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Palantir und Salesforce unter Druck, Aixtron auf Rekordjagd

Die Tech-Berichtssaison trennt Substanz von Spekulation: Aixtron hebt Prognose an, während Palantir und Salesforce mit hohen Bewertungen kämpfen. LPKF Laser profitiert von Hype, Atos von Umsatzrückgang getroffen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aixtron hebt Umsatz- und Margenprognose für 2026 an
  • Palantir kämpft mit hoher Bewertung trotz starker Zahlen
  • LPKF Laser-Kurs steigt durch virale Social-Media-Spekulation
  • Atos-Aktie nach schwachem Quartalsumsatz eingebrochen

Ein Blogpost treibt LPKF Laser um 150 Prozent nach oben, Aixtron hebt die Prognose an, und Atos stürzt nach Quartalszahlen ab. Gleichzeitig ringen Palantir und Salesforce mit der Frage, ob ihre KI-Strategien die hohen Bewertungen rechtfertigen. Fünf Tech-Aktien, fünf grundverschiedene Ausgangspositionen — mitten in einer Berichtssaison, die Substanz von Spekulation trennt.

Sektorbild: KI-Euphorie trifft auf harte Zahlen

Die Technologie-Branche erlebt in dieser Berichtssaison eine klare Zweiteilung. Unternehmen mit messbarer KI-Traktion werden belohnt, Restrukturierungsfälle abgestraft. Makroökonomischer Gegenwind — geopolitische Spannungen im Nahen Osten, hartnäckig hohe Zinsen — lastet weiter auf hoch bewerteten Software-Titeln.

Auf der europäischen Seite profitiert Aixtron vom Halbleiter-Ausrüstungszyklus, während Atos die Kosten eines tiefgreifenden Umbaus schultern muss. LPKF Laser nimmt eine Sonderrolle ein: Der Kursanstieg speist sich aus viraler Social-Media-Spekulation, nicht aus bestätigten Aufträgen. Für alle fünf Unternehmen stehen in den kommenden Wochen entscheidende Quartalszahlen an.

Palantir: Regierungsgeschäft als Anker, Bewertung als Bremse

Der April brachte Palantir-Aktionären eine Achterbahnfahrt. Von rund 150 US-Dollar fiel der Kurs Anfang des Monats unter 128 US-Dollar, bevor eine Erholung einsetzte. Auslöser waren unter anderem Inflationsdaten, die über den Erwartungen lagen und Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen zunichtemachten. Zusätzlich sorgte Investor Michael Burry mit der Behauptung für Unruhe, Anthropic konkurriere direkt mit Palantir im Enterprise-KI-Markt — ein Szenario, das Wedbush-Analyst Daniel Ives als „fiktives Narrativ“ bezeichnete.

Fundamental bleibt das Geschäft intakt. Der milliardenschwere Rahmenvertrag mit der US-Armee, der 75 einzelne Verträge bündelt, bildet ein robustes Fundament. Aktuell bewirbt sich Palantir zudem um ein KI-Werkzeug für die US-Flugsicherung FAA — Teil eines Modernisierungsprogramms im Volumen von 32 Milliarden US-Dollar.

Im vierten Quartal 2025 lag der Umsatz bei 1,41 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das US-Geschäft mit kommerziellen Kunden wuchs sogar um 137 Prozent. Für das Gesamtjahr 2026 stellt das Management einen Umsatz von über 7,1 Milliarden US-Dollar in Aussicht.

Die Bewertung bleibt allerdings die offene Flanke. Selbst nach dem Rücksetzer handelt die Aktie bei etwa dem 64-Fachen des geschätzten Free Cashflows für 2027. Mizuho-Analyst Gregg Moskowitz bestätigte zwar sein „Outperform“-Rating, senkte aber das Kursziel von 195 auf 185 US-Dollar. Morgan Stanley sieht bei den anstehenden Quartalszahlen Potenzial für eine Prognoseanhebung, bleibt aber bei einer neutralen Einschätzung mit einem Kursziel von 205 US-Dollar.

Aixtron: Prognoseanhebung beflügelt den Kurs auf Allzeithoch

Der Halbleiter-Ausrüster notiert bei 46,19 Euro — exakt auf dem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt. Der Treiber ist kein Zufall, sondern ein konkreter Katalysator.

Aixtron hob die Umsatzprognose für 2026 auf 560 Millionen Euro (±30 Millionen) an, zuvor lagen die Erwartungen bei 520 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg die EBIT-Margen-Guidance auf 17 bis 20 Prozent. Dahinter steht wachsende Nachfrage nach Optoelektronik-Produkten für optische KI-Kommunikation und Galliumnitrid-Leistungshalbleiter — beides Felder, die direkt vom globalen KI-Investitionszyklus profitieren.

Bereits die Q4-2025-Zahlen hatten die Trendwende angedeutet: Der Gewinn je Aktie lag mit 0,43 Euro fast 32 Prozent über den Schätzungen, der Umsatz übertraf die Erwartungen um rund 15 Millionen Euro. Bemerkenswert ist die nahezu schuldenfreie Bilanz mit einer Verschuldungsquote von 0,008.

J.P. Morgan und Barclays bestätigten im April ihre Kaufempfehlungen. Der Analystenkonsens beim Kursziel liegt allerdings bei nur 31,30 Euro — fast 30 Prozent unter dem aktuellen Kurs. Die Aktie ist den Schätzungen davongelaufen. Am 30. April liefern die vollständigen Q1-Zahlen den nächsten Realitätscheck.

LPKF Laser: Viraler Hype trifft auf dünne Fundamentaldaten

Kein Titel im deutschen Tech-Segment hat in den vergangenen Wochen für mehr Gesprächsstoff gesorgt. LPKF Laser notiert bei 15,40 Euro — ein Plus von über 150 Prozent seit Jahresbeginn. Allein in der vergangenen Woche legte die Aktie um 53 Prozent zu.

Der Auslöser war kein Quartalsbericht und kein Großauftrag, sondern ein Blogpost. Dieser beschrieb LPKFs potenzielle Rolle im Ökosystem für Through-Glass-Vias (TGV) — eine Technologie für fortschrittliches Halbleiter-Packaging. Über die Plattform X verbreitete sich die Analyse rasant und zog internationale Investoren an.

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LPKF setzt auf seine LIDE-Technologie zur Glasbearbeitung und will sich als Partner im Advanced-Packaging-Markt positionieren. Eine gemeinsam mit TPK Holding und ASE Technology gebaute Pilotlinie soll im dritten Quartal 2026 fertiggestellt werden. Details erwartet das Unternehmen zur Hauptversammlung im Juni.

Die Fundamentaldaten mahnen zur Vorsicht:

  • Umsatzprognose 2026: 105 bis 120 Millionen Euro
  • Adjustierte EBIT-Marge: zwischen -3,0 und +4,5 Prozent
  • Restrukturierungskosten des „North Star“-Programms fressen 3 bis 4 Prozent des Umsatzes
  • Ziel: zweistellige EBIT-Marge erst ab 2028

Mindestens ein Analyst hat die Aktie auf „Halten“ herabgestuft und verweist auf schwache Auftragseingänge und einen unsicheren Ausblick. Der Kurs liegt aktuell rund 96 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt — ein Niveau, das kaum Spielraum für Enttäuschungen lässt. Am 30. April folgt der Q1-Bericht als erste Bewährungsprobe.

Salesforce: Agentic AI als Antwort auf die SaaS-Disruptions-Angst

Der CRM-Gigant hat 2026 bislang rund 26 Prozent an Wert verloren. Die Sorge: Künstliche Intelligenz könnte das klassische SaaS-Geschäftsmodell kannibalisieren. Salesforce notiert bei 160,98 Euro, etwa 38 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.

Das Management hält dagegen. Heute erweiterte Salesforce seine Agent-Fabric-Plattform um zentrale Steuerungs-, Erkennungs- und Governance-Funktionen für KI-Modelle verschiedener Anbieter. Zudem steht der Launch von „Agent Albert“ bevor — eine KI-Plattform, die autonom über Nutzer lernen und in deren Auftrag handeln soll. CEO Marc Benioff wies in einem Interview die These zurück, dass „Vibe Coding“ SaaS-Unternehmen ersetzen werde.

Im Geschäftsjahr 2026 erzielte Salesforce einen Umsatz von 41,5 Milliarden US-Dollar, ein Plus von knapp 10 Prozent. Der Gewinn stieg um gut 20 Prozent auf 7,46 Milliarden US-Dollar. Mit einem KGV von rund 24 liegt die Aktie deutlich unter dem Software-Branchendurchschnitt von etwa 30.

Die Analystengemeinde bleibt zuversichtlich: 35 Analysten vergeben im Konsens ein Kaufrating mit einem durchschnittlichen Kursziel von 278,74 US-Dollar — das entspricht einem Aufwärtspotenzial von über 50 Prozent. Die entscheidende Frage bleibt, ob die Nutzung von Agent Fabric bei Großkunden sich in den kommenden Quartalszahlen als messbarer Umsatzbeitrag niederschlägt.

Atos: Quartalszahlen offenbaren das Ausmaß der Transformation

Die härteste Kursreaktion der Woche traf Atos. Nach Vorlage der Q1-Zahlen brach die Aktie am Montag um knapp 19 Prozent ein. Aktuell notiert der Titel bei 35,56 Euro, rund 42 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch.

Der Umsatz lag im ersten Quartal bei 1,64 Milliarden Euro auf vergleichbarer Basis — ein organischer Rückgang von rund 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge von nur 4,2 Prozent unterstreicht, wie tief die operative Talsohle reicht. CEO Philippe Salle sprach dennoch von „konkreten Fortschritten“ beim Genesis-Transformationsplan.

Lichtblicke gibt es auf der kommerziellen Seite. Die Book-to-Bill-Rate stieg auf 87 Prozent, ein Plus von vier Punkten gegenüber dem starken Vorjahresquartal. Die qualifizierte Pipeline wuchs im Quartal um rund 900 Millionen Euro. Strategisch positioniert sich Atos mit dem Launch der „Sovereign Agentic Studios“ und einem Managed-Detection-Service in Großbritannien im wachsenden Cybersecurity-Markt.

Das Management bestätigte den Ausblick, engte die Umsatzprognose aber auf einen organischen Rückgang von 1 bis 5 Prozent ein. Die operative Marge soll bei etwa 7 Prozent liegen. Ab 2027 rechnet Atos mit einer Rückkehr zum Wachstum und peilt bis 2028 ein jährliches Umsatzplus von 5 bis 7 Prozent sowie eine operative Marge von 10 Prozent an. Der Markt bleibt skeptisch — der heftige Kursrückgang zeigt, dass Investoren schnellere Fortschritte sehen wollen.

Fünf Geschwindigkeiten, ein Sektor

Die fünf Titel verdeutlichen, wie unterschiedlich KI- und Transformationsnarrative derzeit auf Kurse wirken:

  • Aixtron profitiert als klarster Gewinner vom KI-Infrastrukturzyklus — untermauert durch echte Aufträge und eine angehobene Prognose
  • Palantir liefert messbare KI-Deployments und einen robusten Regierungsanker, kämpft aber mit einer Bewertung, die keinen Fehltritt verzeiht
  • LPKF Laser verkörpert das spekulative Ende des Spektrums — enormes Technologiepotenzial, aber bislang ohne bestätigte Großaufträge
  • Salesforce verteidigt sein SaaS-Kerngeschäft mit einer aggressiven Agentic-AI-Strategie, handelt jedoch tief unter Konsensschätzungen
  • Atos zeigt operativen Fortschritt, doch der Umsatzrückgang von 11 Prozent überlagert alle positiven Signale

Die kommenden Tage bringen Klarheit. Am 30. April legen sowohl Aixtron als auch LPKF Laser Quartalszahlen vor. Palantir folgt im Mai, Atos erwartet eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte 2026. Für Salesforce wird entscheidend sein, ob sich die Agent-Fabric-Offensive in harten Umsatzdaten widerspiegelt. Wer liefert — und wer nur verspricht: Die Berichtssaison wird diese Frage beantworten.

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Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.