Ausgangslage
Die Aktie von Partners Group notiert bei 686,20 Euro und damit nur noch 0,5 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat das Papier 35 Prozent verloren, binnen zwölf Monaten sogar 41 Prozent. Der jüngste Rückschlag um 1,5 Prozent am Freitag reiht sich in eine Serie enttäuschender Wochen ein: Auf Monatssicht steht ein Minus von 12 Prozent zu Buche.
Am Vontobel-Analysten Andreas Venditti führte am 10. September kein Weg vorbei an einer weiteren Kurszielsenkung, von 940 auf 860 Franken. Seine Begründung: Die Rücknahmebeschränkungen bei reifen Evergreen-Fonds dürften bis 2028 bestehen bleiben – länger, als der Markt bislang eingepreist hatte.
Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die für Anleger inzwischen wichtiger ist als jede einzelne Kurszielanpassung: Wie stark schränkt die Liquiditätssituation in den Privatmarktprodukten das künftige Wachstum tatsächlich ein?
Die entscheidende Frage
Im Kern geht es um die Fähigkeit von Partners Group, verwaltetes Vermögen zu steigern, ohne dabei durch Rücknahmeanträge ausgebremst zu werden. Im Juni hatte das Unternehmen beim Evergreen-Fonds „Global Value SICAV“ mit einem Volumen von 8,6 Milliarden Dollar eine Rücknahmebeschränkung von maximal 5 Prozent pro Quartal verhängt, ausgelöst durch erhöhte Anträge vermögender Kunden aus Asien. Die Maßnahme betraf explizit nicht institutionelle Anleger, zeigt aber, wie sensibel das Geschäftsmodell auf Liquiditätsdruck reagiert.
Die Halbjahreszahlen bestätigten die Schwäche: Die Erträge sanken um 7 Prozent auf 1,12 Milliarden Franken, während die Performance Fees um 39 Prozent auf 216 Millionen Franken einbrachen. Das Unternehmen senkte daraufhin die Guidance für den Anteil der Performance-Erträge am Gesamteinkommen von zuvor 25 bis 40 Prozent auf neu 20 bis 25 Prozent.
Vontobel geht inzwischen von einem AuM-Wachstum von nur 2 Prozent für das laufende Jahr aus, mit einer Erholung auf 4, 8 und 10 Prozent in den Folgejahren – deutlich unter dem historischen Durchschnitt von rund 14 Prozent pro Jahr seit 2007.
Bullisches Szenario
Für eine Stabilisierung spricht, dass die Management Fees im ersten Halbjahr trotz aller Turbulenzen um 6 Prozent auf 905 Millionen Franken zulegten – ein Hinweis darauf, dass das Kerngeschäft robust bleibt, auch wenn die volatilere Performance-Komponente schwächelt. Die EBITDA-Marge hielt sich mit 63 Prozent stabil.
Zudem expandiert Partners Group weiter in wachstumsstarke Nischen: Die vereinbarte Mehrheitsbeteiligung an AVK Power Solutions, einem Anbieter von Stromversorgungslösungen für Rechenzentren, sieht eine Eigenkapitalinvestition von über einer Milliarde Dollar vor und zielt auf einen strukturellen Trend – den Energiebedarf der Datenzentren-Infrastruktur.
Auch die exklusiven Verhandlungen über eine Mehrheitsbeteiligung an Aroma-Zone, bewertet mit rund 2 Milliarden Euro, zeigen, dass das Transaktionsgeschäft trotz Marktturbulenzen weiterläuft. Sollten sich die Rücknahmeanträge in den kommenden Quartalen normalisieren, könnte die aktuelle Kursschwäche als Übertreibung gelten – ein RSI von 32,7 signalisiert bereits überverkaufte Bedingungen.
Bärisches Szenario
Dagegen steht die Sorge, dass die Gating-Maßnahmen kein Einzelfall bleiben. Vontobel erwartet ausdrücklich weitere Rücknahmebeschränkungen bei reifen Evergreen-Fonds, und auch UBS hatte bereits im Juli mit einem Downgrade auf Neutral und einer massiven Kurszielsenkung von 1.175 auf 705 Franken vor genau diesem Muster gewarnt. Hinzu kommt ein bislang ungelöster Reputationskonflikt: Der US-Leerverkäufer Grizzly Research hatte im April behauptet, bis zu 40 Prozent der Evergreen-Fonds-Investitionen seien deutlich überbewertet – ein Vorwurf, den Partners Group zurückweist, der aber im Raum steht.
Verschärfend wirkt der bevorstehende Führungswechsel: CEO David Layton tritt Ende 2026 zurück, Roberto Cagnati und Juri Jenkner übernehmen als Co-CEOs ab 2027. Ein Doppelspitzenwechsel in einer Phase sinkender Erträge und angespannter Anlegerstimmung ist keine triviale Übergangsphase.
Ausblick
Solange die Management Fees stabil wachsen und die Beteiligungsgeschäfte wie AVK Power Solutions oder Aroma-Zone erfolgreich abgeschlossen werden, bleibt das Fundament intakt, auch wenn der Kurs unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 908,61 Euro verharrt.
Kippt jedoch die Liquiditätslage in weiteren Evergreen-Fonds und dehnen sich Rücknahmebeschränkungen aus, dürfte sich die von Vontobel skizzierte Wachstumsdelle bis 2028 als zu optimistisch erweisen.
Der nächste konkrete Prüfstein folgt mit den Halbjahresergebnissen am 13. Januar 2027, gefolgt von den Jahreszahlen 2026 am 16. März 2027 – beide Termine dürften zeigen, ob sich die Guidance-Anpassung als vorübergehende Korrektur oder als Beginn eines strukturellen Umbaus erweist.
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