Palantir hat sein zehnjähriges AIPCon-Jubiläum für eine breite Ankündigungswelle genutzt. Der wichtigste Baustein ist eine Partnerschaft mit Google Cloud. Dazu kommen neue Mehrjahresverträge in Bau, Versicherung und Rechtsberatung. Trotzdem bleibt der Kurs angeschlagen.
Google öffnet neuen Vertriebskanal
Palantir gab die mehrstufige Kooperation am 4. Juni 2026 bekannt. Der Google Cloud Marketplace nimmt Foundry und AIP auf. Die Unternehmen verbinden BigQuery und Foundry über eine bidirektionale Datenföderation. Auch der semantische Austausch zwischen Googles Knowledge Catalog und Foundry Ontology soll in beide Richtungen laufen.
Gemini rückt näher an Palantir AIP. Kunden können Googles Modelle damit direkt in kritische KI-Workflows einbinden. Das Ziel: Palantir will leichter an Konzerne verkaufen, die ihre Daten bereits in Google Cloud organisieren.
Neue Verträge zeigen die Breite
McCarthy Building Companies unterschrieb einen mehrjährigen Vertrag im Millionenbereich. Das Bauunternehmen will mit Palantirs KI-Plattform ein vernetztes Betriebssystem für den gesamten Konzern aufbauen. Kernstück ist Pulse, eine auf AIP basierende Betriebssuite für Außendienstteams. Sie liefert Echtzeit-Einblicke sowie Hilfe bei Szenarioplanung, Risikoanalyse und Entscheidungen.
GNP Seguros ist Palantirs erster öffentlich genannter Gewerbekunde in Mexiko. Der Versicherer nutzt AIP bereits gezielt für Betrugserkennung im Schadenbereich und Risikoüberwachung. Der neue Vertrag dehnt AIP auf Kranken-, Lebens-, Kfz- und Sachversicherungen aus.
Kirkland & Ellis setzt auf eine Fund-Formation-Engine. Sie soll Dokumente und Abläufe von Anwälten in ein Betriebssystem für Private-Equity-Arbeit bündeln. Weitere Demos kamen vom US-Landwirtschaftsministerium und von Hertz. Auch Nscale, Accenture und Parts Town zeigten Anwendungen.
Die Botschaft ist klar. Palantir will weg von einzelnen Deployments und tiefer in tägliche Arbeitsabläufe hinein. Das ist wichtig für die Bewertung, weil wiederkehrende Nutzung schwerer wiegt als bloße Pilotprojekte.
Warum der Kurs trotzdem schwächelt
Am Donnerstag schloss die Aktie bei 122,02 Euro. Auf Wochensicht steht ein Minus von 9,06 Prozent, seit Jahresanfang ein Rückgang von 14,73 Prozent. Das passt nicht zur Schlagzahl der Meldungen.
Der Markt fragt weniger nach Kundennamen als nach dem Preis, der für dieses Wachstum gezahlt wird. Kein Wunder, dass die Bewertung weiter im Zentrum steht.
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Operativ liefert Palantir starke Argumente. Im jüngsten Quartal stieg der Umsatz um 85 Prozent auf 1,633 Milliarden Dollar. Der US-Gewerbebereich wuchs um 133 Prozent.
Solche Werte erklären die hohen Erwartungen. Sie erklären auch, warum gute Nachrichten allein nicht reichen.
Der bereinigte Free Cashflow erreichte 925 Millionen Dollar, die Marge lag bei 57 Prozent. Auch bei der Effizienz hebt sich Palantir damit deutlich ab.
Die Rule-of-Forty-Kennzahl kam auf 145. Das Management hob die Umsatzprognose für 2026 auf 7,656 Milliarden Dollar an. Es war die größte Anhebung der Unternehmensgeschichte.
Ein weiterer Belastungsfaktor sitzt auf der Vertrauensebene. In den vergangenen drei Monaten verkauften Insider Aktien im Wert von 132,8 Millionen Dollar. Das beweist keinen Bruch in der Story, dämpft aber die Wirkung guter Meldungen.
CEO Alexander Karp veräußerte am 20. Mai 2026 rund 397.744 Aktien für etwa 54,1 Millionen Dollar. Solche Verkäufe sind nicht automatisch ein Warnsignal. In einer hoch bewerteten Aktie verstärken sie aber die Skepsis.
Die Kursziele liegen weit auseinander:
- Freedom Broker: Kursziel 230 US-Dollar, Kaufempfehlung nach den Quartalszahlen.
- Rosenblatt: Kursziel 225 US-Dollar, ebenfalls Kaufvotum.
- Cantor Fitzgerald: Kursziel 138 US-Dollar, neutrale Einstufung.
Diese Spanne zeigt den Kernkonflikt. Palantir wächst rasant und gewinnt große Enterprise-Kunden. Der Aktienkurs braucht aber mehr als Schlagzeilen, um die Bewertungsdebatte zu drehen.
Technisch liegt die erste Hürde bei 124,16 Euro. Unter 121,10 Euro verliert die jüngste Erholung schnell an Kraft.
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