Sieben Tage in Folge im Plus — das gab es bei Palantir seit April 2025 nicht mehr. Am Dienstag springt die Aktie um 4,77 Prozent auf 121,32 Euro. Über die vergangene Woche summiert sich der Anstieg auf 18,75 Prozent.
Zwei Ereignisse treiben die Rally: ein neuer Großkunde in Mexiko und markige Worte von CEO Alex Karp gegen die Konkurrenz.
Erster Großkunde in Lateinamerika
Palantir hat einen Vertrag mit GNP Seguros unterzeichnet. Der Versicherer gehört zum mexikanischen Grupo BAL und ist Marktführer im Land. Für Palantir ist es der erste öffentlich bestätigte Firmenkunde in Lateinamerika.
GNP Seguros will die Palantir-Plattformen Foundry und AIP in mehreren Sparten einsetzen: Kranken-, Lebens-, Auto- und Sachversicherung. Ziel sind bessere Betrugserkennung, Risikoüberwachung und Underwriting. Nach Angaben des Unternehmens soll die Technologie die operativen Fähigkeiten über das gesamte Portfolio hinweg stärken.
Karp attackiert Konkurrenten
Parallel dazu positioniert sich CEO Alex Karp öffentlich gegen andere KI-Anbieter. In einem Interview kritisierte er die „token-basierten“ Geschäftsmodelle von OpenAI und Anthropic scharf. Er bezeichnete sie als eine Art „Vermögenssteuer“ auf Unternehmensdaten.
Karp argumentiert, viele Großunternehmen seien zunehmend verärgert. Modelle, die mit firmeneigenen Daten trainiert werden, würden faktisch Geschäftswert abschöpfen. Palantir stellt seine AIP-Plattform und die Partnerschaft mit Nvidia als Gegenentwurf dar: Firmen sollen eigene KI-Modelle bauen können, ohne die Kontrolle über ihre Daten abzugeben.
Analysten greifen diesen Ansatz zunehmend als Unterscheidungsmerkmal im Softwaregeschäft auf. Die volle Datenhoheit für Kunden könnte sich als Wettbewerbsvorteil erweisen.
Charttechnik zeigt Erholung, Bewertung bleibt hoch
Mit dem aktuellen Kurs hat Palantir seinen 50-Tage-Durchschnitt von 115,20 Euro zurückerobert und liegt nun 5,31 Prozent darüber. Zum 200-Tage-Durchschnitt bei 134,22 Euro fehlen aber noch 9,61 Prozent. Der RSI steht bei 60,9 — ein starkes Momentum, aber noch keine Überhitzung.
Trotz der jüngsten Erholung liegt die Aktie seit Jahresanfang weiterhin 15,22 Prozent im Minus. Vom 52-Wochen-Hoch bei 179,98 Euro aus dem November 2025 trennen Palantir noch 32,59 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief bei 93,30 Euro, erreicht im Juni 2026, beträgt der Abstand mittlerweile gut 30 Prozent.
Das operative Geschäft wächst weiter kräftig. Im ersten Quartal 2026 erzielte Palantir einen Umsatz von 1,63 Milliarden Dollar, ein Plus von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Einige Analysten verweisen dennoch auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von bis zu 300 — der Markt preist also weiterhin erhebliches künftiges Wachstum ein.
Ausblick auf die zweite Jahreshälfte
Palantir hat seine Umsatzprognose für 2026 auf eine Spanne von 7,65 bis 7,66 Milliarden Dollar angehoben. Gestützt wird das Ziel durch ein Wachstum des US-Firmenkundengeschäfts von 133 Prozent im ersten Quartal sowie eine „Rule of 40“-Kennzahl von 145 Prozent.
Als weitere Wachstumstreiber gelten die tiefere Integration kundenspezifischer KI-Stacks über die Nvidia-Partnerschaft sowie eine mögliche breitere Adoption in Versicherungs- und Finanzdienstleistungssektoren nach dem Mexiko-Deal. Auf dem Weg dorthin dürfte der 200-Tage-Durchschnitt bei 134,22 Euro zur nächsten Bewährungsprobe werden — an dieser Marke kam es in der Vergangenheit bereits zu Abverkäufen.
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