Palantir-Chef Alex Karp wählt scharfe Worte für seine Konkurrenten. Token-basierte Preismodelle, wie sie OpenAI und Anthropic nutzen, seien für Unternehmenskunden „völlig falsch“, sagte Karp am zweiten Juli-Wochenende. Der Aktienkurs reagierte darauf kaum und schloss am Freitag mit 111,02 Euro, ein Minus von 1,70 Prozent.
Karp will weg vom Token-Preismodell
Karps Kritik zielt auf ein Grundprinzip der KI-Branche. Bei token-basierter Abrechnung zahlen Kunden nach Datenmenge, die ein Modell verarbeitet. Karp sieht den Trend anders: Unternehmen wollen zunehmend für Ergebnisse zahlen, nicht für reine Rechenleistung.
Der Palantir-Chef spricht von einer „unsichtbaren Infrastruktur“. Gemeint sind Stromversorgung, Rechenzentren und sichere Kommunikationswege, die KI-Systeme im Hintergrund am Laufen halten. Diese Bausteine würden den eigentlichen Wettbewerbsvorteil ausmachen, so Karp, nicht die Modelle selbst.
Ärger in Großbritannien und Italien
Während Karp verbal gegen die KI-Konkurrenz austeilt, kämpft Palantir politisch an anderer Front. Ein parteiübergreifende Gruppe von Abgeordneten aus dem britischen Gesundheitsausschuss fordert am Freitag erneut, den 330-Millionen-Pfund-Vertrag mit dem National Health Service zu überdenken.
Die Politiker sprechen von „ernsthaftem Misstrauen“ gegenüber dem Umgang mit Patientendaten. Sie schlagen vor, eine Ausstiegsklausel zu nutzen, die Anfang 2027 greift, und dann auf einheimische Anbieter zu wechseln. Italien ist bereits einen Schritt weiter: Die Regierung hat den Ausbau der Zusammenarbeit mit Palantir gestoppt und beschränkt sich nur noch auf begrenzte Verteidigungsverträge. Grund sind Bedenken der EU zur Datenhoheit.
Neue Kunden trotz Gegenwind
Parallel zu den politischen Rückschlägen baut Palantir das Geschäft in Lateinamerika aus. Anfang Juli meldete das Unternehmen eine Partnerschaft mit GNP Seguros, Mexikos größtem Versicherer. Es ist der erste öffentlich bekannte Großkunde des Unternehmens in der Region.
Hinzu kommt eine strategische Kooperation mit SNP. Ziel ist es, SAP-Transformationen für Firmenkunden sicherer und schneller zu machen.
Bei den Analysten herrscht Uneinigkeit über den fairen Wert der Aktie. DA Davidson hob die Einstufung kürzlich von „Neutral“ auf „Buy“ und nennt ein Kursziel von 175 Dollar. Die Analysten begründen das mit Palantirs Rolle als „KI-Orchestrierungsschicht“ — Unternehmen können damit zwischen verschiedenen KI-Modellen wechseln, ohne sich an einen einzigen Anbieter zu binden.
Blick auf die Quartalszahlen
Die Aktie notiert derzeit 3,27 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 114,78 Euro und 16,90 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 133,60 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 22,42 Prozent zu Buche. Der RSI von 48,8 zeigt aktuell weder eine überkaufte noch eine überverkaufte Marktlage.
In den kommenden Wochen richtet sich der Blick auf die Zahlen zum zweiten Quartal. Analysten erwarten einen Gewinn je Aktie von rund 0,28 Dollar, deutlich mehr als im Vorjahreszeitraum. Ob sich der Kurs von seinem 52-Wochen-Hoch bei 179,98 Euro aus dem November wieder annähern kann, dürfte davon abhängen, wie überzeugend Palantir die Skalierbarkeit seiner KI-Plattform AIP beim nächsten Earnings Call demonstriert.
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