Petrobras nutzt den Jahreswechsel für einen ganzen Block an strategischen Entscheidungen. Ein neues Großprojekt in der Tiefsee, zusätzliche Importrechte für Erdgas und eine entschärfte Tarifauseinandersetzung sollen das Fundament für den Geschäftsplan 2026–2030 stärken. Im Kern geht es um die Frage, wie der Konzern künftiges Wachstum sichert, ohne kurzfristig die finanzielle Stabilität zu gefährden.
Neues Tiefseeprojekt als Wachstumssäule
Der wichtigste Baustein ist die endgültige Investitionsentscheidung (Final Investment Decision, FID) für das Sergipe Deep Water Module 2 (SEAP II) in der Sergipe-Alagoas-Beckenregion. Das Projekt zielt auf die Felder Budião, Budião Noroeste und Budião Sudeste und soll die Produktion im Nordosten Brasiliens deutlich ausbauen.
Kernstück ist eine FPSO-Einheit (Floating Production, Storage and Offloading) mit einer Kapazität von 120.000 Barrel Öl pro Tag sowie 12 Millionen Kubikmetern Erdgas täglich. Die Verhandlungen über den Chartervertrag für die FPSO sollen im ersten Halbjahr 2026 abgeschlossen werden, das Anlaufen der Produktion („First Oil“) ist für 2030 vorgesehen.
Strategisch passt SEAP II exakt in den Geschäftsplan 2026–2030: Petrobras erschließt eine zusätzliche Produktionsfront außerhalb der etablierten Prä-Salz-Regionen und stärkt den Anteil von leichter Qualität (38–41 Grad API) im Portfolio. Das kann mittelfristig sowohl die Margen als auch die Flexibilität im Produktmix verbessern.
Mehr Gas aus Bolivien
Parallel dazu erhielt Petrobras von der brasilianischen Regulierungsbehörde ANP die Genehmigung, bis zu 20 Millionen Kubikmeter Erdgas pro Tag aus Bolivien zu importieren. Die Erlaubnis gilt für zwei Jahre ab dem 1. Januar 2026.
Diese zusätzliche Importmöglichkeit ist vor allem aus Sicht der Versorgungssicherheit relevant. Während der Ausbau der heimischen Offshore-Gasinfrastruktur noch läuft, verschafft sich Petrobras so Spielraum, um mögliche Engpässe im brasilianischen Gasmarkt zu überbrücken und die Kostenstruktur in der Kette von Beschaffung bis Vertrieb zu steuern.
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Operative Risiken eingedämmt
Zum Jahresende konnte der Konzern zudem ein Belastungsthema abhaken: Die Gewerkschaft FNP akzeptierte das Gegenangebot von Petrobras und setzte Streikdrohungen offiziell aus. Damit entfällt vorerst das Risiko kurzfristiger Störungen in Produktion und Raffinerien, das die Stimmung der Anleger zum Jahresende gedrückt hatte.
Zusätzlich vergab Petrobras einen Vierjahresvertrag im Volumen von 150 Millionen US-Dollar an DOF Group für das Schiff „Skandi Commander“. Ab Januar 2027 soll das Spezialschiff mit autonomen Unterwasserfahrzeugen (AUVs) für anspruchsvolle Inspektionsarbeiten im Offshore-Bereich eingesetzt werden. Der Schritt unterstreicht den Fokus auf die technische Integrität der Anlagen – ein zentraler Aspekt für Auslastung und Sicherheit.
Marktumfeld und politische Komponente
Das Bündel an Meldungen zum letzten Handelstag 2025 zeigt, dass Petrobras trotz Skepsis am Markt den künftigen Produktionspfad aktiv absichert. Die Aktie stand 2025 insgesamt unter Druck: Der Schlusskurs gestern bei 4,90 Euro liegt rund 27 % unter dem 52‑Wochen-Hoch und damit klar unter den gleitenden Durchschnitten der vergangenen Monate.
Gleichzeitig bleibt die Balance zwischen hohen Investitionen und Ausschüttungen an die Aktionäre ein sensibles Thema. Die jüngste Senkung der Preise für Flugkerosin (QAV) um 9,4 % zum 1. Januar verdeutlicht, dass Petrobras weiter eine Rolle in der Inflationssteuerung des Landes spielt. Dieser politische Einfluss sorgt dafür, dass der Titel im Vergleich zu internationalen Ölkonzernen wie ExxonMobil oder Shell mit einem Bewertungsabschlag gehandelt wird.
Ausblick: 2026 bringt Klarheit
Mit dem Start ins Jahr 2026 richtet sich der Blick nun auf den Q4‑Bericht 2025. Dann wird sichtbar, wie sich die jüngsten Preisanpassungen auf Umsatz, Marge und den endgültigen Dividendenvorschlag für 2025 auswirken. Zudem dürfte das Management konkreter darlegen, wie sich der Investitionspfad rund um SEAP II mit der Ausschüttungspolitik verbinden lässt.
Operativ wird die Umsetzung der bolivianischen Gasimporte im ersten Quartal wichtig, da sie direkten Einfluss auf Raffineriemargen und die Versorgungslage im heimischen Markt hat. Ein weiterer Meilenstein steht im ersten Halbjahr 2026 an: Der Abschluss der FPSO‑Charterverträge für SEAP II. Gelingt hier ein Abschluss zu wettbewerbsfähigen Konditionen, wäre das ein klares Signal, dass Petrobras die langfristige Produktionsbasis planmäßig aufbaut – trotz eines Aktienkurses, der aktuell deutlich unter den Höchstständen des vergangenen Jahres notiert.
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