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Partners Group vor der Vertrauensprobe im Herbst

Partners Group sammelt über 20 Milliarden Dollar für Infrastruktur ein, während die UBS die Aktie aufgrund von Evergreen-Risiken herabstuft.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Über 20 Mrd. Dollar Infrastruktur-Kapital eingesammelt
  • UBS senkt Aktienrating auf Neutral
  • Evergreen-Rücknahmequoten belasten Wachstum
  • Performance-Gebühren unter Zielkorridor

Ausgangslage: Rekordwoche trifft auf Herabstufung

Innerhalb einer einzigen Woche hat Partners Group nach eigenen Angaben mehr als 20 Milliarden US-Dollar für Infrastruktur-Strategien eingesammelt. Am 23. Juli meldete der Vermögensverwalter den finalen Abschluss des Programms „Infrastructure Secondaries“ mit Kapitalzusagen von über 5,5 Milliarden Dollar – nur drei Tage, nachdem das vierte direkte Infrastrukturprogramm bei mehr als 15 Milliarden Dollar geschlossen worden war. Am selben Tag jedoch stufte die UBS die Aktie von „Buy“ auf „Neutral“ herab und senkte das Kursziel deutlich auf 705 Franken. Begründet wurde der Schritt mit kurzfristigem Gewinn-Momentum und Unsicherheiten bei den Evergreen-Strukturen des Unternehmens.

Der Kontrast fällt in eine Phase, in der Partners Group zwei gegenläufige Erzählungen gleichzeitig bedienen muss. Zum 30. Juni waren die verwalteten Vermögen auf 186 Milliarden Dollar gestiegen, gegenüber 174 Milliarden Dollar im Vorjahr, getragen von Brutto-Neugeldern in Rekordhöhe von 16 Milliarden Dollar allein im ersten Halbjahr. Gleichzeitig warnte das Unternehmen, der Anteil der Performance-Gebühren am Gesamtumsatz werde im ersten Halbjahr wohl unter 20 Prozent liegen – deutlich unter dem langfristigen Zielkorridor von 25 bis 40 Prozent. Verzögerte Exits und eine schwächere Wertentwicklung in den Evergreen-Portfolios werden dafür verantwortlich gemacht.

An der Börse zeigt sich diese Gemengelage in einem Kurs, der mit 730,60 Euro rund 39,79 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch vom 8. August 2025 notiert und auch unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 771,42 Euro liegt.

Die entscheidende Frage: Wie stark blutet die Evergreen-Plattform?

Der eigentliche Knackpunkt liegt nicht im institutionellen Neugeschäft, sondern in den semi-liquiden „Evergreen“-Fonds, über die Partners Group zuletzt verstärkt Privatanleger erschlossen hat. Beim „Global Value SICAV“ erreichten die Rücknahmeanträge im zweiten Quartal rund 9,8 Prozent des Nettoinventarwerts. Das Unternehmen selbst rechnet deshalb mit einer Dämpfung des Netto-AuM-Wachstums um 1 bis 2 Prozentpunkte für das Gesamtjahr 2026.

Analysten von Oddo BHF bezeichneten die Wiederherstellung des Vertrauens in die Evergreen-Plattform nach den jüngsten Rücknahmeanträgen laut einem Bloomberg-Bericht vom 16. Juli als „entscheidende kurzfristige Herausforderung“. Damit ist die zentrale Kennzahl für die kommenden Monate klar umrissen: Stabilisieren sich die Rücknahmequoten in den semi-liquiden Fonds, oder beschleunigt sich der Abfluss weiter? Davon hängt ab, ob die Rekordzuflüsse aus dem institutionellen Infrastrukturgeschäft die Lücke schließen können – oder ob sie lediglich einen Vertrauensverlust im margenträchtigeren Privatanlegergeschäft überdecken.

Bullisches Szenario

Für Optimisten spricht die Breite des Fundraisings. Über 20 Milliarden Dollar für Infrastruktur binnen einer Woche zeigen, dass institutionelle Investoren Partners Group weiterhin als verlässlichen Kapitalsammler in einer wachsenden Anlageklasse betrachten. Ergänzend expandiert das Unternehmen selektiv in neue Nischen: Die 2024 gestartete Royalties-Strategie, die unter anderem Musikrechte von The Weeknd und South Park hält, wuchs im ersten Halbjahr um 50 Prozent auf 1,5 Milliarden Dollar verwaltetes Vermögen. Auch operative Transaktionen laufen weiter, etwa die Investition von 260 Millionen Pfund in eine Leasingplattform für britische Schienenfahrzeuge Anfang Juli oder der Erwerb einer Beteiligung am Luftfahrt-Leasingportfolio von Avenue Capital Group Ende Juni. Bestätigt sich, dass die Rücknahmeanträge in den Evergreen-Fonds ein vorübergehendes Phänomen bleiben und die Wachstumsdämpfung tatsächlich auf 1 bis 2 Prozentpunkte begrenzt bleibt, könnte der Markt die aktuelle Bewertung als überzogen pessimistisch einstufen.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kombination aus schwächeren Performance-Fees und anhaltendem Vertrauensverlust bei Privatanlegern. Bleibt der Anteil der Performance-Gebühren dauerhaft unter dem Zielkorridor von 25 bis 40 Prozent, sinkt die Profitabilität des Geschäftsmodells strukturell – unabhängig davon, wie stark das verwaltete Vermögen insgesamt wächst. Sollten sich die Rücknahmequoten bei den Evergreen-Fonds nicht stabilisieren, sondern weitere Anleger folgen, könnte sich die von der UBS befürchtete Unsicherheit bei den Evergreen-Strukturen verfestigen. Die Herabstufung vom 23. Juli, verbunden mit einem gesenkten Kursziel von 705 Franken, deutet bereits auf diese Sorge hin. In diesem Szenario würden die Infrastruktur-Rekorde zwar Schlagzeilen liefern, das eigentliche Margenproblem im Kerngeschäft aber nicht lösen.

Ausblick

Solange die Rücknahmeanträge in den Evergreen-Fonds im Rahmen der von Partners Group selbst genannten Bandbreite von 1 bis 2 Prozentpunkten Wachstumsdämpfung bleiben, dürfte die institutionelle Fundraising-Stärke das Bild dominieren – und die aktuelle Kursschwäche könnte sich als Übertreibung erweisen. Kippt die Dynamik hingegen, etwa durch weiter steigende Rücknahmequoten oder einen erneut niedrigen Performance-Fee-Anteil, würde sich die Skepsis der UBS bestätigen, und der Druck auf die Bewertung dürfte anhalten. Klarheit dürfte der für den 1. September angekündigte detaillierte Zwischenbericht zum ersten Halbjahr 2026 bringen, der erstmals belastbare Zahlen zu Rücknahmequoten, Performance-Fees und der Entwicklung der Evergreen-Plattform liefern soll.

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Diskussion zu Partners Group

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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