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Partners Group Aktie: 42-Prozent-Absturz auf 705,80 Euro

Partners Group kämpft mit massiven Rücknahmen in Evergreen-Fonds. Die Aktie verliert stark an Wert, während die Branche ihre Liquiditätsrisiken neu bewertet.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie verliert 42 Prozent seit Höchststand
  • Rücknahme-Limit bei fünf Prozent gekappt
  • Mehrere Evergreen-Fonds unter Abzugsdruck
  • Institutionelles Geschäft soll Stabilität bringen

Es war eine der schönsten Ideen der Finanzindustrie. Private Markets für alle. Nicht mehr nur für riesige Pensionsfonds. Auch wohlhabende Privatanleger sollten profitieren. Partners Group baut seit 20 Jahren sogenannte Evergreen-Fonds. Das Ziel: die Demokratisierung der Privatmärkte. Soweit so gut.

Heute sieht die Realität anders aus. Die Aktie notiert bei 705,80 Euro. Das ist ein Absturz von fast 42 Prozent gegenüber dem 52-Wochen-Hoch. Der RSI-Wert von 25,2 signalisiert einen massiven Ausverkauf. Das ist kein normaler Rücksetzer. Hier entlädt sich ein tiefes Strukturproblem.

Die Falle der ständigen Verfügbarkeit

Die Idee der Evergreen-Strukturen klingt elegant. Anleger bekommen sofortigen Zugang zu einem investierten Portfolio. Sie genießen mehr Flexibilität als bei klassischen geschlossenen Fonds. Kapitalabrufe entfallen. Was viele dabei übersehen: Das Fundament bleibt illiquide. Private-Equity-Beteiligungen lassen sich nicht auf Knopfdruck verkaufen. Die modernste Fondsstruktur ändert daran nichts.

Genau das rächt sich nun. Partners Group musste die Auszahlungen aus dem Global Value SICAV kappen. Das Limit liegt nun bei fünf Prozent. Zuvor näherten sich die Rücknahmeanträge für den milliardenschweren Fonds der Zehn-Prozent-Marke. An der Börse löste dieser Schritt Anfang Juni einen Kursrutsch von 18 Prozent aus.

Das Problem beschränkt sich nicht auf ein Vehikel. Ein US-Fonds meldet Rücknahmeanträge von rund sechs Prozent im zweiten Quartal. Drei weitere Evergreen-Fonds spüren ebenfalls Druck. Hier erwarten Experten Abflüsse zwischen 3,5 und fünf Prozent. Zusammen verwalten diese drei Vehikel knapp zehn Milliarden Dollar.

Der Trend ist eindeutig. Zuvor erschütterten Kundenabflüsse bereits die Private-Credit-Märkte. Nun greift die Nervosität auf den Private-Equity-Bereich über. Der Markt bewertet die Anlageklasse neu. Viele Wealth-Anleger schätzen Liquidität plötzlich höher ein als gedacht. Andere zweifeln an den rigorosen Bewertungen im Sektor. Passen Retail-Investoren mit kurzen Zeithorizonten überhaupt in illiquide Privatmarkt-Assets? Diese Frage drängt sich auf.

Eine Branche ignoriert ihre Risiken

Die falsche Anlegergruppe sitzt in den falschen Produkten. Tony Dalwood, CEO von Gresham House, forderte kürzlich eine viel bessere Aufklärung. Anleger müssen die Liquiditätsgrenzen in Stressphasen verstehen. Der Boom der vergangenen Jahre verdeckte dieses Risiko.

Bis Ende 2025 wuchs der Markt laut PitchBook rasant. Die Zahl der Evergreen-Fonds stieg auf über 500. Sie verwalten ein Vermögen von einer halben Billion Dollar.

Das ist mehr als eine Verdopplung des Volumens gegenüber dem Jahr 2022. Das Wachstum war enorm. Die Aufklärung der Anleger blieb dabei offenbar auf der Strecke.

Zwei Welten im Konzern

Das Management von Partners Group versucht nun zu beruhigen. Das Unternehmen verweist auf sein starkes institutionelles Geschäft. Der Konzern verwaltet insgesamt rund 185 Milliarden Dollar. Davon stammen etwa 80 Prozent von institutionellen Anlegern. Nur 20 Prozent fließen über den Private-Wealth-Kanal. Genau dort brennt es aber.

Das Unternehmen hält an seinem Ziel für neue Kundengelder fest. Für 2026 plant Partners Group Zuflüsse von 26 bis 32 Milliarden Dollar. Allerdings dämpfen die Evergreen-Turbulenzen die Erwartungen. Die erhöhten Rücknahmen könnten das Netto-Wachstum im zweiten Halbjahr leicht bremsen.

CEO David Layton verteidigt die Auszahlungslimits. Die Mechanismen sollen langfristige Investoren schützen. Renditen müssen aus der Qualität der Assets stammen. Kurzfristige Mittelabflüsse dürfen das Portfolio nicht diktieren.

Inhaltlich ist das völlig richtig. An der Börse verfehlt die Argumentation jedoch ihre Wirkung. Seit Jahresanfang verlor die Aktie über 35 Prozent an Wert. Mit dem aktuellen Kurs handelt das Papier weit unter seinem 200-Tage-Durchschnitt. Dieser verläuft bei gut 1.007 Euro.

Die Demokratisierung der Privatmärkte scheitert nicht am Konzept. Sie scheitert an falschen Erwartungen. Anleger müssen begreifen, dass sie illiquide Assets im Stressfall nicht sofort verkaufen können. Der nächste Lackmustest steht unmittelbar bevor. Mitte Juli veröffentlicht Partners Group ein NAV-Update für Ende Juni. Die Zahlen werden zeigen, ob das solide institutionelle Geschäft die Retail-Abflüsse wirklich auffangen kann. Die Aktie braucht diesen Beweis dringend. Das 52-Wochen-Tief von 686,80 Euro ist nur noch knapp drei Prozent entfernt.

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Diskussion zu Partners Group

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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