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Palantir Aktie: Lecornu will Frankreich lösen

Frankreichs Regierung kündigt Trennung von Palantir an. Analysten sind vor den Quartalszahlen uneins über das US-Wachstum.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Frankreich plant Abkehr von Palantir
  • Analysten uneins vor Quartalsbericht
  • Oppenheimer prognostiziert starkes Umsatzplus
  • Bewertung bleibt mit hohem Cashflow-Multiple

Palantir steht vor einer entscheidenden Woche. Am Mittwoch notiert die Aktie bei 109,58 Euro, ein Plus von 0,90 Prozent zum Vortag. Über 30 Tage hat sich das Papier um 8,24 Prozent erholt, bleibt aber seit Jahresbeginn 30,26 Prozent im Minus. Nächste Woche legt der Datenanalyse-Konzern seine Quartalszahlen vor. Zwei Kräfte prallen davor aufeinander: europäische Skepsis gegenüber dem US-Konzern und ein gespaltenes Analystenlager an der Wall Street.

Frankreich sucht die Trennung

Im Juni, während der G7-Gipfel in Frankreich tagte und Paris seine große Tech-Konferenz ausrichtete, ging Premierminister Sébastien Lecornu auf Instagram. Seine Botschaft: Frankreich wolle sich von Palantir lösen. „Frankreich muss eigene Werkzeuge haben“, schrieb er.

Der Zeitpunkt war kein Zufall. Vier Tage zuvor hatte US-Präsident Donald Trump entschieden, ausländischen Zugang zu führenden KI-Modellen von Anthropic einzuschränken. Palantir reagierte scharf. Manager Josh Harris attackierte Lecornu öffentlich in der Zeitung Le Monde. Ein anderer Firmenvertreter wehrte sich gegen den Vorwurf, Palantir könne keine ausreichenden Datensicherheits-Garantien liefern: „Ich glaube nicht, dass Palantir und Souveränität sich ausschließen.“

Die Reibung bleibt nicht auf Frankreich beschränkt. Europäische Regierungen wenden sich verstärkt heimischen Geheimdienst-Plattformen zu. Sie misstrauen zunehmend der Abhängigkeit von US-nahen Anbietern wie Palantir. Lecornu kündigte zudem an, der französische Staat arbeite enger mit dem Pariser Konkurrenten Mistral AI zusammen. Zwei britische Startups, Valarian und Arrakis, gegründet von ehemaligen Palantir-Mitarbeitern, sammelten im Juli frisches Kapital ein — mit dem erklärten Ziel, ihren früheren Arbeitgeber herauszufordern.

Wie groß der Markt ist, um den es hier geht, zeigt eine Schätzung von Bloomberg-Intelligence-Analyst Mandeep Singh. Er beziffert den Investitionsbedarf Europas auf rund drei Billionen Dollar über das kommende Jahrzehnt. Das Geld soll in Cloud-Infrastruktur, KI-Rechenzentren und eigenes KI-Training fließen, um die Abhängigkeit von US- und asiatischen Anbietern zu verringern.

Analysten uneins vor den Zahlen

Zur europäischen Front kommt Unsicherheit von Wall-Street-Analysten hinzu. Am Dienstag brach die Aktie ein, nachdem Cleveland Research auf schwache Ausgaben bei Palantirs kommerziellen Partnern hingewiesen hatte. Die Kunden aus dem Geschäftskundenbereich blieben im zweiten Quartal wegen wachsender Konkurrenz im Plan oder darunter, so die Analysten.

Nicht alle sehen das so düster. Oppenheimer-Analyst Param Singh bekräftigte am Montag sein „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 200 Dollar. Er rechnet mit einem Umsatzwachstum von 85 Prozent zum Vorjahr — mehr als der Konsens von 80 Prozent erwartet. Singh widerspricht dem Cleveland-Bericht ausdrücklich: Das kommerzielle Wachstum werde bei 135 Prozent liegen, schneller sogar als die US-Regierungsumsätze, die er bei mindestens 80 Prozent sieht, getrieben von höheren Verteidigungsausgaben.

Oppenheimer und Baird bekräftigten diese Woche beide ihre Kaufempfehlungen. Oppenheimers Haus-Prognose geht davon aus, dass Palantir die eigene Guidance von 79 Prozent Wachstum übertrifft und die Jahresprognose von bisher 71 Prozent anheben wird. Das US-Regierungsgeschäft bleibt dabei die größte Wachstumsquelle, angetrieben von höheren Ausgaben des Heimatschutzministeriums und wachsender Aktivität bei mehreren Militärbereichen. Beim Auslandsgeschäft rechnet Oppenheimer dagegen mit schwächerem Wachstum — weil einzelne europäische Verbündete gerade andere Anbieter prüfen. Das passt genau zum Rückzug Frankreichs.

Teure Bewertung, harte Kennzahlen

Hinter dem Streit steht eine ambitionierte Bewertung. Palantir erwirtschaftete im vergangenen Jahr 2,1 Milliarden Dollar freien Cashflow. Die meisten Analysten erwarten, dass sich dieser Wert 2026 auf etwa 4,3 Milliarden Dollar verdoppelt und 2027 um weitere 50 Prozent auf rund 6,4 Milliarden Dollar steigt.

Bei einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 259 Milliarden Euro entspricht das einem Vielfachen von fast dem 50-Fachen des künftigen freien Cashflows. Die Aktie notiert derzeit 16,30 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 130,92 Euro — ein Zeichen dafür, dass der Markt echte Unsicherheit einpreist statt reiner Kursdynamik zu folgen.

Nächste Woche liefert Palantir die Antwort auf die zentrale Frage: Reicht das Wachstum im US-Geschäft mit Behörden und Unternehmen aus, um den schwindenden Fußabdruck in Europas Regierungen auszugleichen? Die Zahlen werden zeigen, ob Oppenheimers optimistische Wachstumsschätzung von 85 Prozent näher an der Realität liegt als die Warnung von Cleveland Research.

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Diskussion zu Palantir

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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