Oracle hat seinen Wandel vom reinen Cloud-Dienstleister zum Miteigentümer einer der meistgenutzten Consumer-Apps der USA offiziell besiegelt. Mit einer Beteiligung von rund zwei Milliarden Dollar am TikTok-Joint-Venture geht der Konzern ein Engagement ein, das weit über einen klassischen Hosting-Vertrag hinausgeht.
Vom Infrastrukturpartner zum Anteilseigner
In seinem Quartalsbericht für den Zeitraum bis Ende Februar legte Oracle eine Beteiligung von 2,2 Milliarden Dollar in nicht börsennotierten Schuld- und Eigenkapitalinstrumenten offen — der überwiegende Teil davon entfällt auf die TikTok USDS Joint Venture LLC. Oracle hält gemeinsam mit der Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und dem Abu Dhabi-Fonds MGX jeweils 15 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen. Zusammen halten U.S.- und internationale Investoren 80,1 Prozent; ByteDance verbleibt mit 19,9 Prozent als Minderheitsgesellschafter, wie es das US-Bundesrecht vorschreibt.
Die Grundlage dafür legte ein Gesetz aus dem Jahr 2024, das ByteDance zur Veräußerung der US-Aktivitäten verpflichtete. Präsident Trump genehmigte die Transaktion per Dekret.
Oracle übernimmt in dem Konstrukt eine Doppelrolle: Der Konzern hostet sämtliche US-Nutzerdaten von TikTok und fungiert laut einem Weißen-Haus-Memo gleichzeitig als unabhängiger Sicherheitsdienstleister, der den gesamten US-Betrieb überwacht. Anfang März gab es kurzzeitig Störungen, als ein Problem in einem Oracle-Rechenzentrum die Nutzererfahrung beeinträchtigte; drei Tage später war der Betrieb vollständig wiederhergestellt.
Ab dem vierten Fiskalquartal 2026 wird die Beteiligung nach der Equity-Methode bilanziert. TikToks Umsätze fließen damit nicht in Oracles Konzernrechnung ein, wohl aber ein proportionaler Anteil am Nettogewinn als nicht-operatives Ergebnis.
Rekordquartal mit einer Schattenseite
Die TikTok-Offenlegung fiel mit starken Quartalszahlen zusammen. Der Cloud-Infrastrukturumsatz wuchs im dritten Fiskalquartal um 84 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar — schneller als die 68 Prozent im Vorquartal. Der Gesamtumsatz stieg um 22 Prozent auf 17,2 Milliarden Dollar, und das Management hob die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2027 um eine Milliarde auf 90 Milliarden Dollar an — deutlich über den Analystenschätzungen von 86,6 Milliarden Dollar (LSEG).
Weniger erfreulich ist die Entwicklung beim freien Cashflow. Über die vergangenen zwölf Monate summierte er sich auf minus 24,7 Milliarden Dollar, weil Oracle seine Investitionsausgaben von 21,2 Milliarden Dollar im Fiskaljahr 2025 auf geplante 50 Milliarden Dollar in diesem Jahr hochgefahren hat. Im Februar sicherte sich der Konzern über Anleihen und Pflichtwandelanleihen bereits 30 Milliarden Dollar an Fremdfinanzierung — das Orderbuch war dabei deutlich überzeichnet.
Neues Profil, neue Risiken
Mit der TikTok-Beteiligung betritt Oracle ein Terrain, das für einen Enterprise-Softwarekonzern ungewohnt ist. Regulatorische und politische Aufmerksamkeit rund um TikTok dürfte anhalten und birgt Reputationsrisiken, denen reine Softwareanbieter wie SAP oder Salesforce nicht ausgesetzt sind. Gleichzeitig eröffnet die Kombination aus Datenhaltung, Sicherheitsmandat und Eigenkapitalbeteiligung eine strategische Position, die weder Microsoft noch Amazon in dieser Form innehaben.
Laut einer Analyse von Guggenheim soll der massive Rechenzentrumsausbau ab den Fiskaljahren 2029 und 2030 zu einem deutlichen Cashflow-Anstieg führen, sobald die Kapazitäten vollständig in Betrieb sind. Oracle selbst verweist auf eine um 60 Prozent verkürzte Zeitspanne zwischen Chip-Lieferung und Umsatzgenerierung — ein Indikator dafür, dass der Konzern die Lücke zwischen Investitionsausgaben und Rückflüssen aktiv zu schließen versucht.
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