Pfizer steckt mitten in einem schwierigen Übergang. Der Pharmakonzern kämpft mit schrumpfenden COVID-Einnahmen, bevorstehenden Patentabläufen und dem gleichzeitigen Aufbau neuer Wachstumsfelder in Onkologie und Adipositas. Dass die Aktie trotzdem frische Analystenunterstützung erhält, liegt an vielversprechenden Phase-2-Daten aus der Immunologie.
BMO bestätigt positives Votum nach Studiendaten
BMO Capital bekräftigte am 9. März sein „Outperform“-Rating für Pfizer – ausgelöst durch neue Phase-2-Ergebnisse zum Immunologie-Kandidaten Tilrekimig. Das experimentelle Antikörperpräparat wird einmal monatlich verabreicht und zielt auf die Signalwege IL-4/IL-13/TSLP ab.
Die Wirksamkeitsdaten fallen bemerkenswert aus: In der mittleren Dosisgruppe erreichten 51,9 % der Patienten nach 16 Wochen den klinischen Zielwert EASI-75. Zum Vergleich: Regenerons Dupixent, das Referenzprodukt für diese Indikation, erzielte in einer Phase-3-Studie 36 % zum gleichen Zeitpunkt.
BMO selbst dämpft jedoch zu hohe Erwartungen: Detailliertere Daten seien nötig, um das Wirkprofil vollständig einschätzen zu können. Außerdem dürfte der Markt dem frühen Entwicklungsstand entsprechend wenig Gewicht auf diesen Datenpunkt legen. Die Kursreaktion blieb mit einem Plus von unter einem Prozent tatsächlich verhalten.
Der Patentablauf als zentrale Belastung
Der eigentliche Druck auf die Aktie kommt von einer anderen Seite. Mehrere umsatzstarke Produkte – darunter Eliquis, Vyndaqel, Ibrance und Xeljanz – verlieren in den kommenden Jahren ihren Patentschutz. Der Konzern selbst beziffert das betroffene Umsatzvolumen bis 2030 auf rund 17 Milliarden US-Dollar.
Die finanziellen Auswirkungen werden Jahr für Jahr größer: Für 2026 erwartet Pfizer einen negativen Umsatzeffekt von rund 1,5 Milliarden Dollar durch Patentabläufe, 2027 sollen es bereits über 3 Milliarden sein, 2028 über 6 Milliarden. Hinzu kommt, dass Eliquis im Rahmen des Inflation Reduction Act ab diesem Jahr niedrigere Medicare-Preise hinnehmen muss.
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Für das Gesamtjahr 2026 bestätigte Pfizer seine Umsatzprognose von 59,5 bis 62,5 Milliarden Dollar. Wachstum erwartet das Unternehmen erst wieder ab 2029. Bis Ende 2027 sollen Kostensenkungen und Restrukturierungsmaßnahmen kumulierte Einsparungen von 7,7 Milliarden Dollar bringen.
Onkologie und Adipositas als Wachstumspfeiler
Gegen den strukturellen Gegenwind setzt Pfizer auf zwei strategische Standbeine. Im Bereich Onkologie – der bereits rund 28 % des Gesamtumsatzes ausmacht – stiegen die Erlöse in den ersten neun Monaten 2025 um 7 %. Treiber waren unter anderem das Krebsmittel Xtandi sowie die BRAFTOVI-Kombination, die jüngst als erste zielgerichtete Therapie für eine bestimmte Form des metastasierten Darmkrebses zugelassen wurde. Bis 2030 peilt Pfizer mindestens acht Blockbuster-Produkte in der Onkologie an.
Im Bereich Adipositas ist der Konzern nach der Übernahme von Metsera und einer Lizenzvereinbarung mit YaoPharma deutlich aktiver geworden. Für den GLP-1-Kandidaten MET-097i sind 2026 zehn Phase-3-Studien geplant. Detaillierte Daten aus der VESPER-3-Studie sollen noch in diesem Jahr auf dem ADA-Kongress vorgestellt werden.
Analysteneinschätzungen und Bewertung
Das Meinungsbild unter Analysten ist uneinheitlich. Guggenheim hält an einem Kursziel von 35 Dollar fest und bewertet die Aktie mit „Buy“. Bernstein sieht das Kursziel bei 30 Dollar und stuft den Titel mit „Market Perform“ ein.
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 20 liegt Pfizer deutlich unterhalb des S&P-500-Durchschnitts von 26,6 – ein Beleg dafür, dass der Markt die Übergangsphase bereits einpreist. Ob Onkologie und Adipositas die Patentlücke mittel- bis langfristig schließen können, wird sich an den rund 20 geplanten Pivotal-Studienstartsschritten in 2026 messen lassen.
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