Alex Karp lässt selten Zweifel daran, dass er das große Ganze im Blick hat. Der Palantir-Chef sprach im CNBC-Interview über eine Wachstumsdynamik, die seiner Einschätzung nach noch mindestens 18 Monate anhalten dürfte. Wer die jüngsten Zahlen des Datenanalyse-Unternehmens liest, versteht, warum er sich das zutraut – und warum die Debatte um Palantir längst über eine einzelne Aktie hinausgeht. Es geht um die Frage, wem westliche Regierungen und Konzerne ihre sensibelsten Daten anvertrauen, wenn künstliche Intelligenz zur kritischen Infrastruktur wird.
Ein Quartal, das die eigene Erzählung übertrifft
Am Montag legte Palantir nach US-Börsenschluss Zahlen vor, die selbst optimistische Erwartungen sprengten. Der Umsatz kletterte um 93 Prozent auf 1,94 Milliarden Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 41 Cent statt der erwarteten 35 Cent. Besonders bemerkenswert: Das US-Privatkundengeschäft wuchs um 149 Prozent auf 764 Millionen Dollar – kumuliert seit 2024 ein Plus von 380 Prozent. Das Unternehmen schloss im Quartal 220 Verträge über mindestens eine Million Dollar ab, 73 davon lagen bei zehn Millionen Dollar oder mehr.
Palantir hob daraufhin seine Jahresprognose an: Der Konzern rechnet nun mit einem Gesamtumsatz zwischen 8,15 und 8,158 Milliarden Dollar für 2026, während das US-Commercial-Geschäft die Marke von 3,424 Milliarden Dollar übertreffen soll – ein Wachstum von mindestens 134 Prozent. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 2,16 bis 2,164 Milliarden Dollar in Aussicht.
Solche Zahlen entstehen nicht im luftleeren Raum. Deutsche Bank-Analyst Brad Zelnick brachte es auf den Punkt: Die AIP-Plattform von Palantir entwickle sich zur „Kontrollebene“ für Unternehmen, die leistungsfähige KI-Modelle nutzen wollen, ohne ihre proprietären Daten preiszugeben. Genau dieses Versprechen der Souveränität – Daten und Algorithmen bleiben innerhalb der eigenen Sicherheitsgrenzen – trifft einen Nerv, seit Staaten und Konzerne zunehmend misstrauisch gegenüber fremdgesteuerten KI-Infrastrukturen werden.
Wall Street überschlägt sich, doch nicht alle bleiben investiert
Die Reaktion der Analysten fiel entsprechend aus. Zelnick stufte Palantir am Dienstag von Halten auf Kaufen hoch und nannte das Kursziel von 200 Dollar. Citi-Analyst Tyler Radke zog gleichentags nach, erhöhte sein Kursziel von 200 auf 245 Dollar und begründete dies mit dem beschleunigten Umsatzwachstum, den Rekordwerten im US-Geschäft und den verbesserten Vertragskennzahlen. Auch UBS, Northland und D.A. Davidson schraubten ihre Kursziele in dieser Woche nach oben, die Spanne reicht mittlerweile von 200 bis 245 Dollar – durchweg mit Kaufempfehlung.
Nicht jeder folgt diesem Optimismus mit dem eigenen Portfolio. Cathie Woods ARK Invest trennte sich Berichten zufolge am Donnerstag von ihrer Palantir-Position, während gleichzeitig Investitionen in andere Werte aufgestockt wurden. Und auch im Unternehmen selbst gab es Bewegung: Direktorin Lauren Stat verkaufte am Mittwoch 3.032 Aktien zum Preis von 165 Dollar je Anteil, insgesamt 500.280 Dollar – ausgeführt im Rahmen eines bereits im Februar festgelegten automatisierten Handelsplans.
Zwischen Rekordbewertung und Vertrauensvorschuss
An der Börse zeigte sich die Euphorie unmittelbar: Am Freitag schoss die Aktie um 9,88 Prozent nach oben und schloss bei 148,84 Euro. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Anstieg auf knapp 40 Prozent. Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von Anfang November fehlen dennoch noch 17,30 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Aktie trotz der jüngsten Rally noch nicht an alte Höchststände herangekommen ist.
Die eigentliche Frage, die sich Anlegern stellt, ist keine kurzfristige. Sie lautet: Wird der Trend zur souveränen KI-Infrastruktur, den Palantir für sich beansprucht, tatsächlich zu einem strukturellen Wettbewerbsvorteil, der über Jahre trägt – oder handelt es sich um eine Wachstumsgeschichte, die ihre eigene Bewertung immer schneller einholen muss, als sie liefern kann? Karps Ansage von 18 weiteren Monaten Wachstumsdynamik ist eine Wette, die der Markt aktuell bereitwillig mitgeht. Ob sie aufgeht, wird sich an den kommenden Quartalszahlen zeigen, die für den 2. November erwartet werden.
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