Partners Group steht massiv unter Druck. Anfang Juni kappte der Schweizer Vermögensverwalter die Auszahlungen seines europäischen Evergreen-Fonds auf fünf Prozent. Zuvor wollten Anleger fast zehn Prozent des Fondswertes abziehen. Kurz darauf griff das Problem auf einen US-Fonds über.
Parallel dazu eskaliert ein Rechtsstreit. Das Unternehmen verklagt den Short-Seller Grizzly Research. Dieser hatte die Bewertungspraktiken der Fonds öffentlich angezweifelt. Die Börse reagiert extrem nervös. Am Freitag schloss die Aktie bei 717,00 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Kursverlust damit auf über 34 Prozent.
Die entscheidende Kennzahl: Halten die Zuflüsse?
Ob sich die Abwärtsspirale stoppen lässt, klärt sich bald. Am 15. Juli legt Partners Group ein Update zum verwalteten Vermögen vor. Dieser Bericht liefert den ersten harten Datenpunkt der Krise. Er zeigt, ob frisches institutionelles Geld die massiven Abflüsse aus den Evergreen-Fonds ausgleichen kann.
Ende 2025 verwaltete der Konzern knapp 185 Milliarden US-Dollar. Fällt das Volumen unter diese Marke, wächst der Druck auf das Management enorm.
Bullisches Szenario: Robustes Fundament und klare Gegenwehr
Trotz der Krise gibt es Argumente für eine Erholung. Das wichtigste Fundament bildet die Kundenstruktur. Institutionelle Investoren stellen über 80 Prozent der Basis. Sie sorgten im ersten Quartal für starke Zuflüsse. Zwar bremst die Evergreen-Plattform das Wachstum im zweiten Halbjahr etwas. Das Management hält aber an der Jahresprognose von bis zu 32 Milliarden US-Dollar Neugeld fest.
Auch gegen die Vorwürfe von Grizzly wehrt sich der Konzern konkret. Der Short-Seller kritisierte die Bewertung der russischen STADA-Anteile. Partners Group hat diese Position nach eigenen Angaben komplett abgeschrieben. Obendrein verkaufte der Konzern im ersten Quartal einen Großteil seiner STADA-Beteiligung. Der Preis lag dabei über der letzten internen Bewertung.
Technisch sieht die Aktie extrem überverkauft aus. Der RSI-Wert liegt bei niedrigen 26,9. Solche Niveaus lösten in der Vergangenheit oft schnelle Gegenbewegungen aus.
Bärisches Szenario: Strukturelle Risse und Analysten-Skepsis
Das Gegenargument wiegt allerdings schwer. Das Problem der Evergreen-Fonds ist strukturell. Sie versprechen Privatanlegern den einfachen Zugang zu Private Equity. Regelmäßige Rückgabefenster suggerieren dabei eine trügerische Liquidität.
Nun wackeln weitere Produkte. Im zweiten Quartal drosselt Partners Group voraussichtlich bei drei weiteren Fonds die Auszahlungen. Diese Fonds verwalten zusammen knapp zehn Milliarden US-Dollar.
Solange die Bewertungsvorwürfe nicht unabhängig widerlegt sind, meiden viele Großinvestoren die Aktie. Kein Wunder. Mehrere Banken ziehen bereits Konsequenzen. Baader Europe und Goldman Sachs haben ihre Kursziele drastisch gesenkt. Auch die Gewinnschätzungen für die kommenden Jahre fallen jetzt spürbar niedriger aus.
Ausblick: Zwei Termine entscheiden über den Trend
Die kommenden Wochen definieren den weiteren Jahresverlauf. Zeigt das Update am 15. Juli stabile Vermögenswerte, dürfte die Aktie aufatmen. Der Markt könnte die Evergreen-Krise dann als isoliertes Problem verbuchen. Rutscht das Vermögen jedoch unter 185 Milliarden US-Dollar, gerät die Jahresprognose in Gefahr. Ein weiterer Kursrutsch wäre programmiert.
Der wichtigere Stresstest folgt am 1. September. Dann veröffentlicht Partners Group den offiziellen Halbjahresbericht. Hier fordern Investoren geprüfte Zahlen, die die Vorwürfe des Short-Sellers endgültig entkräften. Bis dahin bleibt die Aktie anfällig. Weit unter der 200-Tage-Linie gefangen, bestimmen nun harte Fakten die Richtung.
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