PayPal stellt sein Geschäftsmodell breiter auf – und rennt dabei frontal in eine Welle wachsender Skepsis an der Wall Street. Während der Konzern mit einer eigenen Banklizenz mehr Kontrolle über Kredit- und Einlagengeschäft gewinnen will, drehen mehrere Großbanken ihre Bewertungen nach unten. Im Raum steht damit die Frage, ob der strategische Umbau die aktuelle Schwächephase an der Börse wirklich auffangen kann.
Eigene Banklizenz als nächster Schritt
Im Zentrum des Strategiewechsels steht der Antrag auf Gründung eines sogenannten Industrial Loan Company (ILC) in Utah, Arbeitstitel: „PayPal Bank“. Entsprechende Unterlagen gingen an das Utah Department of Financial Institutions und die US-Einlagensicherung FDIC.
Mit der Lizenz würde PayPal weniger auf externe Partnerbanken angewiesen sein und könnte zentrale Finanzdienstleistungen direkt im eigenen Haus abwickeln. Geplant sind vor allem drei Bereiche:
- Vergabe von Krediten an kleine und mittelständische Unternehmen (SME) aus eigener Bilanz
- Verzinsliche Sparkonten für Kunden
- Verwaltung von Kundeneinlagen mit FDIC-Einlagensicherung
Schon heute hat der Konzern seit 2013 mehr als 30 Milliarden US‑Dollar an Krediten ermöglicht. Eine eigene Banklizenz würde hier mehr Flexibilität und höhere Margen erlauben, weil Zwischenstufen entfallen und die Refinanzierung günstiger werden könnte.
Analysten bremsen die Euphorie
Parallel zu dieser Offensive im Banking-Geschäft hat sich die Stimmung großer Investmenthäuser jedoch deutlich eingetrübt. Mehrere Institute haben ihre Einschätzungen in den vergangenen ein bis zwei Tagen spürbar zurückgenommen – trotz des ambitionierten Fahrplans.
Im Fokus der Kritik stehen vor allem zwei Punkte:
Zum einen gilt der klassische PayPal‑Checkout‑Button im Wettbewerb mit Apple Pay, Kreditkartenanbietern und anderen Wallets als zunehmend unter Druck. Zum anderen verläuft die Monetarisierung der populären Peer‑to‑Peer‑Plattform Venmo nach Ansicht der Skeptiker zu langsam.
Konkret haben die folgenden Häuser reagiert:
- Morgan Stanley stufte die Aktie auf „Underweight“ ab und kappte das Kursziel auf 51 US‑Dollar.
- Mizuho Securities vergab ein „Sell“-Rating, ebenfalls mit einem Ziel von 51 US‑Dollar, mit Verweis auf mögliche Marktanteilsverluste.
- Bank of America senkte auf „Neutral“ und reduzierte das Kursziel auf 68 US‑Dollar.
Es gibt aber auch Gegenstimmen:
Jefferies bleibt bei „Buy“ mit einem Kursziel von 60 US‑Dollar, Wells Fargo hebt das Ziel auf 78 US‑Dollar an und belässt die Einstufung bei „Hold“. Die Spanne von 51 bis 78 US‑Dollar macht deutlich, wie uneins der Markt aktuell über das Bewertungsniveau und den möglichen Boden der Aktie ist.
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Bewertung unter Druck – trotz Wachstum
Fundamental präsentiert sich PayPal günstiger bewertet als in der Vergangenheit. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 56 Milliarden US‑Dollar und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 12 liegt die Aktie deutlich unter früheren Multiples. Diese Bewertungsabschläge spiegeln Zweifel an den künftigen Wachstumsraten wider.
Interessant ist: Operativ wächst das Geschäft weiter. Im jüngsten Quartal stieg der Umsatz um 7 % im Vergleich zum Vorjahr auf 8,42 Milliarden US‑Dollar. Dennoch dominiert an der Börse derzeit der Vorbehalt, dass Konkurrenzdruck und Margenrisiken stärker wiegen als das moderate Wachstum.
Aus technischer Sicht zeigt sich die Schwäche ebenso klar:
Die Aktie schloss am Freitag bei 51,00 Euro und liegt damit seit Jahresbeginn rund 39 % im Minus. Der Kurs notiert deutlich unter den vielbeachteten Durchschnittslinien von 50, 100 und 200 Tagen, was den übergeordneten Abwärtstrend untermauert.
Contrarian-Argumente: Dividende und Rückkäufe
Trotz des skeptischen Tons vieler Analysten gibt es auch klar positive Stimmen. Ein jüngst veröffentlichter Beitrag auf Seeking Alpha stuft die Aktie als „gut aufgestellt“ für 2026 ein – aus dezidiert konträrer Perspektive.
Die Befürworter verweisen auf mehrere Argumente:
- ein niedriges Forward-KGV von etwa 11,5
- die Einführung einer Dividende als neues Element der Aktionärsvergütung
- ein laufendes Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 6 Milliarden US‑Dollar pro Jahr
Aus dieser Sicht könnte die Kombination aus günstiger Bewertung, laufenden Kapitalrückführungen und der geplanten Banklizenz den Kurs mittelfristig stabilisieren, selbst wenn die charttechnische Lage derzeit schwach bleibt.
Fazit: Viel Potenzial, hohe Unsicherheit
PayPal steht an einem Wendepunkt: Der Antrag auf eine eigene Banklizenz zielt klar darauf, das Geschäftsmodell profitabler und unabhängiger von Partnerbanken zu machen. Gleichzeitig signalisieren die jüngsten Herabstufungen großer Häuser, dass der Markt erst überzeugt werden will – insbesondere mit Blick auf Wettbewerbsfähigkeit im Checkout-Geschäft und die Ertragskraft von Venmo.
Kurzfristig sprechen der tiefe Kursrückgang, die Distanz zu den gleitenden Durchschnitten und ein RSI im oberen Bereich für eine weiterhin sensible Kursreaktion auf Nachrichten. Entscheidend wird nun, ob PayPal in den kommenden Quartalen zeigen kann, dass die „PayPal Bank“, die Kapitalrückführungen und das Umsatzwachstum zusammenreichen, um die Bewertungsabschläge allmählich abzubauen.
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