Der staatlich kontrollierte Energiekonzern Petrobras beendet am heutigen Donnerstag einen bedeutenden Preisnachlass für Kraftstoffe in Brasilien. Während das Unternehmen die Abgabepreise für Benzin deutlich anhebt, greift die Regierung unter Präsident Lula da Silva zeitgleich mit steuerlichen Entlastungen ein. Damit soll ein Preisschub für Endverbraucher an den Tankstellen unmittelbar vor den anstehenden Wahlen im Oktober verhindert werden.
Steuerliche Neutralisierung durch die Regierung
Zum heutigen 10. September entfällt ein bisher gewährter Rabatt von 0,44 Real pro Liter auf Benzin der Sorte A, der auf einer früheren gesetzlichen Regelung basierte. Zusätzlich hat Petrobras den Grundpreis für Distributoren um 0,19 Real pro Liter erhöht. Der durchschnittliche Abgabepreis für Großhändler steigt damit auf 3,24 Real pro Liter.
Die brasilianische Regierung reagierte bereits am Mittwoch mit einem Dekret und einer vorläufigen Maßnahme auf diese Entwicklung. Durch die Senkung der Bundessteuern PIS/Pasep und Cofins um insgesamt 0,63 Real pro Liter wird die Preiserhöhung von Petrobras rechnerisch exakt neutralisiert.
Parallel dazu wurden die Steuern für Ethanol auf Null gesenkt. Ziel dieser fiskalischen Eingriffe ist es, den Inflationsdruck zu dämpfen, während die globalen Energiepreise massiv ansteigen.
Spannungen am Ölmarkt belasten Brasilien
Hintergrund der Preisanpassungen ist die Eskalation im Nahen Osten, die die internationalen Rohölnotierungen nach oben treibt. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg am Mittwoch erstmals seit Juli wieder über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Die Versorgungssicherheit ist gefährdet, da der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Straße von Hormus massiv eingebrochen ist.
Laut Medienberichten ziehen ausländische Investoren derzeit so schnell Kapital aus Brasilien ab wie seit dem Jahr 2021 nicht mehr. Die Unsicherheit über die künftige Fiskalpolitik und die steigenden Kosten für Kraftstoffimporte belasten die Stimmung.
Besonders kritisch bleibt die Lage beim Diesel, da Brasilien mehr als 25 Prozent seines Bedarfs importieren muss. Hier plant die Regierung zusätzliche Subventionen von bis zu 1 Real pro Liter für Produzenten und Importeure, um die Versorgung zu stabilisieren.
Fiskalische Herausforderungen vor der Wahl
Die massiven Subventionen und Steuersenkungen stellen den brasilianischen Staatshaushalt vor Herausforderungen. Berichten zufolge könnten die Kosten für die Kraftstoffmaßnahmen bis Ende September ein Volumen von rund 40 Milliarden Real erreichen. Die Bank of America hält in einem Extremszenario sogar Ölpreise von bis zu 150 US-Dollar pro Barrel für möglich, falls die Infrastrukturschäden im Nahen Osten weiter zunehmen.
Anleger reagierten am Donnerstag verhalten auf die komplexen Nachrichten aus Südamerika. Die Petrobras-Aktie notiert aktuell bei 7,99 Euro, was einem leichten Plus von 0,2 Prozent entspricht.
Trotz der politischen Eingriffe und der volatilen Rohstoffmärkte verzeichnet der Titel eine starke Performance im laufenden Jahr; seit Jahresbeginn konnte der Wert bereits um 63 Prozent zulegen. Analysten beobachten nun genau, ob die Unabhängigkeit der Preisgestaltung bei Petrobras durch die politische Einflussnahme langfristig gewahrt bleibt.
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