Ein Übernahmeangebot von über 53 Milliarden Dollar klingt nach einem Schnäppchen für die Bieter — der PayPal-Verwaltungsrat sieht das offenbar anders. Das Gremium hält die Offerte von Stripe und der Beteiligungsgesellschaft Advent International für zu niedrig und lehnt sie in ihrer jetzigen Form ab. Die Begründung: Der eigene Turnaround-Plan verspricht mehr Wert, als das Konsortium bislang auf den Tisch legt.
Der Streit um den fairen Preis
Stripe und Advent bieten 60,50 Dollar je Aktie, finanziert über rund 50 Milliarden Dollar Fremdkapital von JPMorgan und Morgan Stanley sowie 17 Milliarden Dollar Eigenkapital der beiden Käufer. Für den PayPal-Vorstand ist das zwar eine deutliche Prämie auf den Schlusskurs vom 14. Juli, dem Tag vor Bekanntwerden des Angebots. Sollte die laufende Sanierungsstrategie greifen, spiegelt die Summe aus Sicht des Gremiums aber nicht den langfristigen Wert des Unternehmens wider.
Neben dem Preis wiegen weitere Bedenken: die Finanzierungssicherheit des Konsortiums, kartellrechtliche Risiken und die mögliche Dauer eines Prüfverfahrens. Der Vorstand will das Angebot in weiteren Sitzungen gegen den eigenen Plan abwägen und prüft parallel, ob sich konkurrierende Bieter melden.
Eine Saga mit Vorgeschichte
Die Übernahmegeschichte reicht bis Februar 2026 zurück, als erste Berichte über Stripes Interesse an PayPal aufkamen — kurz nachdem der damalige Vorstandschef Alex Chriss abgesetzt worden war. Enrique Lores übernahm das Amt am 1. März 2026. Im April näherten sich Stripe, Advent und zunächst auch Block gemeinsam an, Block stieg jedoch aus, bevor Stripe und Advent am 14. Juli ihr schriftliches Angebot vorlegten.
Die PayPal-Aktie hatte binnen zwölf Monaten rund 35 Prozent an Wert verloren, bevor die Offerte bekannt wurde, und lag damit weit unter dem Höchststand von 2021, als das Unternehmen noch mit rund 360 Milliarden Dollar bewertet wurde. Als das Angebot öffentlich wurde, schoss der Kurs zeitweise um etwa 17 Prozent nach oben — nachbörslich bewegte sich die Aktie zuletzt bei 56,10 Dollar und damit weiterhin deutlich unter dem Gebotspreis.
Ein möglicher Ausweg für kartellrechtliche Bedenken: Stripe und Advent haben erwogen, PayPals Zahlungsabwickler Braintree abzuspalten und an Advent zu übertragen, das die Sparte mit eigenen Beteiligungen wie Nuvei kombinieren könnte. Advent bringt aus früheren Deals wie Worldpay und Vantiv einschlägige Erfahrung im Zahlungssektor mit. Ob das reicht, um den Preis-Streit zu lösen, entscheidet sich in den kommenden Vorstandssitzungen.
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