Starke Quartalszahlen, ein brisanter Datenschutzstreit in London — bei Palantir laufen gerade zwei gegensätzliche Entwicklungen parallel. Während das Unternehmen finanziell auf Hochtouren läuft, wächst der politische Widerstand in Europa.
Britische Behörden unter Druck
Im Zentrum steht ein laufender Zwölf-Wochen-Pilotvertrag zwischen Palantir und der britischen Finanzaufsicht FCA. Palantirs KI-Systeme sollen dort auf Falldaten, Verbraucherbeschwerden und Betrugsberichte zugreifen. Martin Wrigley, Mitglied des Wissenschafts- und Technologieausschusses im Unterhaus, warnt: Der US Cloud Act könnte Palantir zwingen, diese Daten an amerikanische Behörden weiterzugeben — unabhängig vom Speicherort.
Die FCA betont, alleinige Datenkontrolleurin zu bleiben. Kritiker zweifeln trotzdem. Die Debatte folgt einem konkreten Rückschlag: Am 21. Mai blockierte Londons Bürgermeister Sadiq Khan einen separaten 50-Millionen-Pfund-Vertrag zwischen Palantir und der Metropolitan Police. Khan sprach von einem schwerwiegenden Vergabeverstoß und erklärte, öffentliche Gelder dürften nur bei Unternehmen eingesetzt werden, die mit den Werten der Stadt vereinbar seien.
Zahlen, die kaum jemand erwartet hat
Politischer Gegenwind, finanziell kein Problem. Palantir meldete für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von 1,63 Milliarden Dollar — deutlich über den Analystenerwartungen von 1,54 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 0,33 Dollar und übertraf den Konsens von 0,28 Dollar. Besonders auffällig: Der sogenannte „Rule of 40″-Score, der Wachstum und Profitabilität kombiniert, erreichte 145 Prozent — ein Wert, der selbst im Softwaresektor selten ist. Das US-Geschäft wuchs im Jahresvergleich um 104 Prozent.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet das Management mit rund 71 Prozent Umsatzwachstum. Außerdem erwartet Palantir in jedem Quartal des laufenden Geschäftsjahres ein positives GAAP-Betriebsergebnis.
Kurs mit Momentum, aber technisch überhitzt
Die Aktie notiert aktuell bei rund 137 Euro und liegt damit rund 13 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt. In den vergangenen sieben Tagen legte der Kurs mehr als 15 Prozent zu. Der RSI von 86 signalisiert dabei eine deutlich überkaufte Lage.
Citi hat die Aktie zuletzt auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel auf 235 Dollar angehoben. Institutionelle Investoren halten rund 45,65 Prozent der ausstehenden Aktien — einzelne Fonds haben ihre Positionen zuletzt jedoch reduziert.
Der Konflikt zwischen Rekordwachstum und europäischem Datenschutzwiderstand dürfte sich in den kommenden Wochen weiter zuspitzen. Entscheidend wird sein, ob die FCA den Pilotvertrag nach Ablauf der zwölf Wochen verlängert — oder ob London zum zweiten Mal in kurzer Zeit einen Palantir-Deal stoppt.
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