Das monatelange Tauziehen um den Zahlungsdienstleister PayPal ist vorerst beendet. Ein Konsortium unter der Führung des Fintech-Unternehmens Stripe und der Beteiligungsgesellschaft Advent International hat seine Übernahmepläne für den Branchenpionier offiziell aufgegeben.
Wie Bloomberg News berichtet, zog sich die Investorengruppe zurück, nachdem der Verwaltungsrat von PayPal das Angebot als unzureichend zurückgewiesen hatte. Die Nachricht löste an der Börse einen massiven Abverkauf aus: Die Aktie verlor heute 14 Prozent an Wert und notiert bei 45,59 Euro.
Verwaltungsrat weist Milliarden-Offerte zurück
Das geplatzte Geschäft hätte eine der größten fremdfinanzierten Übernahmen der vergangenen Jahre werden können. Laut Reuters belief sich das Gebot der Bietergemeinschaft auf 60,50 US-Dollar je Aktie, was einer Gesamtbewertung von über 53 Milliarden US-Dollar entsprochen hätte.
Andere Berichte bezifferten das potenzielle Volumen sogar auf bis zu 63,5 Milliarden US-Dollar. Trotz dieser Summen sah das PayPal-Management in dem Vorschlag keinen angemessenen Gegenwert für die Aktionäre.
Der Portfolio-Manager Thomas Hayes bezeichnete die Entscheidung des Gremiums als konsequent. Hayes betonte, dass der Verwaltungsrat durch die Blockierung des unzureichenden Angebots ein bedeutendes Aufwärtspotenzial für die Zukunft gesichert habe. Dennoch reagierten die Anleger enttäuscht auf das Ende der Spekulationen, die den Kurs im vergangenen Quartal noch um rund 40 Prozent beflügelt hatten.
Bröckelndes Konsortium und regulatorische Hürden
Der Rückzug von Stripe und Advent erfolgt nach einer Reihe von Rückschlägen für das Bieter-Konsortium. Bereits im April verließ der Konkurrent Block die Gruppe, was die Schlagkraft der Allianz schwächte.
Neben der Preisfrage spielten offenbar auch regulatorische Bedenken eine Rolle bei der Entscheidung, die Verhandlungen nicht weiter zu verfolgen. Zudem erschwerten Leaks über den Fortschritt der Gespräche die Transaktion, da sie das Vorhaben verteuerten.
Innerhalb der Branche gilt die Technologie von PayPal zwar als weit verbreitet, wird jedoch zunehmend als veraltet wahrgenommen. Dies erhöhte den Druck auf das Management, den eigenständigen Turnaround ohne die Unterstützung privater Investoren zu beweisen.
Neuausrichtung unter CEO Enrique Lores
PayPal befindet sich bereits in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess. Der seit März 2026 amtierende CEO Enrique Lores treibt eine umfassende Restrukturierung voran. Das Unternehmen wurde in drei separate Geschäftseinheiten aufgeteilt. Diese Neuausrichtung, die PayPal vor gut drei Wochen ankündigte, soll die Effizienz steigern und die Innovationskraft des Konzerns stärken.
Für Anleger bleibt die Lage trotz der neuen Struktur herausfordernd. Mit dem heutigen Kurssturz hat sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch, das bei 70,78 Euro liegt, auf 36 Prozent ausgeweitet.
Analysten beobachten nun genau, ob die operativen Verbesserungen ausreichen, um das Vertrauen des Marktes nach dem geplatzten Deal zurückzugewinnen. Die vor rund einem Monat präsentierten Zahlen für das zweite Quartal zeigten zwar eine solide Basis, doch der Fokus der Marktteilnehmer lag zuletzt fast ausschließlich auf der M&A-Thematik.
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