Ein juristischer Dämpfer in Großbritannien und ein geplatztes Infrastrukturabkommen in den USA – für den dänischen Windkraftkonzern Orsted häufen sich die regulatorischen Hürden. Am Aktienmarkt prallen diese Nachrichten auf eine bemerkenswerte Gelassenheit. Die Papiere verzeichnen seit Jahresbeginn ein sattes Plus. Der Blick auf die operativen Fortschritte erklärt diese Diskrepanz.
Steuer-Urteil und US-Rückschlag
Der britische Supreme Court hat eine weitreichende Entscheidung gegen Orsted gefällt. Ausgaben für Umwelt- und Technikstudien im Vorfeld von Offshore-Windparks berechtigen künftig nicht mehr zu Kapitalfreibeträgen. Die Richter urteilten einstimmig, dass der Bezug zur physischen Anlage bei diesen Vorabkosten zu gering sei. Lediglich Transport- und Installationskosten bleiben steuerlich begünstigt. Das Urteil schmälert die Steuereffizienz künftiger britischer Projekte.
Parallel dazu beenden die Behörden in New Jersey ein zentrales Infrastrukturabkommen. Der 2021 gestartete „State Agreement Approach“ sollte die Netzanbindung für Offshore-Windkraft bündeln. Nach der Absage der Großprojekte Ocean Wind 1 und 2 fehlt nun die Grundlage für die geplante Sammelstation Larrabee. Die veränderte Projektlandschaft macht das zentrale Netzkonzept laut den Regulierern obsolet.
Baufortschritte stützen den Kurs
Abseits der regulatorischen Schreibtische liefert Orsted handfeste Ergebnisse. Das US-Projekt Revolution Wind ist zu mehr als 90 Prozent fertiggestellt. Der Windpark speist bereits ersten Strom in das regionale Netz ein. Nach der vollständigen Inbetriebnahme wird die Anlage rund 350.000 Haushalte versorgen.
Auch beim Projekt Sunrise Wind rückt die Halbzeitmarke näher. Diese operativen Meilensteine überlagern an der Börse die juristischen Störfeuer. Die Investoren honorieren die Umsetzung der aktiven Bau-Pipeline.
Die Orsted-Aktie beendete die Handelswoche an der Kopenhagener Börse bei 163,15 Dänischen Kronen. Das entspricht einem Wertzuwachs von knapp 32 Prozent seit Januar. Im Mai präsentiert das Management die Zahlen für das erste Quartal 2026. Dieser Bericht wird konkrete Details liefern, wie das Unternehmen die jüngsten regulatorischen Einschnitte in der künftigen Projektkalkulation verbucht.
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