PayPal steht offenbar kurz vor einer neuen Verhandlungsrunde mit Stripe und dem Finanzinvestor Advent International. Nachdem ein erstes Angebot von 60,50 Dollar je Aktie im Juli abgelehnt wurde, laufen die Gespräche über eine Übernahme im Volumen von rund 53 Milliarden Dollar weiter. Ein Abschluss könnte binnen weniger Wochen zustande kommen.
CEO bereitet sich auf beide Szenarien vor
Enrique Lores, seit März an der Spitze von PayPal, positioniert sich offenbar so, dass er sowohl mit einem Verkauf als auch mit einer eigenständigen Zukunft des Unternehmens umgehen kann. Er plant größere Transparenz bei der Segmentberichterstattung und hat einen Stellenabbau von 20 Prozent angekündigt.
Diese Doppelstrategie deutet darauf hin, dass die Übernahmegespräche noch keineswegs entschieden sind – PayPal spielt offenbar bewusst auf Zeit, um einen höheren Preis herauszuschlagen.
Die Ausgangslage macht deutlich, warum ein Verkauf für das Management überhaupt in Betracht kommt. PayPals Marktwert erreichte im Juli 2021 einen Höchststand von rund 340 Milliarden Dollar. Heute liegt die Bewertung mehr als 80 Prozent darunter.
Mit rund 400 Millionen aktiven Nutzern bleibt PayPal zwar ein Schwergewicht im digitalen Zahlungsverkehr, doch der Abstand zur einstigen Bewertung zeigt, wie sehr der Wettbewerbsdruck durch jüngere Anbieter zugesetzt hat.
Stripe expandiert parallel ins KI-Geschäft
Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet Stripe, einer der beiden Bieter um PayPal, zeitgleich selbst kräftig zukauft. Der Zahlungsdienstleister steht kurz vor dem Abschluss einer Übernahme des KI-Modell-Routers OpenRouter für mehr als 7 Milliarden Dollar.
OpenRouter vermittelt Zugang zu über 400 KI-Modellen und zählt rund 8 Millionen Nutzer. Die Bewertung des Startups hat sich seit einer Finanzierungsrunde im Mai, bei der es noch mit 1,3 Milliarden Dollar taxiert wurde, binnen weniger Monate mehr als verfünffacht.
Für Anleger von PayPal ist das ein wichtiges Signal: Stripe selbst wird mit rund 65 Milliarden Dollar bewertet und verfügt offenkundig über die finanzielle Schlagkraft, gleichzeitig ein Milliarden-Zukauf im KI-Bereich und ein Bieterrennen um einen deutlich größeren Konkurrenten zu stemmen.
Advent International, der zweite Interessent, verwaltet nach eigenen Angaben mehr als 90 Milliarden Dollar und würde die Finanzierung eines möglichen Deals absichern.
Kursreaktion spiegelt Übernahmefantasie
Die PayPal-Aktie hat die Übernahmespekulation bereits eingepreist. Am Freitag schloss das Papier bei 53,22 Euro, ein Plus von 1,3 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Anstieg auf 7,6 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 74 signalisiert eine überkaufte Situation – ein Hinweis darauf, dass der Markt inzwischen fest mit einem höheren Gebot rechnet.
Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 70,78 Euro aus dem Oktober fehlen der Aktie dennoch noch rund ein Viertel. Sollte ein zweites, höheres Angebot von Stripe und Advent tatsächlich vorgelegt werden, dürfte sich zeigen, wie groß der Spielraum zwischen aktuellem Kurs und einer möglichen Übernahmeprämie tatsächlich ist.
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