Petrobras steht aktuell zwischen zwei gegensätzlichen Entwicklungen: Auf der einen Seite ein neues Förderprojekt, das die Produktion deutlich anschiebt. Auf der anderen Seite ein Bohrstopp in einem ökologisch sensiblen Gebiet, der Regulierer und Umweltbehörden auf den Plan ruft. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Wachstumsplänen und Auflagen prägt derzeit die Wahrnehmung der Aktie.
Bohrstopp im Amazonas-Mündungsbecken
Der größte Unsicherheitsfaktor ist derzeit das Morpho-Bohrloch rund 175 Kilometer vor der Küste des Bundesstaates Amapá im Foz-do-Amazonas-Becken. Dort hat Petrobras am 7. Januar 2026 die Bohrarbeiten gestoppt, nachdem zuvor ein Flüssigkeitsaustritt festgestellt worden war.
Konkret ging es um einen Verlust von Flüssigkeit in zwei Hilfsleitungen, die die Bohrplattform mit dem Bohrloch verbinden. Das Unternehmen betont, dass es sich um ein biologisch abbaubares Medium handelt, das weder Menschen noch Umwelt schädige. Operativ ist der Einschnitt dennoch spürbar: Die Bohrkampagne an diesem Standort ruht voraussichtlich für etwa 15 Tage, um die Leitungen zu reparieren und die Ursache genauer zu prüfen.
Umweltauflagen rücken in den Vordergrund
Die Lage erhielt zusätzliche Brisanz, als die Umweltbehörde Ibama am Donnerstag, 8. Januar, formell detaillierte technische Informationen zu dem Vorfall anforderte. Diese verstärkte Kontrolle ist deshalb wichtig, weil Morpho den ersten Vorstoß von Petrobras in das Amazonas-Mündungsbecken markiert – eine Region, die für die langfristige Explorationsstrategie des Konzerns von zentraler Bedeutung ist, zugleich aber auf erheblichen Widerstand von Umweltschützern trifft.
Für Investoren ist vor allem entscheidend, wie Ibama reagiert. Längere Verzögerungen oder zusätzliche Auflagen könnten den Zeitplan für diese neue Explorationsfront spürbar nach hinten schieben und damit den Wert dieser Option zumindest vorerst begrenzen.
Produktionsschub durch P-78
Für etwas Ausgleich auf der positiven Seite sorgt ein klar messbarer Fortschritt im Kerngeschäft: Am 5. Januar 2026 hat Petrobras offiziell die Produktion auf der FPSO-Einheit P-78 im Búzios-Feld aufgenommen. Die schwimmende Förder-, Speicher- und Verladeeinheit liegt im brasilianischen Pre-Salt-Gebiet des Santos-Beckens, einem der wichtigsten Ertragsbringer des Unternehmens.
Die Eckdaten des neuen Schiffes unterstreichen die Bedeutung des Projekts:
- Ölkapazität: 180.000 Barrel pro Tag
- Gaskapazität: 7,2 Millionen Kubikmeter pro Tag
- Anbindung: Nutzung der ROTA-3-Pipeline zur Ausweitung der Gasexporte an Land um bis zu 3 Millionen Kubikmeter täglich
Damit zahlt P-78 direkt auf das strategische Ziel ein, 2026 eine tägliche Ölproduktion von 2,5 Millionen Barrel zu erreichen. Der erfolgreiche Start zeigt, dass Petrobras in etablierten Tiefwasserregionen planbar liefern kann – ein deutlicher Kontrast zu den politisch und ökologisch sensiblen Explorationsplänen in der sogenannten Equatorial Margin.
Kursentwicklung und Marktbild
An der Börse überwiegt derzeit ein eher abwartender, aber nicht pessimistischer Blick. Am Freitag schloss die Petrobras-Aktie bei 5,01 Euro und legte damit leicht um rund 1 % zu. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt der Titel dennoch spürbar im Minus, mit einem Abstand von gut einem Viertel zum 52-Wochen-Hoch.
Die aktuelle Bewertung spiegelt damit eine Mischung aus Vertrauen in die laufende Produktionsausweitung und Vorbehalten gegenüber regulatorischen Risiken wider. Kurzfristig richtet sich der Fokus auf das rund 15-tägige Zeitfenster der Morpho-Unterbrechung: Gelingt der Wiederanlauf ohne zusätzliche Eingriffe der Umweltbehörden, dürfte der erfolgreiche Hochlauf von P-78 stärker in den Vordergrund rücken. Hält Ibama den Druck dagegen länger hoch, könnte das Potenzial der Aktie vorerst begrenzt bleiben, weil der Markt ein höheres Risiko für Projekte in der Equatorial Margin einpreisen müsste.
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