Knapp über dem Fünfjahrestief, ein Leerverkäufer im Nacken und Rücknahmewellen aus dem Flaggschiff-Fonds — Partners Group steckt in einer veritablen Vertrauenskrise. Das Management reagiert mit strukturellen Maßnahmen und kauft selbst Aktien. Ob das reicht, entscheidet sich am 15. Juli.
Zwei Schläge, ein Absturz
Am 19. Juni markierte die Aktie bei 731,40 Euro ein neues Fünfjahrestief. Zum Wochenschluss notierte das Papier bei 735,00 Euro — rund 33 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau.
Den Kursverfall lösten zwei Ereignisse aus. Ende April veröffentlichte das US-Leerverkäuferhaus Grizzly Research einen 37-seitigen Bericht. Kernthese: Bis zu 40 Prozent der Vermögenswerte in Partners Groups Evergreen-Fonds könnten erheblich falsch bewertet sein.
Anfang Juni folgte der operative Schlag. Partners Group begrenzte die Rücknahmen aus dem 8,6 Milliarden Dollar schweren Global Value SICAV auf 5 Prozent des Nettoinventarwerts — nachdem Rücknahmeanträge auf geschätzte 9,8 Prozent gestiegen waren. Privatanleger, die rund 20 Prozent des verwalteten Vermögens stellen, erzeugten den Großteil des Drucks. Das Unternehmen warnt: Die Evergreen-Plattform bremst das Netto-AuM-Wachstum im zweiten Halbjahr 2026 um ein bis zwei Prozentpunkte — mit ähnlichem Gegenwind für 2027.
Strukturreform und Aktientrennung
Partners Group beschränkt sich nicht auf Dementis. Am 21. Mai führte das Unternehmen eine „Total Return Strategy“ ein. Sie reduziert den Hebel, dehnt Haltefristen auf bis zu zwölf Jahre aus und zielt auf regelmäßige Ausschüttungen. Die Software-Exponierung liegt bereits unter der Hälfte des Branchendurchschnitts.
Ferner schlägt der Vorstand eine Aufspaltung in zwei Aktienklassen vor: eine Beteiligungsaktie und eine Realisierungsaktie. Letztere wäre auf rund 250 Millionen Euro begrenzt. Aktionäre müssen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung zustimmen. Bei Genehmigung tritt die neue Struktur im vierten Quartal 2026 in Kraft.
Insiderkäufe als Gegensignal
Sechs Mitarbeiter — darunter Mitgründer Fredy Gantner — kauften in einer einzigen Woche Aktien im Gesamtvolumen von mehr als 5,29 Millionen Franken. Gantner bezeichnete die Marktreaktion als übertrieben und verwies auf ein abgeliefertes Rekordjahr. Er räumte allerdings ein: Partners Group müsse künftig „definitiv besser und proaktiver kommunizieren“.
Die Dividende für 2025 betrug 46,00 CHF je Aktie. FactSet-Schätzungen projizieren eine Forward-Rendite von rund 6,56 Prozent für 2026 — die höchste im Schweizer Large- & Mid-Cap-Index. Partners Group hat 20 Jahre in Folge eine Dividende gezahlt und diese 17 Jahre erhöht.
Analysten senken Ziele, Markt wartet auf AuM-Daten
Das Analysten-Bild ist gespalten. Octavian kürzte das Kursziel auf 1.175 CHF, behielt aber die Kaufempfehlung. Bank of America senkte auf 850 CHF, Jefferies auf 760 CHF — beide mit Halten-Einstufungen. EPS-Schätzungen für 2026 und 2027 fielen je nach Haus um 10 bis 22 Prozent, begründet mit schwächerem AuM-Wachstum und rückläufigen Erfolgsgebühren.
Der RSI liegt bei 26,4 — technisch überverkauft. Allein das dürfte als Wendepunkt kaum ausreichen.
Am 15. Juli legt Partners Group die verwalteten Vermögen per 30. Juni offen. Dann zeigt sich, wie stark die Rücknahmewelle die Gebührenbasis bereits erodiert hat — und ob der Fundraising-Ausblick für das zweite Halbjahr noch steht.
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