Ausgangslage
PayPal steht Medienberichten zufolge erneut im Zentrum von Übernahmegesprächen. Ein Konsortium aus dem Fintech-Unternehmen Stripe und dem Private-Equity-Investor Advent International soll demnach in erneuten Verhandlungen stehen – mit einem Angebot, das über der zuvor abgelehnten Offerte von 60,50 Dollar je Aktie beziehungsweise rund 53 Milliarden Dollar liegen soll. Bestätigt ist dieser Preis bislang nicht, die Gespräche befinden sich im Stadium der Sondierung.
Dass dieser Vorstoß gerade jetzt Gewicht bekommt, liegt an der operativen Ausgangslage. Erst Anfang August hatte PayPal für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 8,68 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und ein bereinigtes Ergebnis je Aktie von 1,38 Dollar – beides über den Konsensschätzungen von 8,51 Milliarden Dollar und 1,28 Dollar. Der Konzern hob zudem seine Jahresprognose für die Transaktionsmarge auf 15,6 Milliarden Dollar an.
Zusätzlich setzte sich PayPal Mitte August in einem Kartellverfahren vor einem US-Bezirksgericht durch: Richterin Jeffrey S. White wies eine Klage gegen die „Anti-Steering“-Regeln des Unternehmens ab, da die Kläger weder eine direkte Schädigung von Verbrauchern noch ausreichende Marktmacht hätten nachweisen können. Ein potenzieller Käufer trifft damit auf ein Unternehmen mit spürbar verbesserter operativer Dynamik.
Die entscheidende Frage
Für Anleger läuft derzeit alles auf eine Frage hinaus: Kommt ein belastbares, formelles Angebot oberhalb von 60,50 Dollar zustande – oder bleibt es bei Sondierungsgesprächen ohne Ergebnis, wie es bei der vorherigen Offerte der Fall war?
Der Aktienkurs hat mit 53,22 Euro am Freitag bereits einen erheblichen Teil der Übernahmefantasie eingepreist: Binnen 30 Tagen legte das Papier um 9,9 Prozent zu, binnen sieben Tagen um 4,2 Prozent.
Der RSI von 74 signalisiert eine überkaufte Situation, und der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 22 Prozent zeigt, wie weit sich der Kurs von seinem mittelfristigen Trend bereits gelöst hat. Jede weitere Kursbewegung dürfte damit stark davon abhängen, ob sich die Übernahmespekulation in einem verbindlichen Angebot niederschlägt.
Bullisches Szenario
Sollte sich die Meldungslage bestätigen und ein Angebot deutlich über 60,50 Dollar formell vorgelegt werden, hätte die Aktie noch erhebliches Aufwärtspotenzial – der aktuelle Kurs liegt weiterhin ein Viertel unter dem 52-Wochen-Hoch von 70,78 Euro aus Ende Oktober.
Operativ liefert PayPal Rückenwind: Die neu geschaffene Organisationseinheit „Payment Services & Crypto“ unter Jeff Pomeroy bündelt Krypto- und Zahlungsgeschäft, die grenzüberschreitende Zahlungslösung „PayPal World“ soll US-Nutzern künftig QR-Zahlungen bei Weixin-Pay-Händlern in China ermöglichen, und die Partnerschaft mit Verifone hat bereits einen ersten öffentlichen Auftrag eingebracht.
Auch das im Juli angehobene Kursziel von Cantor Fitzgerald auf 60,00 Dollar, das mit verbesserter Ertragsdynamik nach den Quartalszahlen begründet wurde, unterstreicht diese fundamentale Stärke – auch wenn das Analystenhaus bei einer neutralen Einstufung blieb.
Bärisches Szenario
Das Risiko ist ebenso real: Bereits einmal wurde ein Stripe-Angebot abgelehnt, ein zweites Scheitern der Verhandlungen ist keineswegs auszuschließen. Fällt die Übernahmespekulation in sich zusammen, dürfte ein Teil der jüngsten Kursgewinne wieder abgebaut werden – zumal die Volatilität mit 54 Prozent auf Jahressicht bereits hoch ist. Hinzu kommen Belastungsfaktoren aus dem Kerngeschäft: Mehrere institutionelle Investoren, darunter OFI Invest Asset Management, United Asset Strategies und Chicago Trust, haben ihre PayPal-Positionen im zweiten Quartal deutlich reduziert.
Auch der Chief Accounting Officer Chris Natali verkaufte im Juli Aktien im Rahmen eines automatisierten Handelsplans. Zudem schrumpfte das Volumen des unternehmenseigenen Stablecoins PYUSD im zweiten Quartal von einem Höchststand von 4,3 Milliarden Dollar auf eine Spanne von 2,7 bis 3,5 Milliarden Dollar – ein Dämpfer für die Kryptoambitionen des Konzerns.
Ausblick
Solange die Übernahmegespräche als ernsthafte Option im Raum stehen und operative Kennzahlen wie Umsatz und Transaktionsmarge weiter positiv überraschen, dürfte die Aktie ihre Aufwärtsdynamik verteidigen können – auch wenn die überkaufte technische Lage kurzfristige Rücksetzer wahrscheinlicher macht.
Kippt hingegen die Übernahmefantasie erneut, wie schon beim vorherigen Angebot, dürfte der Kurs einen Teil der zuletzt aufgebauten Prämie verlieren und sich stärker an den fundamentalen Daten orientieren.
Ein konkreter Termin, an dem sich die Lage klärt, steht mit der für den 25. September angekündigten Quartalsdividende von 0,14 Dollar je Aktie fest – bis dahin dürfte die Nachrichtenlage rund um die Übernahmegespräche der entscheidende Kurstreiber bleiben.
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