Pfisterer hat am Mittwoch Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 vorgelegt, die auf den ersten Blick überzeugen: Der Umsatz kletterte um 20,2 Prozent auf 256,7 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA legte um 33 Prozent auf 52,4 Millionen Euro zu. Die Marge verbesserte sich von 18,5 auf 20,4 Prozent. Der Periodengewinn sprang um 75,9 Prozent auf 38,3 Millionen Euro.
Im zweiten Quartal allein erwirtschaftete der Kabelgarnitur-Hersteller einen Rekordumsatz von 129,8 Millionen Euro, nach 113,4 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Das bereinigte EBITDA stieg von 18,5 auf 24,7 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie erreichte 1,11 Euro und lag damit deutlich über der Schätzung von 0,86 Euro.
Auftragsbestand wächst, Neugeschäft schwächelt
Der Blick auf die Auftragslage zeigt ein gemischtes Bild. Der Auftragsbestand zum 30. Juni belief sich auf 340,3 Millionen Euro, nach 312,5 Millionen Euro im Vorjahr – ein Polster, das nach Unternehmensangaben bis 2027 reicht.
Der Auftragseingang im ersten Halbjahr fiel dagegen mit 263,0 Millionen Euro niedriger aus als die 290,2 Millionen Euro des Vorjahreszeitraums. Für Anleger bedeutet das: Die aktuelle Ertragsstärke ist gesichert, das Wachstumstempo für die kommenden Quartale aber weniger eindeutig als die Halbjahreszahlen suggerieren.
Zusätzlich verweist Pfisterer auf ein neu erhaltenes Patent für eine steckbare HVDC-Verbindungstechnologie, die im Zuge der Stromnetz-Elektrifizierung an Bedeutung gewinnen dürfte. Der Vorstand bestätigte im Zuge der Vorlage zudem die Mittelfristprognose bis 2030.
Markt reagiert mit Kursrückgang
Trotz der auf den ersten Blick starken Zahlen reagierte die Börse ablehnend: Die Aktie gab nach der Zahlenverkündung am Mittwoch bis zum Nachmittag um 9 Prozent auf rund 71 Euro nach. Offenbar wiegen der schwächere Auftragseingang und Sorgen um die Nachhaltigkeit des Margensprungs schwerer als die auf den ersten Blick positiven Kennzahlen.
Am Freitag schloss das Papier bei 73,20 Euro, ein Plus von 2,0 Prozent gegenüber dem Vortag – ein erster, wenn auch bescheidener Erholungsversuch nach dem Kursrutsch. Auf Wochensicht bleibt die Aktie mit einem Minus von 10 Prozent dennoch deutlich im roten Bereich.
Dividende und Kapitalmaßnahmen
Auf der Hauptversammlung im Juni, bei der 85 Prozent des Grundkapitals vertreten waren, beschlossen die Aktionäre eine Dividende von 0,85 Euro je Aktie sowie die Umstellung auf Namensaktien.
Bereits im Mai hatten die Vorstandsmitglieder Johannes Linden und Dr. Konstantin Kurfiss im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung jeweils 10.925 Aktien zu 103,98 Euro gezeichnet – ein Signal des Vertrauens aus dem eigenen Führungsteam, das freilich zu einem deutlich höheren Kursniveau erfolgte als dem heutigen.
Für Anleger bleibt damit ein zwiespältiges Bild: operativ liefert Pfisterer Rekordzahlen und einen komfortablen Auftragspolster, während der rückläufige Neuauftragseingang und die skeptische Marktreaktion zeigen, dass die Wachstumsstory kritisch hinterfragt wird.
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