzernumsatz von rund 16 Millionen Euro für 2025 meldete. Für Biogena selbst bleibt der RSI von 58,8 ein Hinweis darauf, dass trotz der starken Rally noch kein akutes Überkauft-Signal vorliegt.

Sektordynamik im Überblick

  • Bayer und Redcare Pharmacy liefern positive Überraschungen – einmal makrogetrieben, einmal operativ begründet.
  • Novo Nordisk steckt zwischen Pipeline-Fortschritt und einer hartnäckigen Bären-These fest.
  • Roche kombiniert einen harten Kursrückschlag mit einem strategischen Bekenntnis zum Standort Deutschland.
  • Biogena Group Invest bleibt von den Schwankungen der großen Namen praktisch unberührt.

Entscheidende Termine im September

Mehrere konkrete Termine dürften die Kursrichtung in den kommenden Wochen vorgeben. Bayers Gerichtstermin zum Roundup-Vergleich am 14. September könnte einen der größten rechtlichen Unsicherheitsfaktoren der Aktie entweder entschärfen oder neu befeuern.

Novo Nordisk lädt am 21. September zu seinem Kapitalmarkttag, bei dem Anleger auf strategische Klarheit zur Pipeline-Priorisierung hoffen – und darauf, ob das Management der bearishen Deutsche-Bank-Einschätzung mit belastbaren Argumenten begegnen kann. Redcare Pharmacys nächste monatliche E-Rezept-Zahlen werden zeigen, ob die operative Stärke gegenüber DocMorris anhält.

Bei Roche dürfte die Marktreaktion auf den jüngsten Kursrutsch die kommende Handelswoche prägen, während die Phase-II-Daten zum mRNA-Krebsimpfstoff mittelfristig neue Impulse liefern könnten. Biogena Group Invest bleibt derweil ein Fall für geduldige Anleger, deren Blick eher der geplanten Konzernverschmelzung gilt als dem täglichen Marktrauschen.

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Diskussion zu Novo Nordisk

Eduard Altmann

Eduard Altmann ist Finanzexperte mit über 25 Jahren Erfahrung an den globalen Finanzmärkten. Als Analyst und Autor beim VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft spezialisiert er sich auf Aktienmärkte, Gold, Silber, Rohstoffe und den Euro.

Altmann ist überzeugter Verfechter des Value-Investing und identifiziert unterbewertete Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Sein Börsendienst "Megatrend-Depot" vermittelt praxisnahe Strategien erfolgreicher Value-Investoren. Mit seinem Motto "Manage dein Vermögen selbst" inspiriert er Anleger zur eigenverantwortlichen Vermögensverwaltung.

Seine Analysen basieren auf der fortschrittlichen Gann-Strategie, die präzise Vorhersagen für Rohstoffmärkte ermöglicht. Diese technische Analysemethode kombiniert historische Daten mit Zyklusanalysen und macht seine Marktprognosen besonders treffsicher.

Durch zahlreiche Publikationen und verständliche Erklärungen komplexer Finanzthemen unterstützt Altmann sowohl Einsteiger als auch erfahrene Investoren bei fundierten Anlageentscheidungen. Seine Arbeit verbindet theoretische Expertise mit praktischen Empfehlungen für den strategischen Vermögensaufbau.