Ein Übernahmeangebot von historischem Ausmaß, ein zweistelliger Kurssprung vorbörslich — und mittendrin ein Analystenhaus, das einfach bei „Hold“ bleibt. Genau das macht die aktuelle Lage bei PayPal so bemerkenswert: Während der Markt euphorisch reagiert, mahnen die ersten Research-Häuser zur Vorsicht.
Auslöser ist ein gemeinsames Angebot von Stripe und der Private-Equity-Gesellschaft Advent International. Berichten zufolge bewerten die beiden Käufer PayPal mit rund 53 Milliarden Dollar, umgerechnet 60,50 Dollar je Aktie — ein deutlicher Aufschlag auf den zuletzt gehandelten Kurs. TD Cowen bestätigte sein Kursziel von 48 Dollar und beließ das Rating unverändert bei „Hold“, trotz der Übernahmespekulation.
Warum ausgerechnet Stripe
Die strategische Logik hinter dem Vorstoß liegt im Konsumentengeschäft. Stripe ist bislang vor allem im B2B- und Infrastrukturbereich aktiv, hat mit „Link“ aber bereits eine digitale Wallet mit mehr als 250 Millionen Nutzern aufgebaut. Auf der eigenen Entwicklerkonferenz kündigte das Unternehmen an, Link zu einer Wallet für das KI-Zeitalter auszubauen — mit Agenten-Zahlungen, mehr lokalen Zahlungsmethoden und Identitätsfunktionen.
PayPal würde genau die Konsumentenbasis liefern, die Stripe fehlt: Venmo bringt etwa 90 Millionen aktive Nutzer mit, PayPal selbst kommt auf rund 390 Millionen globale Konten. Für ein Payment-Unternehmen mit Ambitionen im Bereich agentenbasierter Zahlungen wäre das eine erhebliche Reichweite auf einen Schlag. TD Cowen sieht laut eigener Einschätzung aktuell keinen Plan, PayPal im Falle einer Übernahme aufzuspalten — hält sich die Option über eine mögliche Doppel-Eigentümerschaft von Stripe und Advent aber offen.
Gespaltenes Analystenbild
Nicht alle Häuser sehen die Lage gleich. William Blair bestätigte seine „Market Perform“-Einstufung trotz der Übernahmemeldung. Freedom Broker senkte das Kursziel deutlich von 100 auf 60 Dollar, verwies dabei auf zunehmenden Margendruck im operativen Geschäft — behielt aber die Kaufempfehlung bei.
Operativ bleibt das Bild unspektakulär: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 verdiente PayPal 1,34 Dollar je Aktie auf bereinigter Basis, ein Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Umsatz stieg um 7 Prozent auf 8,35 Milliarden Dollar — solide Zahlen, aber kein Signal, das den aktuellen Kurssprung fundamental erklären würde.
Eine offizielle Bestätigung des Übernahmeangebots durch PayPal selbst steht bislang aus. Bis dahin dürfte der Kurs zwischen der Zurückhaltung einzelner Analysten und der Erwartungshaltung des Marktes hin- und herpendeln.
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